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Schulden runter, Infrastruktur rauf

Schulden runter, Infrastruktur rauf

Schwieriger Spagat für den neuen Ortsbürgermeister von Zemmer: Edgar Schmitt (53, SPD) will von den Schulden runter kommen und gleichzeitig die Infrastruktur in der Mehrortsgemeinde ausbauen.

Zemmer. Im zweiten Anlauf hat Edgar Schmitt sein Ziel erreicht. Vor fünf Jahren hatte er noch bei der Ortsbürgermeisterwahl gegen Winfried Wollscheid von der CDU den Kürzeren gezogen. Diesmal war Wollscheid aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr angetreten, womit der Weg frei war für Schmitt, den einzigen Kandidaten für den Posten des Ortsbürgermeisters in der 3000-Einwohner-Gemeinde. Der 53-Jährige ist ein Kind der Fidei, lebt in Zemmer-Schleidweiler, seinem Geburtsort. Mit 15 ging er zur Eisenbahn, mit 16 zur SPD. Die Liste der Ehrenämter ist lang: Ortsvorsteher von Schleidweiler von 1984 bis 1989, Mitglied im Verbandsgemeinderat Trier-Land von 1984 bis 1994 und wieder ab 2004, Fraktionsvorsitzender, Schöffe am Jugendgericht, Engagement in Sportvereinen.

Dass er als einziger Kandidat "nur" rund 64 Prozent der Stimmen bekommen habe, tue ihm weh, sagt Schmitt, sei aber auch ein enormer Ansporn, das nächste Mal ein besseres Ergebnis zu erzielen. Der 53-Jährige, zum zweiten Mal verheiratet und zweifacher Vater, hat sich für die nächsten fünf Jahre vorgenommen, die zweitgrößte Gemeinde von Trier-Land voranzubringen: "Wir müssen das Potenzial im Fremdenverkehr besser nutzen und unsere Infrastruktur ausbauen." Nach einjähriger Vakanz soll Zemmer wieder einen Arzt bekommen, eine Apotheke steht noch auf Schmitts Wunschliste. Einsetzen will er sich auch für eine stärkere Präsenz der Banken: "Sparkasse und Raiffeisenbank in Zemmer sind zu wenig, in Daufenbach, Roth und Schleidweiler gibt es nicht mal einen Geldautomaten."

Auch die wohnortnahe Betreuung von Senioren hat sich Schmitt zum Ziel gesetzt. Etwa ein Viertel der Zemmerer Bevölkerung ist älter als 60 Jahre. Eine "Wunschliste" will das neue Gemeindeoberhaupt für die Ortsteile abarbeiten: So soll das Bahnhofsgelände in Daufenbach zu einem Dorfmittelpunkt ausgebaut, die L 43 in Daufenbach saniert werden. Vor dem Gasthaus Wolter in Rodt, an der K 34, will sich Schmitt für den Bau einer Überquerungshilfe einsetzen, die Bürgersteige sollen instand gesetzt werden, Bedarf gebe es insbesondere in Schleidweiler. Darüber hinaus hofft Schmitt, dass das Neubaugebiet in Zemmer bald in die Tat umgesetzt werden kann ("Die Verträge liegen beim Investor").

Große Hoffnungen setzt der "Neue" auf eine Entwicklungsstudie der Uni Trier. Diese untersucht unter anderem Möglichkeiten, wie der Fremdenverkehr intensiviert und Synergieeffekte in der Mehrortsgemeinde genutzt werden können. Eine Option ist, zwischen den Dörfern einen neuen Sportplatz zu bauen. Dazu Edgar Schmitt: "Wir unterhalten drei Sportplätze mit allem Drum und Dran. Das werden wir uns auf Dauer nicht mehr leisten können." Auch Hallen und Bürgerhäuser will Schmitt einer Analyse unterziehen. Für ihn steht fest: "Wir müssen von den Fehlbeträgen runter und alle Haushaltspositionen auf den Kopf stellen." Sparen, aber trotzdem soll das Dorfleben nicht darunter leiden - Schmitt weiß um diesen schwierigen Spagat. Deswegen setzt er auch auf Gemeinsamkeit: Sowohl im Rat, wo zwei Freie Wählergruppen mit zusammen zwölf Mandaten gegenüber den Parteien (SPD 5 Sitze, CDU 3) die Mehrheit haben, als auch bei den Bürgern. Schmitt plant feste Sprechstunden; dank eines Heimarbeitsplatzes sei er bei Terminen weitgehend flexibel und stehe auch tagsüber als Ansprechpartner zur Verfügung.