1. Dossier

Silber für Trier: Richard Schmidt Olympia-Zweiter mit dem Ruder-Achter

Sommerspiele in Tokio : Silber für Trier: Richard Schmidt Olympia-Zweiter mit dem Ruder-Achter

Für das große Ziel Gold hat es nicht gereicht, dennoch kehrt das Flaggschiff des Deutschen Ruder-Verbands mit einer Medaille aus Japan zurück.

Kurz vor dem Start atmet der Trierer Richard Schmidt nochmal mehrmals kräftig durch, ehe der Showdown beginnt. Um Punkt 3.25 Uhr deutscher Zeit (10.25 Uhr Ortszeit) werden die Achter auf die Reise geschickt. 2000 Meter volle Power – bis zur absoluten Erschöpfung.

Das deutsche Boot, das in den Vorläufen die Konkurrenz hinter sich gelassen hatte, kommt auf dem Sea Forest Waterway gut rein - bei ordentlichen Bedingungen ohne hohen Wellengang. Nach 500 Metern liegen Schmidt und Co. vorne, knapp vor Großbritannien.

Doch dann wendet sich das Blatt. Neuseeland, in seinem Vorlauf zunächst Zweiter und dann Sieger des Hoffnungslaufs, schiebt sich nach vorne. Das deutsche Boot passiert die 1000-Meter-Marke 0,25 Sekunden dahinter.

Die Entscheidung fällt zwischen 1250 und 1500 Metern: Neuseeland setzt sich weiter ab, auch Großbritannien kommt weiter nach vorne. 500 Meter vor dem Ziel liegt das deutsche Boot nur noch auf Rang drei – mit 1,76 Sekunden hinter den Führenden.

Im Schlussspurt schnappt sich Deutschland nochmals die Briten, an die Neuseeländer kommt der Deutschland-Achter aber nicht mehr heran – die nächste Überraschung bei den olympischen Ruder-Wettbewerben ist perfekt.

Neuseeland greift sich Gold – in 5:24,64 Minuten. Letztmals – und bis dato erstmals - hatte ein Achter der Kiwis vor 49 Jahren in München einen Olympiasieg eingefahren.  Eine knappe Sekunde dahinter – oder eine halbe Bootslänge – kommt Deutschland auf Platz zwei (5:25,60 Minuten), Großbritannien gewinnt Bronze (5:25,73 Minuten)

Das deutsche Boot hat das große Ziel Gold verpasst, aber Silber gewonnen. Ein Zwiespalt, den es erstmal zu verarbeiten gilt. Für Schmidt, dessen beeindruckende Karriere mit Olympiagold 2012, zweimal Silber 2016 und 2021 sowie sechs WM-Titel nun enden dürfte. Und für seine Mitstreiter. Entsprechend schwanken die Reaktionen zunächst zwischen Enttäuschung und (verhaltener) Freude. Sowohl direkt nach dem Zieleinlauf im Boot auf dem Wasser, als auch später bei der Siegerehrung. Es sind emotionale Momente für die Kraftpakete.

Mit etwas Abstand dürfte Stolz auf das Erreichte Oberhand gewinnen. Denn wie schnell man in der eng beieinander liegenden Weltspitze auch mit leeren Händen dastehen kann, zeigt der niederländische Achter. Im Vorlauf hinterließ die Crew einen bärenstarken Eindruck – um dann im Finale geschlagen nur auf Rang fünf einzulaufen.