1. Dossier

Rock am Ring 2012: Eifel, lass uns ewig rocken!

Rock am Ring 2012: Eifel, lass uns ewig rocken!

Das bewährte Mittel - der Ausnahmezustand: Mehr als 86 000 Fans haben am Wochenende am Nürburgring mit über 80 Bands gefeiert. Auf den Bühnen standen wetterfeste Größen wie Metallica, die Toten Hosen, Linkin Park oder Motörhead. Zu entdecken gab es aber auch Neues.

Nürburgring. Jack Black ist ein netter Mann. Der US-Schauspieler und Sänger hat sich gerade mit seiner Band Tenacious D am Samstagabend auf der Centerstage jede Menge neue Fans erspielt. Aus dem Bühnenhintergrund spuckt ein aufgeplusterter Feuervogel - deutlich mehr Phallus als Phönix - Konfetti ins Volk. JB verzeiht man nach dem extrem unterhaltsamen Mix aus 70er Hardrock, Songwriting und Comedy-Einlagen dann gern ein albernes Wortspiel wie "eargasm" (was im Deutschen - ‚Ohrgasmus\' - gleich noch gruseliger klingt). Black und sein noch weniger nach Rockstar aussehender XXL-Kollege Kyle Gass zeigen Herz für die "Kleinen", die am späteren Abend noch ranmüssen. "Bleibt ruhig noch hier", flachst Black ins Publikum, ganz der Gönner: "Gebt der Band eine Chance. Sie ist natürlich nicht Tenacious D - aber sie sind gut."
Gemeint ist: Metallica. Zum fünften Mal bei Rock am Ring spielen James Hetfield & Co. in der Eifel, nach 1999, 2003, 2006 und 2008. Die Kalifornier sind der Hauptgrund dafür, warum die diesjährige Auflage so früh wie noch nie ausverkauft war. Schon Mitte Januar waren die 86 500 Karten weg.
Wie kaum eine andere Musikrichtung verbindet Metal schließlich die Generationen. Von daher liest sich die einzige Schnittmenge zwischen dem 18-jährigen Ring-Debütanten und dem 45-jährigen Versicherungsvertreter wohl so: Metallica, vielleicht noch Motörhead und Tenacious D. Die Zeltstadt rund um den Ring war ab Donnerstag nahezu komplett voll. Nur wenige reisten am ersten Festivaltag an - schließlich gehört auch die Vorfreude und das richtige Warm-up-Programm auf dem Campingplatz dazu: Dosenbier-Orgien, trashige Kostüme, dazu die freiwillige Aussetzung des Hygiene-Zwangs. Zur Vorfreude passte auch das Programm am Freitag: ein solider Headliner (weder euphorisiend noch schlecht: Linkin Park), bewährtes Alteisen aus Lemmys Traditions-Lädchen Motörhead oder die große Stimme im großen Körper (Beth Ditto von Gossip genoss das Bad in der Menge). Am Samstag passte dann fast alles. Etwa für die Jungs von Monoshoque aus Willwerath und Daleiden. Die lieferten nicht nur einen leidenschaftlichen Auftritt auf der Clubstage ab, sondern lernten Backstage auch noch Boulevardblatt-Opfer wie Peter Doherty kennen. Und später am Abend, Metallica? Tja. Die spulen eher lustlos-routiniert als Feuer und Flamme spuckend einige Klassiker ab und spielen dazwischen das komplette "schwarze Album" in umgekehrter Reihenfolge. Samt Feuerfontänen bei "Enter Sandman" und der Erkenntnis, dass Metallica am Ring mal deutlich vitaler waren: For whom the Pflicht ruft, sozusagen. Eine kleine Enttäuschung, aber in Anbetracht eines starken Programms war das zu verschmerzen - zumal auch das Wetter am Freitag und Samstag deutlich besser war als angekündigt: trocken und erträglich kalt. Erst am Sonntag gab\'s den obligatorischen Regen. Als krönender Abschluss des Festivals stand am späten Sonntagabend das offizielle Jubiläums-Konzert der Toten Hosen zum 30-jährigen Bestehen an, danach noch Deichkind als tanzbarer "Rausschmeißer" (ausführlicher Bericht folgt). Eigentlich hätten sich auch die Veranstalter MLK ein Jubiläum aufs Banner schreiben können: Zum 25. Mal ging Rock am Ring in diesem Jahr über die Bühnen. Das Festival, das 1985 zum ersten Mal stattfand, hatte sein "offizielles" Jubiläum aber schon vor zwei Jahren gefeiert - 1989 und 1990 gab es aber kein Rock am Ring.