Neues Camping-Konzept 449 Euro fürs Zelten bei Rock am Ring - Lohnt sich das?

Nürburg · Das Utopia Stage Camping ist in diesem Jahr ein neues Konzept bei Rock am Ring. Warum die Besucher überhaupt so viel Geld fürs Zelten bezahlen und womit sie nicht zufrieden sind.

Rock am Ring 2024: Fotos vom Utopia Stage Camping
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Die schönsten Fotos vom Utopia Stage Camping

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Foto: Trierischer Volksfreund/Veronika Königer

Die Sonne brennt vom blauen Himmel. Drei junge Frauen in kurzen Hosen und Tops keuchen auf dem Weg nach oben zur Utopia Stage, der größten Bühne bei Rock am Ring. „Wir kommen vom Green Camping, das ist ganz schön weit weg“, ächzt die eine. Ein übliches Problem, denn von vielen Campingplätzen aus ist der Fußweg zum Festivalgelände am Nürburgring ziemlich weit.

Das bietet das Utopia Stage Camping bei Rock am Ring

Eine Ausnahme: das in diesem Jahr neue Utopia Stage Camping. Der Platz liegt – wie der Name schon sagt – in der Nähe der Hauptbühne. So sind es nur ein paar Minuten vom Zelt bis zum Konzert. Billig ist das Ganze nicht. 449 Euro kostet das Camping, das Festivalticket kommt noch dazu. Zum Vergleich: Die günstigste Camping-Variante bei Rock am Ring kostet 69 Euro. „Hier ist die Bourgeoisie, die zu viel Geld hat“, scherzt einer der Besucher dementsprechend – kommt aber gerade selbst von dem Campingplatz.

Und was gibt’s für das Geld? Zelten in unmittelbarer Nähe zum Festivalgelände direkt neben der Hauptbühne mit eigenem Zugang zu den vorderen Zonen, eine fest reservierte Parzelle (etwa fünf mal fünf Meter) inklusive bereits aufgebautem Zwei-Personen-Zelt, ausgewiesene Parkflächen, separate Sanitäranlagen mit Duschen und WCs, einen Loungebereich mit Stromquellen für Geräte wie zum Beispiel Handys, Essen- und Getränkestände, tägliches Frühschoppen und eine Verleihstation für Campingstühle und Matratzen vor Ort.

Das sagen die Rock am Ring-Besucher zum Utopia Stage Camping

So die lange Liste – aber hält das Utopia Stage Camping auch, was es verspricht? Benni und Achim aus Konz sagen: „Dieses Mal sind wir vom Camping nicht so begeistert.“ Das bereitgestellte Zwei-Mann-Zelt sei zu klein. Tatsächlich sieht es ziemlich schmal aus, vor allem für Menschen, die keine Lust auf Kuschelkurs haben.

Die Zelte beim Utopia Stage Camping seien zu klein, monieren einige Besucher.

Die Zelte beim Utopia Stage Camping seien zu klein, monieren einige Besucher.

Foto: Trierischer Volksfreund/Veronika Königer

Das ist zwar für Zwei-Mann-Zelte durchaus normal, aber für den Preis hätten sich einige Besucher, mit denen wir gesprochen haben, mehr erwartet – und auch, weil die Zelte im vergangenen Jahr beim Experience Camping besser und größer gewesen seien, sagt Benni. Diese Camping-Variante war 2023 auf der jetzigen Fläche des Utopia Stage Camping. Es gibt sie dieses Jahr immer noch, aber in etwas anderer Form. Tatsächlich haben einige Besucher die roten Zelte, die man damals vom Experience Camping mitnehmen durfte, wieder dabei – und sie sind viel größer.

Benni kritisiert noch einen weiteren Punkt: „Bei uns geht es da im Zelt, wo unsere Rucksäcke liegen, schon nass rein.“ Auch das sei bei den Zelten im vergangenen Jahr besser gewesen. Zudem habe es 2023 mehr Sanitäranlagen gegeben. Das Experience-Camping war aber auch ein paar Hundert Euro teurer.

Warum Besucher 449 Euro fürs Camping ausgeben

Und warum generell so viel Geld fürs Zelten ausgeben? Entscheidend sei für sie die Nähe zur Bühne. „Da kannst du einfach rauf und wieder runter“, sagt Benni. „Das ist auch gut, wenn es mal regnet, dann ist der Weg nicht so weit.“ Und man höre die Konzerte auch vom Campingplatz aus, wie zum Beispiel am Freitag die Eröffnung von Querbeat. „Die sind richtig cool, ich wusste nicht, dass die das sind, aber als es losging, dachte ich mir, geil“, sagt der Konzer und freut sich.

Ein paar Zelte weiter wohnen Sandra und Berndt aus Niedersachsen, richtige Rock-am-Ring-Veteranen. Sandra ist schon fast 20 Jahre dabei, Berndt fast 25. Sie haben sich durch die Campingplätze gearbeitet, zuerst kamen die normalen, dann Rock’n’Roll-Camping (mit Strom), dann ebenfalls Experience Camping wie Benni und Achim, und jetzt eben das Utopia Stage Camping.

„Die Wege sind einfach nicht mehr machbar“, gibt Sandra offen zu. Die Nähe zur Hauptbühne ist also für sie ebenfalls der entscheidende Punkt, 449 Euro auszugeben. Und sie kritisiert auch das gleiche wie die beiden Konzer: „Wir zahlen das Geld ja, kein Problem, aber ein größeres Zelt wäre nett“, sagt Sandra – und auch mehr Duschen und Klos.

Kreative Deko beim Utopia Stage Camping

Zu kleine Zelte, zu wenig Sanitäranlagen – diese Kritik hört man auf dem Utopia Stage Camping öfter. Trotzdem ist die Stimmung gut. Während die Musik vom Festivalgelände herüberweht und die Sonne vom Himmel brennt, trinken die Besucher, singen, haben Spaß. Ein leichter Geruch nach Alkohol liegt in der Luft. Die meisten haben Pavillons selbst mitgebracht, einige auch dekoriert – mit Flaggen von Fußballvereinen zum Beispiel.

Gäbe es einen Preis für den kreativsten Campingaufbau, würde den wohl Torsten aus Euskirchen gewinnen. Er hat eine ganze Tiki Bar mitgebracht. Und stört sich im Übrigen nicht groß am Campingplatz. „Klar ist das schade, dass es keinen Strom gibt, aber man muss mit dem zufrieden sein, was man hat“, sagt er. Und Strom hat er dank eigens mitgebrachter Solarpanels sogar selbst.

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