1. Dossier

OB-Wahl: Imposante Erscheinung schlägt einnehmendes Wesen

OB-Wahl: Imposante Erscheinung schlägt einnehmendes Wesen

Der künftige OB Wolfram Leibe und die unterlegene Hiltrud Zock haben völlig unterschiedliche Wahlkämpfe geführt. Eine Gegenüberstellung.

Dass der Wahlabend für die beiden OB-Kandidaten höchst unterschiedlich verlief, liegt in der Natur der Sache. Doch auch den Wahlkampf um das Trierer Rathaus führten Hiltrud Zock und Wolfram Leibe höchst unterschiedlich, und programmatisch grenzten sich die beiden in vielen Punkten klar voneinander ab. Eine Gegenüberstellung. Hiltrud Zock

Der Sonntagabend
Als Hiltrud Zock ins Rathaus kommt, steht fest, dass sie die Wahl verloren hat. Sie lächelt, doch die Enttäuschung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Ihre Aufgabe sei es nun, die Wählerentscheidung zu akzeptieren, sagt sie. Über ihre politische Zukunft habe sie noch nicht nachgedacht, sie müsse sich nun erst sortieren. In den nächsten Tagen will sie in ihrer Agentur arbeiten, dann geht es in Urlaub.

Der Wahlkampf
Hiltrud Zock fuhr in einem Auto mit dem Kennzeichen TR-OB 2015 zu ihren Terminen. Sie verschenkte unter anderem kleine Holzkreisel mit der Aufschrift "Zeit, dass sich was dreht". Ihr Wahlkampf kostete Zock zufolge eine Summe im mittleren bis höheren fünfstelligen Euro-Bereich und wurde teils durch Spenden, teils von ihr selbst finanziert.

Die Strategie
Sie ist als Kommunikatorin und Netzwerkerin in Trier bekannt, und diese Stärke spielte Hiltrud Zock im Wahlkampf aus. Wo immer sie auftauchte, punktete sie mit ihrem einnehmenden Wesen. "Person gegen Programm" ist das Duell der parteipolitisch und verwaltungstechnisch unerfahrenen Kandidatin mit Wolfram Leibe überschrieben worden. Sie sei die ideale Besetzung für das Amt des Oberbürgermeisters, weil sie die Potenziale der Stadt kenne und in der Lage sei, diese zu erschließen, argumentierte sie.

Die Mission
Sollte sie Oberbürgermeisterin werden, werde sie den Mittelstand stärken, umriss Hiltrud Zock im Wahlkampf ihre wichtigste Mission. Konkret bedeute das beispielsweise, Verwaltungsabläufe im Rathaus für Investoren zu beschleunigen. Wichtig sei ihr auch, den Tourismus zu fördern: Das stärke die Wirtschaft und erhöhe die Lebensqualität in der Stadt.

Wichtige Streitpunkte
Im Kampf gegen die Schulden der Stadt plädierte Hiltrud Zock im Wahlkampf für Nachverhandlungen und forderte mehr Geld aus dem Finanzausgleich. Um die Stadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten, setzte Zock auf den Moselaufstieg und kündigte an, weiter für das Projekt zu kämpfen. Hiltrud Zock kündigte an, möglichst viele Grundschulen in der Stadt erhalten zu wollen und für die Egbert-Grundschule eine Lösung zu suchen.

Der Mensch
Hiltrud Zock, 51 Jahre alt, ist in Trier-Ehrang aufgewachsen und lebt im Gartenfeldviertel. Sie hat Soziologie und Medienkommunikation studiert und ist Geschäftsführerin einer Gesellschaft für Marketing und Kommunikation. Hiltrud Zock ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.
Wolfram Leibe

Der Sonntagabend
Wolfram Leibe taucht gegen Ende der Auszählung im Rathaus auf. Seine Säule auf der großen Leinwand bleibt gerade leicht zurück, doch Leibe lächelt. Für den im ersten Wahlgang deutlich hinter Hiltrud Zock liegenden Kandidaten ist schon das Kopf-an-Kopf-Rennen ein erster Erfolg. Als das Endergebnis erscheint, verschwindet Leibe in seinem jubelnden Tross, umarmt, küsst - und genießt den Freudentaumel.

Der Wahlkampf
Wolfram Leibe konzentrierte seine Kampagne auf Plakate und Anzeigen. Werbegeschenke verteilte er nicht. Sein Wahlkampf verschlang ebenfalls einen mittleren fünfstelligen Euro-Betrag, lag dem Kandidaten zufolge allerdings an der Untergrenze dieser Bandbreite. Das Geld sei je zu einem Drittel von der Partei, Sponsoren und ihm selbst gekommen.

Die Strategie
"Weil ich der Beste bin", antwortete Wolfram Leibe auf die Frage, warum die Wähler ihm ihre Stimme geben sollten. Er bringe sowohl als Mensch als auch an beruflichem Hintergrund vieles mit, was für das Amt des Oberbürgermeisters nützlich sei. Leibe präsentierte sich im Wahlkampf sachlich und nüchtern. Dabei beeindruckte der Kandidat, der schon durch seine fast zwei Meter Körpergröße eine imposante Erscheinung ist, viele Beobachter mit profundem Detailwissen über Trierer Themen.

Die Mission
Wolfram Leibe nannte im Wahlkampf als wichtigstes Ziel im Falle eines Siegs, künftig auf klare Prioritäten zu achten. Es müsse diskutiert werden, welche Aufgaben der Stadt Pflicht seien und welche Kür. So werde die Stadtratsarbeit auch wieder interessanter, sagt Leibe. Außerdem wolle er stärker mit der Region und Luxemburg kooperieren.

Wichtige Streitpunkte
Im Umgang mit den Schulden der Stadt kündigte Wolfram Leibe in seinem Wahlprogramm ein Schuldenmanagement an und versprach, die Neuverschuldung im Zaum halten. 60 Prozent des Verkehrs verursachten die Trierer selbst, sagte Wolfram Leibe, der Moselaufstieg mache keinen Sinn. Leibe positionierte sich gegen eine Instandsetzung der Egbert-Grundschule. Wenn man dort investiere, reiße man anderswo Löcher.

Der Mensch
Wolfram Leibe, 54, stammt aus dem badischen Grißheim und hat Jura studiert. Von 2008 an leitete er die Trierer Agentur für Arbeit, seit vergangenem Jahr ist er Geschäftsführer der Regionaldirektion der Arbeitsverwaltung in Baden-Württemberg. Er pendelt zwischen Stuttgart und Trier, wo Frau und Tochter (14) leben.