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Schulstart mit Fragezeichen: Viele Lehrer arbeiten von zu Hause

Bildung : Schulstart mit Fragezeichen: Viele Lehrer arbeiten von zu Hause

Für die Wiederaufnahme des Betriebs gelten strenge Hygienevorschriften. Die Lehrergewerkschaft geht nicht davon aus, dass jüngere Schüler vor den Sommerferien zurückkehren werden.

Maximal 15 Schüler pro Klassenraum, ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Schülern, abwechselnd Unterricht in der Schule und zu Hause, kein Sportunterricht, eine Aufsicht vor den Toiletten: So wird jetzt der Unterricht für einen Teil der Schüler aussehen. Das geht aus dem Hygieneplan des Landes hervor, der an alle Schulen gegangen ist. Ab Montag sollen nach über fünf Wochen Heimunterricht die ersten Schüler nach und nach wieder in die Schule gehen. Ab 4. Mai sollen auch Viertklässler folgen. Wann das für die restlichen Schüler der unteren Klassen der Fall sein wird, darauf hat das Bildungsministerium derzeit keine Antwort. Das hänge vom Infektionsgeschehen ab.

Oliver Pick, stellvertretender Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE und Leiter der Grundschule in Idesheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm), geht nicht davon aus, dass die übrigen Grundschüler noch vor den Sommerferien wieder in die Schule kommen werden. Vieles sei noch ungeklärt, sagte Pick. VBE-Landeschef Gerhard Bold hat sich dafür ausgesprochen, die Grundschulen komplett bis zu den Sommerferien zuzulassen. Eine Öffnung der Grundschulen sei unverantwortlich, sagte er.

Eine Forschergruppe um den Mathematiker Thomas Götz von der Universität Koblenz-Landau und dem Trierer Statistiker Jan Pablo Burgard hält die Schulöffnung für verfrüht. Es bestehe die Gefahr, dass die Zahl der Corona-Infektionen wieder steigen werde. Die Landesschülervertretung begrüßt die schrittweise Öffnung der Schulen. „Es ist in unser aller Interesse, sobald wie möglich zum normalen Schulalltag zurückzukehren, aber nur, wenn das gesundheitlich ungefährlich ist. Wir machen uns Sorgen, dass die Hygienemaßnahmen an Schulen nicht umsetzbar sein werden.“ Das Land stellt den Schulen nicht nur 430 000 Stück Mund-Nasen-Schutz für die Schüler zur Verfügung, sondern auch 70 000 Liter Desinfektionsmittel.

Die Kreise organisieren die Verteilung an die Schulen. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm geschieht dies gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk. „Insgesamt sind wir hier gut aufgestellt und werden den Anforderungen an die Wiederaufnahme des Schulbetriebes gerecht“, sagt Bitburgs Bürgermeister Joachim Kandels. Auch in der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich fühlt man sich ausreichend auf den Schulstart vorbereitetet. Es wird allerdings bezweifelt, dass die Vorgaben des Landes im Schulalltag tatsächlich immer wie verlangt umgesetzt werden können. Als Beispiel nennt ein Sprecher der Verwaltung das mehrfach am Tag erforderliche Händewaschen. Dieses müsse erst seinen Platz im Schulalltag finden und werde die Schulabläufe nicht unerheblich beeinflussen. „Inwieweit die hier vorgegebenen Hygieneregeln alltagstauglich und im Schulalltag stringent eingehalten werden können, wird die Praxis in den nächsten Wochen zeigen“, heißt es aus der Kreisverwaltung Daun.

Daneben könnte es aber zu personellen Problemen in Schulen kommen. Nach den Vorgaben des Landes dürfen alle Lehrer ab 60 Jahren (ab dann gilt ein höheres Risiko, an Covid-19 zu erkranken), Schwangere und Lehrkräfte, die pflegebedürftige oder schwerkranke Angehörige haben, zu Hause bleiben. Bei der für die Schulaufsicht zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier geht man derzeit davon aus, dass rund 20 bis 25 Prozent der Lehrer „aufgrund des Alters oder von Vorerkrankungen zu Hause arbeiten werden“.