1. Dossier

Schwarze Orte, rote Orte, gute Träume, böse Träume

Schwarze Orte, rote Orte, gute Träume, böse Träume

Ein Bundestag ohne FDP: Das ist neu für das liberale Urgestein Dirk Richter. Auf Kreisebene liegt die FDP zwar noch über fünf Prozent, ist aber im Tal der Tränen angekommen. Die Gewinner, CDU und SPD, freuen sich - allerdings nicht überschwänglich.

Bernkastel-Wittlich. Normalerweise schläft Dirk Richter gut. "In der Nacht zum Montag war dies aber nicht der Fall", sagt der Kreisvorsitzende der FDP. Seit 1968 ist er Mitglied der Liberalen. "Ich habe Höhen und Tiefen erlebt, einen Bundestag ohne FDP aber noch nicht", sagt der 67-Jährige am Morgen nach der Bundestagswahl.
Im Kreis Bernkastel-Wittlich hat seine Partei in einigen Orten gegenüber 2009 um die 25 Prozent verloren. Hochburgen wie Kröv (11,8 statt 25 Prozent), Bernkastel-Kues (8 statt 22,5), Morbach (5,1, statt 19), Wittlich (6,3, statt 17,1) oder Traben-Trarbach (6,4 statt 18,4) sind quasi zu Ruinen verkümmert. In einigen Orten im Hunsrück bekam die FDP nicht eine Zweitstimme.
"Man darf 2013 nicht mit 2009 vergleichen, sondern eher mit 2005, aber auch gegenüber diesem Ergebnis hat sich unsere Stimmenzahl halbiert", sagt Richter. Und irgendwie, das ist er sich bereits sicher, werde dies auch die Kommunalwahl im Jahr 2014 beeinflussen.
Für die am Montag im TV veröffentlichten Ergebnisse aus den Städten und Gemeinden gilt übrigens: Die Briefwähler sind dort nicht eingerechnet. Sie tauchen nur in den Gesamtergebnissen der Verbandsgemeinden auf. Alle Briefwahlunterlagen sind nach Auskunft von Manuel Follmann (Kreisverwaltung) zu der zentralen Behörde gebracht und dort von verschiedenen Wahlvorständen ausgezählt worden. In den Einzelergebnissen der Orte tauchen die Resultate nicht mehr auf. Gleiches gilt für die Wahlbeteiligung.
Insgesamt wurden in der Kreisverwaltung 14 066 Stimmzettel ausgezählt. 2009 waren es 12 850. Der Anteil der Briefwähler lag am Sonntag bei rund 22 Prozent.
Doch zurück zu den Gemütslagen. "Ich habe gut geschlafen", berichtet Alex Licht, der Kreisvorsitzende der CDU und damit der Wahlsieger in Bernkastel-Wittlich. Er hat den Wahlabend auf dem Straßenfest in seinem Heimatort Brauneberg ausklingen lassen, aber nicht groß gefeiert. Der Erfolg der CDU sei zwar groß, die Regierungsbildung aber nicht einfach.
Seine Partei hat in Bernkastel-Kues und Wittlich zehn Prozent gewonnen, in Morbach sogar mehr als 15 Prozent. Auf Kreisebene hat die CDU 49, 7 Prozent der Zweitstimmen auf sich vereinigt. Die SPD bekam 23,2, die FDP 6,4, die Grünen 6,2, die Linke 5,0, die AfD 4,1, die Piraten 1,9 und die Freien 1,8 Prozent. Das Abschneiden der Freien ist für Licht die einzige größere Überraschung vor Ort. "Das ist ein deutliches Signal, dass sie sich auf die Kommunalpolitik beschränken sollten, denn sie sind im Kreis recht stark."
Licht blickt auch schon auf die Kommunalwahl im kommenden Jahr. "Das Ergebnis der Bundestagswahl beflügelt uns natürlich", sagt er.
"Ich schlafe immer gut", erzählt Bettina Brück, die SPD-Kreisvorsitzende. Ihre Partei habe im Kreis etwas mehr zugelegt als im Bundesdurchschnitt. Zumindest das sei erfreulich. Rückschlüsse auf die Kommunalwahl will sie noch nicht ziehen. "Das hängt auch davon ab, was jetzt aus Bundesebene passiert", sagt sie.
Ein Überblick über die Hochburgen der Parteien im Kreis Bernkastel-Wittlich und weitere Besonderheiten.
Die schwärzesten Orte: Meerfeld (VG Manderscheid) mit 74,7 Prozent und Haag (Einheitsgemeinde Morbach) mit 70,9 Prozent.
Die roten Orte: Burtscheid (VG Thalfang) mit 55,1 Prozent, gefolgt von Lötzbeuren (VG Traben-Trarbach) mit einem Stimmenanteil von 43,8 Prozent.
Die grünsten Orte: ebenfalls Lötzbeuren (15,3 Prozent) und Heckenmünster (VG Wittlich-Land). Dort steigerte die Partei ihren Anteil sogar um sechs Prozent.
Die linken Orte: Diefenbach (VG Kröv-Bausendorf) mit 17,9 Prozent und Lückenburg (VG Thalfang) mit 15,4 Prozent.
Die liberalen Orte: Merschbach (VG Thalfang) mit 16,7 Prozent) und Kröv mit 11,8 Prozent.
Die erstmals angetretene AfD kam in Rorodt (VG Thalfang) gleich auf 16,1 Prozent und in Etgert (ebenfalls VG Thalfang) auf 13,6 Prozent.
Die größten Ausreißer: Die FDP sank in Diefenbach, wo sie 2009 sogar stärkste Partei war, von 37,5 auf 10,3 Prozent. Der Ort zählt aber auch nur etwa 70 Einwohner. In Lieser (VG Bernkastel-Kues) steigerte die CDU ihr Ergebnis von 40 auf 62 Prozent, in Dodenburg (VG Wittlich-Land) gar von 28,3 auf 55,9 Prozent.
Gegen den Trend: Im kleinen Merschbach verharrte die CDU bei mageren 20 Prozent.
Die meisten Erststimmen (für den Wahlkreiskandidaten): 76,5 Prozent in Meerfeld für die CDU, 57,7 Prozent in Lötzbeuren für die SPD, 9,8 Prozent in Deuselbach für die FDP, 13,3 Prozent für die Grünen in Musweiler (VG Manderscheid) und 18,4 Prozent für die Linke in Deuselbach (VG Thalfang).