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Schulkonzept: SPD stützt Stadtspitze

Schulkonzept: SPD stützt Stadtspitze

Nach bislang eher skeptischen Stimmen hat sich mit der SPD die erste große Fraktion hinter den einstimmigen Vorschlag des Stadtvorstands für die Schulentwicklung in Trier gestellt. Die Sozialdemokraten gehen sogar über das Papier der Stadtspitze hinaus.

Trier. Geht es nach SPD-Fraktionschef Sven Teuber, sollen einige der schmerzhaften Einschnitte in der Trierer Schullandschaft schneller und klarer erfolgen. So wollen die Genossen über das von ihnen grundsätzlich unterstützte Konzept hinaus die höheren Klassen der Realschule plus in Trier-West schon 2014 an den Mäusheckerweg verlagern - was auch das Ende für die in Ehrang vorhandene eigenständige Realschule plus bedeuten würde.
Den Grundschul-Standort Biewer will die SPD zugunsten von Pfalzel aufgeben, wo ein Ganztagsschulbetrieb entstehen soll. Die Grundschulen Reichertsberg und Pallien sollen ebenfalls 2014 im Gebäude der Balduin-Realschule plus zusammengefasst werden. "Da gibt es akuten Handlungsbedarf", sagt SPD-Schulpolitikerin Regina Bux und verweist darauf, "dass wir am Reichertsberg jeden Tag damit rechnen müssen, dass die bauliche Situation den Unterricht unmöglich macht". In Heiligkreuz wollen die Sozialdemokraten den Hort nur aufgeben, wenn das Land einen Ganztagsbetrieb genehmigt hat und das Betreuungsangebot in den Ferien und nach Schulschluss erhalten bleibt.
Klare Absage an Egbert-Neubau


Bis zur Erstellung eines Gutachtens will die SPD die Frage offen lassen, ob der Standort Robert-Schuman für die Zusammenlegung von Egbert- und Barbara-Grundschule geeignet ist. Auf keinen Fall soll aber am Standort Egbert neu gebaut werden - favorisiert wird eine Zusammenlegung mit Olewig.
Die SPD liegt damit in vielen Punkten nahe am Krämer-Mandeau-Gutachten. Die Vorlage des Stadtvorstands hält Teuber für "einen Kompromissvorschlag, über den man reden kann". Man wolle in den nächsten Tagen das Gespräch mit allen Fraktionen suchen. Allerdings sei man "sehr erschrocken über die populistische Position der CDU", die sich jeder Veränderung verweigere.
In der Tat hatten die Christdemokraten in der letzten Woche die Vorschläge des Stadtvorstands, die auch von ihrer eigenen Dezernentin mitgetragen werden, fast vollständig abgelehnt (der TV berichtete).
Unklare Mehrheitsverhältnisse


Allerdings versicherte man, es solle einen offenen Diskussionsprozess geben. Nach TV-Informationen sind die Meinungen innerhalb der CDU durchaus geteilt. Die Freie Wählergruppe und die Linken-Fraktion hatten Einschnitten im Schulbereich von vornherein eine Absage erteilt.
Ob Grüne und FDP auf eigenen Konzepten beharren oder für eine Gestaltungs-Mehrheit zur Verfügung stehen, ist noch offen. Auch ihre Vertreter im Stadtvorstand haben dem Papier zugestimmt - vor allem für die Grünen könnte es peinlich werden, wenn sie ihre eigene Schuldezernentin auflaufen lassen.
Wie immer es ausgeht: "Wir brauchen ein Konzept", sagt SPD-Chef Teuber, "sonst gibt es einen kompletten Vertrauensverlust in die Politik".Meinung

Die Zeit ist knapp
Der Trierer Stadtrat steuert auf ein Debakel in Sachen Schulentwicklung zu. Außer der SPD hat sich bislang niemand auf die Geschäftsgrundlage des Stadtvorstands eingelassen. Bei FWG, Linken und neuerdings auch CDU ist nicht einmal erkennbar, wo es zu verhandelnde Punkte für einen möglichen Kompromiss geben könnte. Bei Freien und Linken ist das eine durchaus stringente Position, aber die Christdemokraten als größte Fraktion tragen ein hohes Maß an Verantwortung für eine zukunftsfähige Lösung. Und die kann nicht in einer Total-Verweigerungshaltung bestehen. Ein "Weiter so" löst kein einziges Problem. Wenn die nächsten Platten von der Decke einer Schule fallen, entsteht wieder Handlungsbedarf. Und wenn an einer anderen Schule die Anmeldungen explodieren, wird der Druck enorm. Und dann? Ohne einen Plan, wo noch investiert werden soll und wo nicht, ohne eine Prioritätenliste für Erhalt oder Schließung wird der Rat von Notmaßnahme zu Notmaßnahme stolpern. Gezielte Weiterentwicklung? Fehlanzeige. Auch das Land wird in ein Fass ohne Boden nicht investieren. Fatale Aussichten. Noch gibt es eine Chance jenseits der organisierten Verantwortungslosigkeit. Aber die Zeit wird knapp. d.lintz@volksfreund.deExtra

Rund 100 Eltern, Lehrer und Schüler der Martin-Grundschule protestierten gestern Abend vor dem Rathaus gegen die geplante Schließung ihrer Schule. Anlass war die Sitzung des zuständigen Ausschusses. Mit Parolen wie "Unser Maarviertel darf nicht gespalten werden" und mit der Darstellung der Leistungen der Schule warb man um Unterstützung der Fraktionen. Bei einer Schließung werde "ein bestehendes, gut funktionierendes soziales System zerstört". DiL