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Regionale Christdemokraten verlieren Wackelplatz

Regionale Christdemokraten verlieren Wackelplatz

Die Region Trier stellt im neuen EU-Parlament keinen eigenen Abgeordneten mehr. Die Saarburgerin Simone Thiel (CDU) verpasste knapp den Einzug. Dafür schaffte es der Bopparder SPD-Mann Norbert Neuser, der eigentlich auf einem beinahe aussichtslosen Listenplatz stand.

Trier. Der Trierer SPD-Bundestagsabgeordneten Katharina Barley war die Begeisterung anzumerken: "Darüber freue ich mir wirklich einen Wolf", kommentierte Barley auf ihrer Internetseite den neuerlichen Einzug ihres Parteifreundes Norbert Neuser ins EU-Parlament. Denn den 65-jährigen Sozialdemokraten aus Boppard am Rhein hatte niemand so recht auf der Rechnung.Europawahl 2014


Mit Listenplatz 27 war Neuser eigentlich so gut wie chancenlos. Doch dank des guten Abschneidens der SPD verlängerte der ehemalige Schulleiter sein Brüsseler Abgeordnetenmandat.
Auch die Pfälzerin Jutta Steinruck sitzt weiter für die SPD im Europaparlament.
Neben den zwei Sozialdemokraten wurden auch zwei rheinland-pfälzische Christdemokraten erneut gewählt: Werner Langen aus Müden (Kreis Cochem-Zell) und die ehemalige Bingener Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode stellte die CDU noch drei der sechs rheinland-pfälzischen EU-Abgeordneten.
Platz drei der CDU-Landesliste ist seit 20 Jahren Stammplatz der regionalen CDU. "Das war schon immer ein Wackelplatz", sagt CDU-Bezirkschef Bernhard Henter.
Trotzdem gelang CDU-Frau Christa Klaß (Osann-Monzel) immer wieder der Sprung ins EU-Parlament. Dass jetzt ausgerechnet Klaß\' Nachfolgerin Simone Thiel im ersten Anlauf knapp scheiterte, finden die regionalen Parteifunktionäre mehr als ärgerlich. Bei der Suche nach den Gründen sind einige Schuldige rasch ausgemacht.
Der CDU-Altvordere Horst Langes, der von 1979 bis 1994 im EU-Parlament saß, sieht eine Mitschuld bei den deutschen Verfassungsrichtern, die zuletzt die Drei-Prozent-Sperrklausel gekippt und so den Einzug von kleinen Parteien erst ermöglicht hatten. "Hoffentlich haben diese Richter die letzte Nacht schlecht geschlafen", meint der 85-Jährige und ergänzt: Statt einer kompetenten jungen Frau aus Saarburg säße demnächst ein verbohrter alter NPD-Mann im Parlament.
In die gleiche Richtung argumentiert auch der Bitburg-Prümer CDU-Chef Michael Billen: "An unserer hervorragenden Kandidatin lag es jedenfalls nicht."
Auch das Trierer CDU-Urgestein Horst Langes ist voll des Lobes über die knapp gescheiterte Simone Thiel. Natürlich könne sie in fünf Jahren erneut antreten, sagt Langes, die politische Karriere der jungen Frau habe doch gerade erst begonnen. Das sieht auch CDU-Bezirkschef Bernhard Henter so. "Wenn es nach mir geht, kann Frau Thiel in fünf Jahren erneut antreten. Durch ihren Top-Wahlkampf hat sie sich eine zweite Chance verdient."
"Ich war in den letzten Wochen jeden Tag 15 bis 16 Stunden unterwegs", sagt Simone Thiel selbst, mehr Wahlkampf könne man einfach nicht machen. Dass es trotzdem nicht gelangt hat - "es ist, wie es ist". Bis Ende der Woche will die Saarburgerin jetzt erst einmal Urlaub machen. Eines steht für die 35-Jährige jetzt schon fest: Sie will sich in ihrer Partei für Europa starkmachen. Und in fünf Jahren erneut antreten: "Ich wäre lieber direkt nach Brüssel gefahren. Jetzt drehe ich halt vorher noch eine Schleife", nimmt Thiel die Niederlage sportlich.
Die scheidende Parlamentarierin Christa Klaß fordert derweil für die regionale CDU bei der nächsten Europawahl einen besseren Listenplatz. "Da muss sich die rheinland-pfälzische CDU auch einmal fragen lassen, ob der Bezirk Trier auf Platz drei wirklich angemessen vertreten ist", keilt Klaß in Richtung Parteiführung.Extra

Saar-CDU fordert neue Mandatsverteilung: Nach der Europawahl hat die Saar-CDU eine neue Regelung für die Verteilung der deutschen CDU-Mandate angemahnt. Obwohl die Landespartei das fünftbeste Ergebnis aller Landesverbände erzielt habe, werde kein christdemokratischer Saarländer im neuen Europaparlament sitzen, sagte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Klaus Meiser, am Montag in Saarbrücken. Die CDU müsse sicherstellen, dass jedes Bundesland auch im Europäischen Parlament vertreten ist. Zwei Saarländer im EU-Parlament: Die CDU war am Sonntag stärkste Kraft im Saarland geworden. Dennoch verfehlte die Spitzenkandidatin Helma Kuhn-Theis knapp den Einzug ins Europaparlament, während die Saar-SPD weiter dort vertreten ist. Der Grund dafür ist, dass die CDU als einzige deutsche Partei ihre Sitze nach einem komplizierten System über Landeslisten verteilt. Im neuen Europaparlament werden künftig nur noch zwei Saarländer sitzen. Bisher war das Bundesland dort mit drei Abgeordneten vertreten. Wiedergewählt wurde der saarländische SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen. Zudem zieht der Saarbrücker Bernhard Eck von der Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz ins EU-Parlament ein. Ergebnis: Die Europawahl im Saarland hat die CDU knapp für sich entschieden. Für die Partei von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer stimmten nach dem vorläufigen Endergebnis 34,9 Prozent (minus 1,0 Prozent) der Wähler, für die SPD 34,4 (plus 7,8) Prozent. Die AfD schaffte aus dem Stand 6,8 Prozent. Linke und FDP verloren kräftig. Die Linke fiel auf 6,7 Prozent (minus 5,4), die FDP sogar auf 2,2 (minus 5,8). Auch die Grünen büßten Stimmen ein und kamen auf 6 Prozent - 1,7 Prozent weniger als vor fünf Jahren. dpa