1. Dossier

KONNICHIWA! Die Olympia-Kolumne: Jeder Bahnhof hat seine Melodie

KONNICHIWA! DIE OLYMPIA-KOLUMNE : Jeder Bahnhof hat seine Melodie

Wer in Tokio mit der U-Bahn fährt, kann das Leben nicht nur in vollen Zügen genießen, sondern wird auch ex­trem abwechslungsreich berieselt. Vor genau 50 Jahren begann man in der japanischen Hauptstadt damit, jedem Bahnhof eine eigene Melodie zuzuordnen, als Erkennung.

Die Melodie ist bei der Einfahrt der Züge extrem langsam und entspannend. Je näher dann die Abfahrt der Züge rückt, desto aggressiver und schneller wird sie, um zu warnen, jetzt nicht mehr einzusteigen.

Eine besonders schöne und einprägsame Melodie gibt es in der Yamanote-Linie am Bahnhof Shinjuku, nach Zahl der Passagiere der größte der Welt. „Twilight“ heißt das Lied, das cascadenartig immer schneller wird.  Mittlerweile lebt eine ganze Branche gut von den Kompositionen. Manche sind so bekannt, dass es sogar Souvenirs für sie – etwa in Form von Spielzeug mit den Melodien – gibt.

Auch das berühmte Zithersolo aus „Der dritte Mann“ ist in Tokio präsent, im Bahnhof Ebisu. In Musashi wird ein Volkslied gespielt, in dem es um die dortigen Kirschblüten geht.

Hinter jeder Melodie steckt eine Bedeutung, auch wenn es eigentlich nur darum geht, dass bald die Türen von Waggons schließen.

Olympioniken werden die Musik indes nicht hören, denn Athleten dürfen coronabedingt das Olympische Dorf nur für ihre Wettkämpfe verlassen – und auch keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen.

 TV-Mitarbeiter Björn Pazen arbeitet als Medienchef des Olympischen Handballturniers in Tokio. Während der Spiele schildert er seine Eindrücke in der Kolumne „Konnichiwa“ („Hallo“).