1. Serien und Specials

Stimmenzählen bis weit nach Mitternacht

Stimmenzählen bis weit nach Mitternacht

Die CDU auf Kurs, die FDP dagegen mit deutlichen Verlusten - und ein Kreistag, der noch bunter werden könnte: ein Trend, aber lange noch kein Endergebnis. Bis Redaktionsschluss waren gestern längst nicht alle 107 Stimmbezirke für die Wahl des Kreistags Bernkastel-Wittlich ausgezählt.

Bernkastel-Wittlich. Sensation im Kreis Bernkastel-Wittlich: Aus dem Stand heraus erreicht die ÖDP, die in diesem Jahr erstmals bei der Wahl des Kreistags angetreten ist, nicht nur die Mehrheit, sondern gewinnt gleich alle 42 Sitze in dem künftigen Gremium. So jedenfalls zeigt es die Anzeigentafel mit den Ergebnissen aus den insgesamt 100 Stimmbezirken im Sitzungssaal des Kreishauses am Sonntag um 18.24 Uhr an. Die erste Gemeinde hat dem Landeswahlleiter die Ergebnisse gemeldet - die fünf Wähler aus Dierfeld (VG Manderscheid) stimmen geschlossen für die ÖDP. "Dieses Ergebnis werde ich nicht kommentieren", sagt Landrat Gregor Eibes mit einem Schmunzeln.Langes Warten auf Ergebnisse


Genau eine Stunde lang erscheint auf der Anzeigentafel der als Kuchengrafik dargestellte Kreistag allein im grellen Orange der kleinen ÖDP, erst dann verändert sich das Bild: Die Ergebnisse aus den Stimmbezirken Horath und Dodenburg trudeln ein, und die Kuchengrafik wird hauptsächlich schwarz, mit rot und ein wenig grün, blau und gelb. Die CDU übernimmt die Position als stärkste Gruppierung in dem neuen Gremium und gibt sie nicht mehr ab. Die ÖDP wird dagegen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und fliegt zunächst mal ganz raus aus dem Kreistag, um kurz darauf, nach Auszählung des vierten Stimmbezirks, der Gemeinde Musweiler, wieder drin zu sein.
Noch kein Fingerzeig, denn die Ergebnisse aus den größeren Gemeinden lassen lange auf sich warten. Kein Wunder, müssen in den Wahllokalen doch zunächst die Stimmzettel zur Europawahl und der hauptamtlichen Bürgermeister- sowie der Ortsbürgermeister- und Ortsvorsteherwahlen ausgewertet werden, bevor der Kreistag an der Reihe ist. Und so liegen um 21.30 Uhr erst die Ergebnisse von 30 der 107 Gemeinden vor, um 22 Uhr sind 42 Stimmbezirke ausgezählt. Wohl erst nach Mitternacht werden alle Stimmbezirke ausgezählt sein. Auch Landrat Gregor Eibes sieht sich daher bis Redaktionsschluss nicht in der Lage, eine Einschätzung zum Ausgang der Kreistagswahl abzugeben: "Das wäre mehr als nur in die Glaskugel geschaut."
Bis Redaktionsschluss um 22.45 Uhr sind die Stimmzettel in 54 Gemeinden ausgezählt, womit nur 14 500 der insgesamt rund 89 000 Wahlberechtigte im Kreis abgebildet sind. Knapp 9800 Stimmzettel sind ausgewertet, die Wahlbeteiligung liegt zu diesem Zeitpunkt bei 67,9 Prozent.
Um diese Uhrzeit bleibt die CDU erwartungsgemäß die mit Abstand stärkste Kraft im Kreis Bernkastel-Wittlich, kommt auf 48,6 Prozent und gewinnt damit knapp 3,8 Prozentpunkte hinzu. Die SPD erreicht 24,7 Prozentpunkte - 2,5 Prozentpunkte mehr als 2009. Die FDP - 2009 noch mit zwölf Prozent drittstärkste Kraft im Gremium - verliert wohl mehr als die Hälfte aller Stimmen und kommt um 22.45 Uhr nur auf 5,6 Prozent. Die Freien Wähler (FWG) - 2009 mit acht Prozentpunkten - erreichen 7,1 Prozent. Die Grünen kommen auf sieben Prozent (2009: 7,6 Prozent). Auch die Linke zieht mit 4,9 Prozent in den Kreistag ein, 2009 erreichte sie 3,2 Prozent. Neu dabei ist wohl auch die ÖDP - die aus dem Stand zwar nicht auf 100 Prozent, sondern auf 2,2 Prozent kommt.
Die Einzelergebnisse aus den jeweiligen Wahllokalen der Stadt Wittlich und der Einheitsgemeinde (EG) Morbach waren am gestrigen Abend nicht abrufbar.Meinung

Die Musik spielte woanders
Keine Wahlkampfschlacht, kein Wahlkampfgetöse im Vorfeld - mal abgesehen vom zuletzt diskutierten Thema Biotonne, wo der Kreistag sogar eine Sondersitzung nachschieben musste: Das Ringen um die Besetzung des Kreistags war reichlich unspektakulär. Die Musik spielte woanders, die Aufmerksamkeit richtete sich auf andere Schauplätze - auf die Wahlen in den beiden neu geschaffenen Verbandsgemeinden, auf die neuen VG-Chefs und Ratsvertreter. So unspektakulär wie das Ringen im Vorfeld um die Besetzung des Kreistags war, so unspektakulär fällt nun auch das Ergebnis aus. Große Überraschungen hat dieses (Zwischen-)Ergebnis der Kreistagswahl nicht bereitgehalten. Wie nicht anders zu erwarten, hat die CDU wieder mit Abstand die Nase vorn, sie dominiert im Kreis das politische Geschehen - auch wenn die politische Landschaft auf Kreisebene bunter wird. Denn auch die ÖDP wird wohl einen Platz im Kreistag bekommen. Die FDP im Kreis geht scheinbar als Verlierer aus dieser Wahl hervor, sie muss deutliche Stimmeneinbußen hinnehmen - auch wenn der Eindruck wohl nicht täuscht, dass dies vom Wähler wohl eher eine Abstimmung gegen die FDP bundesweit war, als ein bewusst gegen die Kommunalpolitiker gerichteter Denkzettel. n.ebner@volksfreund.de