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SPD-Kandidat triumphiert in Traben-Trarbach

SPD-Kandidat triumphiert in Traben-Trarbach

Ein klares Ergebnis: Patrice Langer (SPD) siegte bei der Stadtbürgermeisterwahl in Traben-Trarbach bereits im ersten Wahlgang. Hauptgegner Hubertus Kesselheim (CDU) versprach am Wahlabend einen Neuanfang in der Union und in der Politik. Dafür stehe er in den nächsten fünf Jahren mit seinem Namen.

Traben-Trarbach. Als Patrice Langer am Sonntagabend mit Gattin Dagmar das Trarbacher Rathaus betritt, liegt bereits das Ergebnis aus vier von acht Wahlbezirken vor. Es weist einen klaren Vorsprung (fast 20 Prozent) des 60 Jahre alten SPD-Kandidaten für das Traben-Trarbacher Stadtbürgermeisteramt auf.
Hauptgegenspieler Hubertus Kesselheim (CDU) hat da schon seine Niederlage eingestanden. Sie komme nicht überraschend. Er sei mit seinem Ergebnis zufrieden. "Das sind sogar mehr Stimmen, als ich erwartet habe", sagt er gegenüber dem TV. Nicht weil er sich unterlegen fühle. "Ich habe den Kopf hingehalten und auch viel Zuspruch erfahren", sagt er, "aber man kann eine Wahl nicht gewinnen, wenn die eigene Partei nicht geschlossen hinter einem steht." Da herauszuhören, dass er sich nichts vorwirft, aber manche Wähler derzeit ein Problem mit der CDU haben, ist nicht schwer. Der seit etwa zwei Jahren durch die Partei gehende Riss hat Spuren hinterlassen.
Als nach längerer Wartezeit auch das Wahllokal im Stadtteil Wolf Vollzug meldet, gibt es Beifall im Ratssaal. Patrice Langer fährt 57, 2 Prozent der Stimmen ein, Hubertus Kesselheim 37, 8 Prozent und ÖDP-Kandidat Helmut Reichert fünf Prozent.
Die Wahlbeteiligung von nur 52,2 Prozent zeigt: Viele Traben-Trarbacher haben die Nase voll von der Politik in der Stadt. Die CDU dürfte darunter am meisten gelitten haben.
Kurz bevor das Endergebnis fest steht, tritt Langer auf den Balkon des Rathauses. Nicht um sich dem Volk zu präsentieren, sondern um Luft zu schnappen. Kesselheim folgt ihm. Die beiden, bei denen bereits beim Forum des Trierischen Volksfreunds viele Gemeinsamkeiten deutlich wurden, unterhalten sich etwa fünf Minuten lang. "Er hat mir da noch einmal zugesichert, dass er zur Zusammenarbeit bereit ist", gibt Langer den Tenor des Gesprächs wieder.
Die SPD hat die Wahl gewonnen, trotzdem richten sich viele Augen auf die CDU beziehungsweise ihren neuen Spitzenmann. "Ich stehe für einen Neuanfang", betont Kesselheim mehrfach. "Daran werde ich ihn natürlich messen", sagt Langer. "Wenn man ehrlich miteinander umgeht, muss es klappen." Und noch etwas sagt Kesselheim. "Langer wird ein guter Bürgermeister."
Der Gelobte will erst einmal eine Bestandsaufnahme machen. "Dann werden wir hoffentlich an einem Strang ziehen." Angst, dass es in der CDU doch Kräfte gibt, die ein anderes Spiel spielen, hat er nicht. Langer: "Hätte ich Angst, wäre ich nicht angetreten."
Unter den Besuchern ist auch Jutta Schneider, lange Jahre eine dominierende Figur in der Traben-Trarbacher CDU.
Sie traut dem angekündigten Frieden in ihrer Partei nicht. Sie sei skeptisch, dass ein Neuanfang möglich ist, solange Leute wie Jürgen Römer das Sagen hätten. Was sie im Innersten fühlt, zeigt ein Satz. "Ich bin erleichtert, dass die CDU für die Aktionen der Vergangenheit die Quittung erhalten hat."Meinung

Die Zeit ist reif für den Neuanfang
Wenn in den vergangenen zwei Jahren außerhalb von Traben-Trarbach über die Stadt geredet wurde, dann meistens mit Verständnislosigkeit, Verwunderung - oft auch mit Häme. Was sich dort abspielte, hatte mit dem normalen Geschehen in einer Kleinstadt nichts zu tun. SPD, FDP, FWG und ein Teil der CDU bildeten eine Koalition gegen den Teil der CDU, der mit den Bürgermeistern Heide Pönnighaus (Stadt) und Ulrich K. Weisgerber (Verbandsgemeinde) Leute aus den eigenen Reihen abschießen wollte. Am Sonntagabend gab es dafür die Quittung. So klar war dieses Ergebnis allerdings nicht zu erwarten, überraschend kam es aber auch nicht. Mit das Schlimmste: Nur etwas mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten hatte überhaupt noch Lust, sein Kreuzchen zu machen. Es wäre jetzt wirklich an der Zeit, wieder nach vorne zu schauen. Die beiden Hauptkonkurrenten bei der Wahl werden dabei entscheidend sein. Hubertus Kesselheim wurde am Sonntag nicht müde von einem Neuanfang zu sprechen und diesen Neuanfang mit seinem Namen zu verbinden. Besonders er hat es in der Hand, die Lust an Politik wieder zu vergrößern. Patrice Langer macht den Eindruck, als könne er gut zuhören. Auch diese Tugend dürfte in den kommenden Jahren in Traben-Trarbach gefragt sein. c.beckmann@volksfreund.de