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Quartett lässt sich in Karten schauen

Konz/Saarburg. Die vier Bewerber für die Neuwahl des Landrats im Kreis Trier-Saarburg am 22. September haben beim Forum des Trierischen Volksfreunds in Konz miteinander und mit Bürgern diskutiert. Neben Kommunalpolitik und Quizrunden gab es erstmals eine Testwahl (siehe Extra). Marcus Hormes

Konz/Saarburg. 120 Besucher informieren sich beim TV-Forum im angenehm kühlen Kloster Konz-Karthaus aus erster Hand über die vier Kandidaten, die Landrat beziehungsweise Landrätin des Kreises Trier-Saarburg werden wollen. Die TV-Redakteure Harald Jansen und Albert Follmann moderieren den Abend.

Die Bewerber: Sabina Quijano (51, Kanzem, Kunsthistorikerin, Grüne, Mitglied im Kreistag und Verbandsgemeinderat Konz); Darja Henseler (34, Trier, Biologin, Piratenpartei); Thomas Neises (42, Trier, Unternehmer, SPD, Mitglied im Stadtrat Trier); Günther Schartz (51, Wincheringen, Landrat, CDU).LANDRATSWAHL 2013


Die Reden: Drei Minuten stehen allen zur freien Verfügung. Quijano sagt: "Der Kreis ist gut aufgestellt, aber es gibt Punkte, die besser werden können." Henseler ist "unzufrieden mit der Politik" und will "Projekte, die möglichst vielen Leuten nützen". Laut Neises würde dem Kreis "mehr Sozialdemokratie guttun". Schartz sieht den Kreis "in vielen Punkten an der Spitze" und Chancen durch Zusammenarbeit der Gemeinden.

Thema Verkehr: Thomas Neises will zwar den Moselaufstieg (Direktverbindung vom Moseltal bei Trier zur A 64), das Land sei aber dagegen. Neises\' Forderung: "Wir müssen den Öffentlichen Personennahverkehr ausbauen."
Schartz hält klar am Moselaufstieg fest und plädiert für eine Autobahnausfahrt zwischen Sauertalbrücke und B 51. Quijano ist gegen eine weitere Verteuerung der Bustickets: "Wir müssen dazu die Verträge im Verkehrsverbund Region Trier ändern oder einen anderen Verbund bilden." Henseler schlägt hingegen einen "fahrscheinlosen und umlagefinanzierten ÖPNV" vor: Wenn etwa alle Kreisbewohner ab 16 Jahren pauschal 20 Euro pro Monat zahlten, kämen 29 Millionen Euro pro Jahr zusammen.

Thema Kommunalreform: Laut Henseler sollte es keinen Zwang zu Zusammenschlüssen von Kommunen geben. Quijano sieht Bereiche wie Bauämter, die Verbandsgemeinden an den Kreis abgeben könnten. Schartz fordert, statt einer "Landkartendiskussion" bei den Aufgaben anzufangen. Neises will über Verbandsgemeinden dann reden, wenn sie zu klein werden.

Das Publikum: Viele Parteigänger besuchen das Forum. Daher sind die Fragen aus dem Publikum zu Themen wie Nationalpark Hunsrück, Cattenom und Alternativen zum Moselaufstieg meist parteipolitisch gefärbt.

Schlagfertigkeit: Beim Vervollständigen von Satzanfängen gerät Schartz kurz ins Stocken. Moderator Follmann setzt an: "Für ein Schattenkabinett in Mainz stehe ich …." Günther Schartz sagt zunächst lächelnd: "Das ist eine unanständige Frage." Und dann: "Ich bin Landrat und will Landrat bleiben." Thomas Neises, dem ehemaligen Trierer Karnevalsprinzen, fällt zum Unterschied zwischen Prinz und Landrat spontan ein: "Der hat keine Strumpfhosen an."
Henseler wirkt anfangs angriffslustig, hält sich aber dann doch zurück. Echte Attacken gegen die Kontrahenten kommen von keinem Kandidaten - Sachargumente dominieren.

Kreiswissen: Im Quiz rund um den Landkreis schlagen sich die vier Kandidaten gut. Bei der Frage nach der Zahl der Ortsgemeinden verschätzt sich Darja Henseler allerdings deutlich: Statt 200 sind es in Wirklichkeit 104. Alle Fragen und Antworten finden Sie hier.Extra

Alle Besucher des TV-Forums dürfen am Ende schon mal probewählen und auf einem vom TV auf jeden Sitz gelegten Wahlzettel ihren Favoriten ankreuzen. 94 Besucher beteiligen sich daran. Ergebnis: Amtsinhaber Günther Schartz (CDU) bekommt exakt 50 Prozent der Stimmen, Thomas Neises (SPD) 23,4 Prozent, Sabina Quijano 17 Prozent und Darja Henseler (Piratenpartei) 9,57 Prozent. Würde die Landratswahl am 22. September so ausgehen, hätte niemand die absolute Mehrheit der Stimmen, und es käme zwei Wochen später zur Stichwahl zwischen Schartz und Neises. cus