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Nur der Papst darf länger machen

Nur der Papst darf länger machen

Der Waldbauverein Prüm hat heute in der Karolingerhalle seine Jahresversammlung. Fast ein Vierteljahrhundert stand Hans-Heinrich Thome an der Spitze des Vereins mit fast 3500 Mitgliedern - und wird nicht mehr zur Wahl antreten.

Prüm/Dingdorf. Hans-Heinrich Thome hört auf: Wenn der Waldbauverein Prüm, mit fast 3500 Privatwaldbesitzern einer der größten in Deutschland, heute seinen neuen Vorsitzenden wählt, wird Thome nicht mehr kandidieren.
Warum? "Ich will gehen, solange es noch irgendeinem leid tut", sagt der 71-jährige Dingdorfer Landwirt und lacht. Noch einmal antreten - das würde bedeuten, bis zum 77. Lebensjahr im Amt zu bleiben. Das will der verheiratete dreifache Vater und Opa von drei Enkeln nicht, obwohl Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm, ihn darauf hingewiesen habe, dass manch ein Papst ja auch erst mit Ende 70 anfange. Thome: "Da habe ich gesagt: Papst geht noch, aber Waldbauverein Prüm nicht mehr."
Keine graue Eminenz


In Thomes Zeit fallen wesentliche Veränderungen vor allem bei der gebündelten Vermarktung des Holzes aus den Privatbeständen: Das sei unter seinem Vorgänger Johann Wirtz aus Herzfeld und dem damaligen Geschäftsführer und Leiter des Forstamts Prüm, Dieter Hosius, gestartet worden, den Thome als "Vater der Holzvermarktung" bezeichnet.
Die Prümer waren damit Vorreiter - und erzielten gute Preise auch für die Besitzer kleiner Parzellen: "Der kleine Privatwald spielt ja am Markt keine Rolle", sagt Thome. "Wir bündeln das Angebot und haben so bessere Preise." Fragt man seine Weggefährten, hört man nur Gutes über Thome: "Immer ein verlässlicher Partner", sagt zum Beispiel Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm und voraussichtlicher Nachfolger Thomes. "Klare Linie, prinzipientreu und pragmatisch" - so habe er den bisherigen Vorsitzenden immer erlebt. 23 Jahre in diesem Amt - "das war kein Frühstücksposten", sagt Forstamtsleiter Peter Wind, der auch die Geschäfte des Waldbauvereins führt. "Weit über das Prümer Land hinaus hat er die Interessen der Privatwaldbesitzer vertreten, und das ist sehr zeitintensiv." Thome habe den Besitzern immer wieder Türen geöffnet. Denn sie müssen ihre Interessen mit vielen teilen, die den Wald als Allgemeingut verstehen und nutzen - vom Touristen bis zum Sportler, vom Jäger bis zum Wanderer, "vom Pilzsammler bis zum Bärlauchfreund". Und da gehöre zur Vertretung der Eigentümer-Interessen auch gelegentlich ein klares Wort, auch wenn man sich damit nicht immer beliebt mache. Aber Schwätzen und um den heißen Brei reden, das sei nicht Thomes Ding. Er habe als Forstamtsleiter in den vergangenen Jahren in der Arbeit mit Thome "nicht einmal erlebt, dass die Eifeler Redensart ,ein Wort ist ein Wort\' infrage gestellt wurde", sagt Wind. So sei Thome eben: "Hart in der Sache, konsequent in der Umsetzung, immer mit offenem Visier, aber gleichermaßen zuverlässig bei getroffenen Absprachen".
Wird sich der scheidende Vorsitzende und Hobbyjäger auch ohne Amt weiter im Verein engagieren? "Nur, wenn ich darum gebeten werde", sagt Hans-Heinrich Thome, "Ich werde nicht die graue Eminenz spielen. Ich bin gerne bereit zu helfen, wenn es gefragt ist. Aber nur dann." Und was wünscht er sich für den Verein? "Dass er so weitergeführt wird wie bisher."
Ach, und da ist ja noch ein anderes Amt: Seit beeindruckenden 45 Jahren ist Thome nämlich auch Ortsbürgermeister von Dingdorf. Im Frühling sind Kommunalwahlen. Wird er auch dieses Amt niederlegen? "Das kann durchaus sein", sagt er. "Aber ich bin noch nicht festgelegt."Extra

Gemeinsam vermarkten, gemeinsam profitieren: Holzarbeiten im Wald bei Büdesheim.TV-Foto: Fritz-Peter Linden.

Der Waldbauverein Prüm, 1922 gegründet, ist die älteste Vereinigung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Aus anfangs 96 Mitgliedern sind in neun Jahrzehnten mehr als 3400 geworden, damit ist er zugleich einer der größten in der Bundesrepublik - mit mehr als 12000 Hektar Waldfläche in den Verbandsgemeinden Arzfeld, Prüm, Obere Kyll und Gerolstein. Hans-Heinrich Thome war seit 1991 Vorsitzender. Jahresumsatz 2013 aus der Holzvermarktung unterm Dach der "Prümer Wald- und Holz" GmbH: etwa vier Millionen Euro. Bei der Vermarktung arbeiten die Prümer Waldbauern eng mit den Kollegen im Bitburger Raum zusammen: Gemeinsam gründeten sie dazu die Forstwirtschaftliche Vereinigung Eifel (FVE). Diese bündelt die Holzmengen und handelt Rahmenverträge mit den Großabnehmern aus. fpl