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Spiel und Spaß und mulmige Gefühle

Spiel und Spaß und mulmige Gefühle

Schwimmbad und dann lange nichts. In der nun auslaufenden Legislaturperiode hat der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein sich vor allem einer kostspieligen Investition gewidmet: der Generalsanierung des Gerolsteiner Freibads für mehr als drei Millionen Euro.

Gerolstein. Egal, wen man fragt: Die Sanierung des mehr als 50 Jahre alten Freibads in Gerolstein ist bei vielen hängen geblieben. Ansonsten erntet man sehr oft ein Achselzucken auf die Frage, was das wichtigste, vom VG-Rat beschlossene Projekt in jüngster Vergangenheit war.

Ist aber auch verständlich, denn erstens haben viele Menschen Kontakt mit dem Bad - und spüren die Vorzüge der modernen Freizeiteinrichtung am eigenen Leib. Ob Schüler, Eltern oder Senioren. Zweitens wird ein gut drei Millionen Euro teures Vorhaben in einer Verbandsgemeinde nicht jeden Tag gestemmt. Die Auswirkungen der Großinvestition spüren die 13 Gemeinden des Gerolsteiner Landes noch heute. Und haben bei anderen Projekten zurückstecken müssen.

Kaum wahrgenommen werden hingegen Investitionen ins Wassser- oder Kanalnetz, wenngleich auch diese meist viel Geld kosten. So wurde 2005 für satte 800 000 Euro in Lissingen eine Klärschlammvererdungs-Anlage gebaut, nachdem die 2002 in Birresborn in Betrieb genommene Anlage gut lief. Und erst kürzlich wurde der Bau einer ähnlichen, wenn auch kleineren Anlage in Neroth für 100 000 Euro beschlossen. Viel Geld ist in den vergangenen fünf Jahren auch in die Schulen in Trägerschaft der Verbandsgemeinde Gerolstein geflossen: insgesamt gut 1,2 Millionen Euro. Der größte Anteil davon (gut eine Million Euro) kam der Modernisierung und Teilsanierung der Regionalen Schule in Gerolstein zugute.

Angesichts dieser Summen wird rasch klar, weshalb sich der VG-Rat mit den Stimmen der CDU-Mehrheit ungewohnt deutlich über eine anstehende Schulentscheidung außerhalb seiner Zuständigkeit zu Wort gemeldet hatte. So hatte sich der Rat kritisch zur geplanten Integrierten Gesamtschule Hillesheim-Jünkerath geäußert, weil man ein zusätzliches Abwandern von Schülern aus dem Gerolsteiner Land und somit einen Aderlass der heimischen Schule befürchtet.

Mit 785 000 Euro wurden die Wehren unterstützt, der Großteil davon floss in die Neuanschaffung von Fahrzeugen.

Apropos Fahrzeuge: Die womöglich wichtigste Entscheidung des Rates hat bislang noch überhaupt kein Geld gekostet. In Sachen Ortsumgehung hat sich der Verbandsgemeinderat im September 2008 nach gut zweijähriger Diskussion mit den betroffenen Gemeinden Gerolstein, Rockeskyll und Pelm sowie nach jahrzehntelanger mehr oder weniger intensiver Planung endgültig gegen die große Umleitung ausgesprochen. Grund: zu teuer, zu viel Naturzerstörung, zu unrealistisch.

Auch bei einem anderen Verkehrsprojekt läuft es für die Verbandsgemeinde wunschgemäß - ohne aber dass sie etwas dafür kann: So stehen aktuell die Chancen für eine Reaktivierung der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm größer als der Abbau der Gleisanlagen und der Bau eines Radwegs.

So hatte es der VG-Rat gewollt und beschlossen und sich darüber mit dem ebenfalls CDU-dominierten Stadtrat (dessen Angelegenheit es eigentlich ist) in die Wolle gekriegt. Allen voran Bürgermeister Matthias Pauly und Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz. Beide CDU.