1. Dossier

Musik-Festival: Ein Blick hinter die Kulissen von Rock am Ring

Musik-Festival : Ein Blick hinter die Kulissen von Rock am Ring

Die Fans jubeln über die Rückkehr des Festivals Rock am Ring auf den Nürburgring. Aufwand und Anforderungen sind enorm gewachsen. Tausende Mitarbeiter sind im Einsatz. Ein Verantwortlicher erlaubte am Donnerstag Blicke hinter die Kulissen.

Ich bau 'ne Stadt für dich. Der Hit von Cassandra Steen und Adel Tawil aus dem Jahr 2009 passt zur aktuellen Situation im Eifelort Nürburg. Mitten im Bergidyll entsteht logistisch gesehen eine kleine Großstadt mit fast 100.000 Menschen auf engem Raum. Sie lebt drei Tage, dann löst sie sich wieder auf. Die Anforderungen an die Macher hinter den Kulissen waren nie höher, vor allem angesichts der aktuellen Sicherheitslage.

Klaus Kunzendorf ist Verantwortlicher für sämtliche Aufbauten auf dem Festivalgelände. Er sagt: "Zur Sicherheit der Besucher haben wir deutlich mehr Ordner, mehr Einlässe, mehr Kontrollen und ein noch wacheres Auge. Wir kontrollieren die Festivalbesucher und über unsere Partnerfirmen auch die Mitarbeiter. Wir tun alles, was möglich ist."

Alles, was möglich ist - das bedeutet strengere Regeln und intensivere Kontrollen. Die Fans brauchen mehr Geduld als in früheren Zeiten. Sandro (26) aus Trier ist sich darüber im Klaren, doch das nimmt ihm nicht die gute Laune. "Ich fahre seit 2008 jedes Jahr zum Ring", sagt der Mitarbeiter einer Dachdeckerfirma. "In dieser Zeit habe ich viele Änderungen erlebt. Aber es hat immer funktioniert." Er macht eine Pause. "Bis auf Mendig. Aber das war ein Supersturm, das kann niemand verhindern."

2015 und 2016 zog Rock am Ring auf den Flugplatz Mendig um. Veranstalter Lieberberg und der Besitzer der Rennstrecke, der Automobilzulieferer Capricorn, konnten sich über die Gewinnaufteilung nicht einigen. Doch Mendig wurde zum Drama: In beiden Jahren trafen schwere Unwetter das Festival, Fans wurden durch Blitzeinschläge verletzt. 2016 musste Rock am Ring abgebrochen werden.

Groß war die Freude, als Lieberberg Anfang Dezember verkündete, zum Nürburgring zurückzukehren (der TV berichtete). Seine Begründung: Arten- und Gewässerschutz hätten Millioneninvestitionen erfordert, wenn er in Mendig hätte bleiben wollen.

Auf dem Nürburgring ist das Team auf neue Unwetter vorbereitet. "Wir haben erstmals eine sehr aufwendige Blitzschutzanlage auf allen Bühnen, Türmen und Gebäuden installiert", sagt Kunzendorf.

Bereits seit Anfang der Woche sind rund 120 Arbeiter, darunter Gerüstbauer und speziell ausgebildete Kletterer, dabei, die drei großen Bühnen zu errichten. Dabei sind 50 Stapler im Einsatz. Die Hauptbühne wird 56 Meter breit und 36 Meter hoch. Auf die Frage, wann alles fertig sein wird, sagt Kunzendorf: "Wie immer pünktlich zur Öffnung am Freitag."

Während auf dem Festivalgelände noch malocht wird, läuft auf einigen Zeltplätzen bereits seit Mittwoch die Party - mit Musik sowie Bier und Dosenravioli, die palettenweise angekarrt werden. Die meisten Festivalbesucher indes scheinen sich trotz des Terroranschlags von Manchester keine allzu großen Sorgen zu machen (siehe Umfrage). "Ich habe überhaupt keine Bedenken, es ist alles gut geregelt. Wenn was passiert, steckst du eh nicht drin", sagt beispielsweise Max aus Köln. Zum einen vertrauen die Musikfans in die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen und nehmen auch die verschärften Kontrollen vor dem Festivalgelände in Kauf - so wie Benjamin aus Köln: "Für mich spricht nichts dagegen, auch wenn es etwas länger dauert." Zum anderen ist für einige der Besuch von Rock am Ring eine bewusste Entscheidung gegen den Terror: "Wir können so etwas nicht verhindern, also machen wir einfach weiter und lassen so die Leute nicht gewinnen mit ihrer Ideologie", sagt Benedikt.

Am Pfingstwochenende rocken 90 Bands auf vier Bühnen den Nürburgring in der Eifel. Das bekannteste Rockfestival Deutschlands ist komplett ausverkauft. Der Veranstalter rät davon ab, ohne Ticket anzureisen. Dem Schwarzmarkt auf der Straße ist oft nicht zu trauen - möglicherweise bieten Betrüger gefälschte Tickets an.