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Rodens gewinnt haushoch

Rodens gewinnt haushoch

Er blickt auf eine langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik zurück und kennt die Verbandsgemeinde Speicher gut. Der 55-jährige Manfred Rodens (CDU) gewinnt die Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher mit 59,9 Prozent der Stimmen.

Speicher. "Die ist schwer", sagt Erhard Hirschberg, Stadtbürgermeister von Speicher, und schleppt kurz nach 18 Uhr eine riesige Wahlurne aus Metall zu einem großen Tisch im Ratssaal. Dort, wo im Rathaus normalerweise der Stadtrat tagt, ist heute eines von drei Wahllokalen in Speicher eingerichtet. Papier raschelt, hunderte blaue, grüne, rosa und graue Zettel fallen auf den Tisch. Jetzt geht das Auszählen der Stimmen los. Gewählt wurden die Räte und Bürgermeister in zwölf Gemeinden, der Speicherer Stadtrat, der Verbandsgemeinderat nebst dazugehörigem Bürgermeister. 14 Wahlhelfer falten und zählen präzise und so schnell wie möglich. "Ich bin im Stress", sagt Hirschberg, "Bis jetzt ist alles glatt gelaufen. Wir haben ein super Team."
In der Wahlhelfermannschaft dabei ist auch eine der drei Kandidaten für das Amt des VG-Chefs, Agnes Tillmann-Steinbuß. Sie hat nach eigenen Angaben während der vergangenen Tage 3500 Haushalte besucht, um dort Werbung für sich zu machen. "Ich habe getan, was ich konnte", sagt die 61-Jährige. Sie wolle gern im ersten Wahlgang gewinnen. "Das wäre Premiere. Eine Frau gegen zwei Männer, das gab es noch nie." Gewinnen will auch Johannes Mans (55), der das Geschehen aus seinem Heimatort Bettingen verfolgt. "Der Tag war sehr belastend", sagt er, "Ich warte mit Spannung auf das Ergebnis. Mir würde es reichen zu gewinnen, egal mit wieviel Prozent." Kandidat Manfred Rodens, 55, (CDU) ist währenddessen in seinem Heimatort Alsdorf anzutreffen. Er ist als Ortsbürgermeister der Wahlleiter im Ort und wohl bis zum späten Abend im Wahllokal beschäftigt. "Nervenzerreißend ist es zwar nicht. Aber es ist gut, dass ich beschäftigt bin", sagt er. Er ist guter Dinge: "Ich denke, ich habe gute Chancen zu gewinnen." Konrad Adenauer habe ja durch seine eigenen Stimme gewonnen. "Fünfzig plus ein Prozent würde mir ausreichen."
In seinem Büro im Rathaus sitzt der noch amtierende VG-Chef Rudolf Becker. Er hat bei der Rundfahrt in alle Wahllokale seine Stimme schon um 8.15 Uhr abgegeben. Er lobt besonders den fairen, sachlichen Wahlkampf der drei Kandidaten. "Ich gehe davon aus, dass Rodens das Rennen macht und es keine Stichwahl gibt." Wenn Rodens gewinne, wäre er zufrieden, sagt Becker. "Aber, egal wer gewinnt, ich kann beruhigt meinen Hut nehmen."
Die Tendenz ist bereits vor 20 Uhr klar. Rodens galoppiert davon. Das Endergebnis steht um 20.25 Uhr fest. Der neue VG-Chef wird Manfred Rodens mit 59,9 Prozent bei 6415 Wahlberechtigten in zwölf Ortsgmeinden. Das entspricht 2388 Stimmen. An zweiter Stelle rangiert Johannes Mans mit 22,3 Prozent und 888 Stimmen, gefolgt von Agnes Tillmann-Steinbuß, die 713 Stimmen und damit 17,9 Prozent erhält.
Die ersten Reaktionen:
Agnes Tillmann-Steinbuß: "Im Rahmen meiner anderen Mandate werde ich mich weiter für die Menschen hier einsetzen. Traurig bin ich, dass die teure Wahlwerbung von Herrn Rodens und der CDU tatsächlich Wirkung gezeigt hat."
Johannes Mans: "Ich bin sehr enttäuscht, weil meine Inhalte nicht überzeugt haben. Ich gratuliere Rodens und wünsche ihm eine gute Hand."
Der zukünftige Bürgermeister der VG Speicher, Manfred Rodens, war für ein Statement vor Redaktionsschluss nicht erreichbar. Er war im (Wahl)lokal.Meinung

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Grafik Foto: volksfreund.de

Becker-Affäre hat keinen Einfluss
Schon einige Tage vor der Wahl haben die Vögel es von den Dächern gezwitschert: Der Manfred Rodens wird die Wahl wohl gewinnen, hieß es. Dann schlug die Affäre um den amtierenden VG-Chef ein wie eine Bombe. Geld soll er unterschlagen haben, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das Image der CDU und damit ihres Kandidaten Manfred Rodens schien beschädigt. Doch die CDU trat geschlossen auf. Trotz der Affäre tanzte niemand aus der Reihe. Dass Rodens mit solch einem guten Ergebnis auf den Chefsessel der VG steigt, ist angesichts des Vorfalls überraschend. Doch die Wahl eines VG-Chefs ist immer noch eine personenbezogene Wahl. Die einzige Frau in der Runde, Agnes Tillmann-Steinbuß geriet ins Abseits, weil sie sich klar für eine freiwillige Fusion der VG und damit gegen den Erhalt ausspricht. Für den Erhalt wollen Johannes Mans und Manfred Rodens mit allen Mitteln kämpfen. Das gefiel auch den Zuschauern beim TV-Wahlforum. Während Mans durch seine Berufserfahrung das Soziale in den Vordergrund stellt und sich für Senioren und Kinder einsetzen will, gibt sich Rodens erfahren in Kommunalpolitik und im Umgang mit den Menschen in der VG. Das brachte dem 55-Jährigen Pluspunkte. Damit sitzt erneut ein Kandidat aus Reihen der CDU auf dem Chefsessel. m.radics@volksfreund.de