Rock am Ring; Abschluss in Extase mit Slipknot

Bandkritik : Rock am Ring: Abschluss in Ekstase – Wenn Slipknot 555 ist, dann ist der Ring 666

Mit einer astreinen Vorstellung beenden die amerikanischen Metal-Legenden das Programm auf der Volcano-Stage. Dabei werden sie nur von ihren eigenen Fans überboten.

Weit hinter dem zweiten Wellenbrecher der Volcano-Stage bei Rock am Ring entsteht ein Circle-Pit. Vorne im ersten Wellenbrecher gleich mehrere. So weit das Auge reicht, überall in der Menge sind Fans in Ekstase versetzt. Fans, die scheinbar den letzten Funken Kraft nach einem langen Rock-am-Ring-Wochenende herauskitzeln wollen, laufen erst im Kreis und beim Einsetzen des Refrains gegeneinander. 90 Minuten lang. Durchgehend. Sie können nicht anders, denn auf der Bühne zeigt der letzte Headliner des Festivals, Slipknot, sein ganzes Können.

Die amerikanischen Alternative- und Nu-Metal-Legenden lassen ihren Fans, die sie liebevoll „Maggots“ (zu deutsch: Maden) nennen, keine andere Wahl, denn sie eröffnen das Konzert am Sonntagabend mit „People = Shit“ und „Sic“, zwei ihrer kraftvollsten Songs. Frontmann Corey Taylor schreit, als gäbe es kein Montagmorgen. Die Schläge der Perkussionisten und des Schlagzeugers gleichen Kanonenschüssen. Die schnellen Riffs und Bassläufe reißen die Zuschauer in ihren Bann.

Slipknot nimmt seine Fans mit auf eine Reise durch mehr als zwei Jahrzehnte Bandgeschichte. Auch „Unsainted“, der bereits veröffentlichte Song des neuen Albums „We Are Not Your Kind“ (Veröffentlichung am 9. August), findet seinen Weg in die Setlist und in die Herzen von Zehntausenden Fans vor der Hauptbühne.

Auch wenn Slipknot eine absolut astreine Performance auf die Bühne bringt, sind das wahre Highlight des Abends die Fans. Nicht, weil die Band etwas falsch macht. Die Fans machen einfach alles richtig und präsentieren sich in absoluter Weltklasse-Form. Im Song „The Heretic Anthem“ singt Corey Taylor: „Wenn ihr 555 seid, dann bin ich 666“ (Bedeutung: Wenn ihr Menschen seid, dann bin ich der Teufel). An diesem Abend ist Taylor ein Mensch, der eine extreme Performance auf die Bühne bringt. Aber ist das, was die Fans am Sonntagabend nach mindestens drei harten Festivaltagen zeigen, noch menschlich? Auf jeden Fall ist es unglaublich. Wenn Slipknot 555 ist, dann ist der Ring 666.

Kurz vor Schluss gibt ihnen Corey Taylor dann, worauf die eingefleischten Slipknot-Jünger gewartet haben. Er bittet sie alle, auf dem Boden Platz zu nehmen. „Auf mein Signal lasst ihr die Hölle los“, sagt Taylor. Wenige Sekunden später springt der gesamte Ring – der Song „Spit it Out“ hat sein Soll erfüllt.

Einen besseren Abschluss des Programms auf der Volcano-Stage hätte sich der Ring nicht wünschen können. Wie auch am Vorabend bei den Ärzten kann man den Fans nur größten Respekt aussprechen. Besser geht kaum.

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