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Green Camping bei Rock am Ring: Kein Müll, aber Nachtruhe-Regeln

Zelten : Was ist das Besondere am Green Camping bei Rock am Ring? - Warum manche Festivalbesucher auch mit Nachtruhe-Regeln feiern können (Video)

Camping-Formate gibt es bei Rock am Ring einige. Auf einem Platz herrschen besondere Regeln: Kein Müll, keine großen Musikanlagen und Nachtruhe. Wir haben uns das Green Camping mal genauer angeschaut und wurden sofort von den Gruppen integriert.

Strahlend blauer Himmel, ein Zelt am nächsten, Grillgeruch liegt in der Luft – auch schon am frühen Samstagmittag sind die Ringrocker aktiv. Doch Camping auf D9 ist anders, als an vielen anderen Stellen. Kein Müll, keine großen Musikanlagen und Nachtruhe – klingt erstmal nicht nach Rock am Ring, oder? Ist es aber. Denn genau das sind Gründe, warum einige Festival Besucher sich für das Green Camping entscheiden. Die Stimmung dort – der Hammer.

Auf dem Boden sitzt eine Gruppe im Kreis. „Wer will noch ein Bier?“, fragt Kiana, die an der Quelle sitzt. Sie macht die neue Palette auf. Und schon habe auch ich das erste Bier in der Hand und sitze mit der Gruppe aus der Eifel auf dem Boden. Seit 2017 kommen Kiana und Marla mit ihren Eltern zum Green Camping, von ihnen auch „Senioren Camping“ genannt. Dieses Jahr sind sie wieder da – nur ohne ihre Eltern.

Green Camping bei Rock am Ring 2022

Wenig Müll und Nachtruhe ist für die Green Camper überzeugend

Was die Eifler an dem Green Camping so schätzen? „Es gibt Duschen, Toiletten und nachts ist‘s einigermaßen ruhig. Trotzdem hat man das Camping-Gefühl.“ Auch wichtig: Der Müll wird weggeräumt. Und bis zum Festival-Gelände dauert es zu Fuß nur 20 Minuten. Mit 18 Leuten sind sie dieses Jahr da. „Wir finden es total schön, dass hier so viele Generationen immer zusammenkommen“, sagt Marla. „Man hat hier auch seine Ruhe, wenn man mal schlafen möchte, aber man kann trotzdem das Festival in vollen Zügen genießen. Wir fühlen uns hier total wohl. Cheers!“

   Quasi Pflichtprogramm auch beim Green Camping bei Rock am Ring ist, eine Runde des Trinkspiels "Flunkyball" mitzuspielen? Auch Volksfreund-Reporterin Angelina Burch (rechts) "muss" eine Gruppe aus Schleswig Holstein einmal verstärken und helfen, die Bierdosen auszutrinken.
Quasi Pflichtprogramm auch beim Green Camping bei Rock am Ring ist, eine Runde des Trinkspiels "Flunkyball" mitzuspielen? Auch Volksfreund-Reporterin Angelina Burch (rechts) "muss" eine Gruppe aus Schleswig Holstein einmal verstärken und helfen, die Bierdosen auszutrinken. Foto: Sven Eisenkrämer

Die Nachtruhe bei Green Camping soll von ein bis acht Uhr eingehalten werden. Um den Müll auf dem Campingplatz zu vermeiden, werden an mehreren Punkten Tonnen aufgestellt, die mehrmals pro Tag geleert werden. Stromaggregate sind in dem Bereich nicht erlaubt.

Weiter geht‘s vorbei an den eng an eng stehenden Zelten. Eine kleinere Gruppe aus Hamm sitzt unter einem Pavillon, der sie vor der heißen Mittagssonne schützt. Normalerweise sei das Green Camping nicht ganz so überlaufen wie dieses Mal, sagt Benny. „Aber man kann sich zumindest noch einmal umdrehen und hat ein bisschen Platz.“ Seine Freunde waren schon 2019 beim Green Camping und sehr zufrieden. Deshalb war für sie klar, dass sie dieses Jahr auch gemeinsam dort campen wollen.

Green Camping vereint mehrere Generationen

Für David aus Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) war auch keine Frage, wo er campen wird. Der damals 16-jährige David wollte etwas cooles mit seinem Vater unternehmen. Seinem Sohn zuliebe ist er mitgefahren, dann „waren wir infiziert.“ Seit 2012 sind David und sein Vater Stammgäste bei Rock am Ring. Nur 2015 nicht, „da waren die Bands nicht so überzeugend.“ Das Jahr Pause haben die beiden bereut.

Der Vorteil von Green Camping sei, dass sie am Ende des Festivals nicht auf einer Müllhalde sind. „Es ist so entspannt hier.“ Auch die Nachbarn lernt man beim Green Camping schnell kennen. So finden sich immer wieder verschiedene Gruppen zusammen, die gemeinsam auf dem markierten Feld Flunky Ball spielen. Und so muss auch ich wieder ran, ein Nein akzeptiert die sympathische Gruppe nicht. Fünf Leute stehen auf jeder Seite, dann kann es losgehen. Ganz knapp verliert meine Gruppe, die Stimmung bleibt trotzdem bei allen gut.

Becci, die wie David aus Schleswig-Holstein angereist ist, findet die Community beim Green Camping cooler, als sie das sonst beim General Camping erlebt hat. „Das ist einfach geil hier, jeder nimmt jeden auf, jeder kommt einfach dazu.“ Vor ihren Zelten steht Olaf, ein aufblasbares Einhorn, das die Gruppe als Bierkühler nutzt.

Ob Schlümpfe, Jesus oder seine Anhänger, die die Camper zum Gott des Bieres bekehren wollen – die Stimmung beim Green Camping ist an allen Stellen top.