Kommentar zum Line-Up von Rock am Ring Weniger Rap, viele deutsche Bands: Das könnte klappen

Meinung · Vergangenes Jahr waren 20.000 Menschen weniger bei Rock am Ring, als üblich. Jetzt haben die Veranstalter reagiert, an manchen Stellschrauben gedreht – und ein Line-Up auf die Beine gestellt, mit dem man das Festival durchaus wieder ausverkaufen könnte.

 Die Ärzte kommen zu Rock am Ring 2024

Die Ärzte kommen zu Rock am Ring 2024

Foto: dpa/Kirsten Neumann

Rock am Ring 2024 wird wichtig. Es dürfte Druck auf dem Kessel der Veranstalter sein. Der Grund: Vergangenes Jahr waren nur 70.000 Menschen auf dem Ring. Rund 20.000 weniger als üblich. Viele nannten als Grund zu hohe Preise bei zu wenig gebotenen Bands. Beim Ring stand man also vor einer Grundsatzentscheidung, in welche Richtung man das Festival führen will. Und: Man hat was das veröffentliche Line-Up angeht, richtig entschieden.

Klar, es sind nicht die internationalen Oberkracher, die vom 7. bis 9. Juni auf der Rennstrecke auftreten werden – lässt man Green Day außen vor. Kein Metallica, Iron Maiden oder AC/DC, die sich viele gewünscht hatten. Aber: Mit dabei sind die besten Rockbands, die wir in Deutschland zu bieten haben (lässt man die Toten Hosen außen vor, die sind ja gefühlt immer da). Die Ärzte (Freitag), die Broilers (Samstag) und die Kraftklub haben eine riesige Fanbasis, die sie mit auf den Ring bringen werden. Jeder dieser Bands einen Platz an einem der Tage ganz oben auf dem Line-Up anzuvertrauen, könnte sich lohnen. Gleiches gilt für Maneskin, die sich diesen Platz weit oben verdient haben.

 Billie Joe Armstrong und seine Band Green Day spielen bei Rock am Ring.

Billie Joe Armstrong und seine Band Green Day spielen bei Rock am Ring.

Foto: picture alliance / Myles Wright/ZUMA Wire/dpa/Myles Wright

Weniger Rap bei Rock am Ring

Zweiter richtungsweisender Schritt: Es findet sich viel weniger Rap auf dem Line-Up. Im vergangenen Jahr störte es einige, dass KIZ, Apache 207 und Kontra K recht weit oben auf der Bandliste zu finden waren. Andere freute es. Aber vor allem brachte es ein hausgemachtes Problem mit sich: Da diese Künstler echt wahnsinnig viel Stimmung machen (das kann man ihnen unabhängig von der Musikrichtung nicht absprechen), gingen schwache, rockigere Auftritte unter. Beispiel: Headliner Kings Of Leon hatte deutlich gegen Rapper Finch das Nachsehen. Diesem Risiko geht man jetzt aus dem Weg.

Aller guten Ring-Dinge sind drei: Anders als in den vergangenen Jahren veröffentlicht der Ring alle Headliner auf einen Schlag. Auch das könnte sich positiv auf die Verkaufszahlen auswirken, da nun – da Weihnachten vor der Tür steht – fest steht, was man sich da unter den Baum legen lässt. Und wenn da die Ärzte, Green Day und Kraftklub (und mein ganz persönlicher Favorit Avenged Sevenfold) liegen, dann könnte das doch ganz schön werden.

Rock am Ring ist mehr als 30 Jahre alt. Auch, wenn manche es nicht gerne hören werden: Auch die, die bei den ersten Festivals dabei waren, werden nicht jünger. Irgendwann muss sich der Organisator mehr auf die junge Zielgruppe konzentrieren. Letztes Jahr haben sie es mit viel Rap probiert – klappte nur bedingt. Hoffen wir, dass es so besser funktioniert. Denn noch einmal nur 70.000 Menschen, das könnte dem Image des Festivals schaden.

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