Soziales Gewissen treibt die Linkspartei an

Soziales Gewissen treibt die Linkspartei an

Auf Bundesebene sind sie bereits eine feste Größe und in vielen kommunalen Gremien präsent. Nun streben die Linken vehement den erstmaligen Einzug in den Landtag an. „Wir schaffen das, denn wir sind die einzige Friedenspartei in Deutschland mit einem sozialen Gewissen“, sagt Spitzenkandidatin Tanja Krauth aus Birkenfeld.

Der Anruf erwischt sie beim Friseur. "Ich habe heute Abend einen Fernsehauftritt", erklärt Tanja Krauth mit einem Schmunzeln in der Stimme. Die Spitzenkandidatin der Linken, ihr männliches Pendant Robert Drumm aus Kusel und ihre Partei könnten bald noch mehr im Rampenlicht stehen und viel zu lachen haben, wenn die Meinungsforscher richtig liegen. Sie sagen der Linkspartei in Umfragen kontinuierlich fünf Prozent voraus, was zum Sprung nach Mainz reichen würde.

Wer Tanja Krauth begegnet, erlebt eine Frohnatur, die dem typischen Bild eines Politikers nicht recht entsprechen will. Die 42-Jährige zeigt sich erstaunlich offen, die üblichen abgewogenen Worte kommen ihr nicht über die Lippen. Vielleicht liegt das daran, dass sie erst im März 2005 die Politik richtig für sich entdeckt hat. "Interessiert hat sie mich schon immer, aber ich konnte mich mit den Parteien nie anfreunden", erzählt sie.

Erst als Gleichgesinnte sie ansprachen, um "einfach nur etwas ganz Neues zu machen", und mit ihr in Birkenfeld den Verein Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) gründeten, änderte sich das. Mittlerweile ist auch Krauth Parteimitglied, denn die WASG fusionierte 2007 mit der PDS zur Linkspartei.

Bei der Landtagswahl 2006 eroberte die Linke, damals noch als WASG, bereits 2,6 Prozent der Zweitstimmen. Bei der Bundestagswahl 2009 waren es sogar 9,4 Prozent. Kein Wunder, dass aktuell Pflänzchen der Hoffnung sprießen. "Wir streben fünf Prozent plus X und sechs bis sieben Mandate an", sagt Krauth selbstbewusst. Im Wahlkampf, der sie kreuz und quer durch das Land führt, glaubt die Beauftragte für soziale Bewegungen im Landesvorstand "eine gute Stimmung und ein sehr großes Interesse an uns" zu verspüren. Auf die monatelangen parteiinternen Querelen habe sie niemand angesprochen. "Die sind längst vergessen."

Die Hausfrau und alleinerziehende Mutter will ihren Teil dazu beisteuern, dass es für die Linken auch auf Landesebene klappt. Sie ist stolz auf das Vertrauen, das ihr die Menschen in ihrer Heimatstadt vor zwei Jahren entgegenbrachten. Obwohl die Gegenspieler bei der Bundestagswahl Julia Klöckner (CDU) und Fritz Rudolf Körper (SPD) hießen, errang sie 16 Prozent der Stimmen. "Das empfinde ich als Verpflichtung."

Privat besucht Tanja Krauth gerne Konzerte, Musicals, das Theater oder geht ins Kino, politisch kämpft sie für den Frieden und soziale Gerechtigkeit. "Man sagt mir einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn nach." Hartz IV, Rente mit 67, Mindestlöhne und der Bundeswehreinsatz in Afghanistan lauten die Themen, mit denen Krauth und die Linken auch in Rheinland-Pfalz punkten wollen. Sie setzen sich ferner gegen Großprojekte wie am Nürburgring und für eine Schule für alle bis zum zehnten Schuljahr ein.

Eine Sache ist Tanja Krauth besonders ein Dorn im Auge: "Es gibt ein Kooperationsabkommen zwischen der Landesregierung und der Bundeswehr, demzufolge Jugendoffiziere Lehrer fortbilden und in Bildungseinrichtungen unterrichten. Da haben sie aber nichts zu suchen."

Für einen Wahlerfolg setzt sich auch der zweite Spitzenkandidat der Linken, Robert Drumm aus Ruthweiler im Kreis Kusel, ein. Der 60-jährige Personalleiter des Westpfalz-Klinikums war von 1993 bis 2009 in seiner Gemeinde Bürgermeister, lange der einzige Linke in dieser Position in Westdeutschland. In seinem Wohnzimmer hängt ein Bild des Revolutionärs Che Guevara ("Mein Großvater war Kommunist"). Drumm zählt zu jenen vielen Linken, die ehemals Sozialdemokraten waren. Mitte der 90er Jahre trat er aus, als die SPD dem Einsatz der Bundeswehr im Ausland zugestimmt hatte. Heute sagt er: "Die SPD ist einfach nicht sozial."