1. Dossier

Tiefschwarze Orte und überraschende Ausreißer

Tiefschwarze Orte und überraschende Ausreißer

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm hat gewählt, die Gewinner und Verlierer stehen fest. Die CDU geht als deutlicher Sieger aus der Wahl hervor, am stärksten eingebrochen ist die FDP. Der Blick ins Detail offenbart im Kreis allerdings auch einige Besonderheiten.

Bitburg/Prüm. Ach, wäre der kleine Ort Hamm (17 Wahlberechtigte) doch repräsentativ für den Bund. Das zumindest mag sich die FDP nach dem Desaster bei der Bundestagswahl am Sonntag denken: Ein Viertel der Wähler, die ihren Stimmzettel in die Urne steckten, votierten in dem Dorf in der Verbandsgemeinde (VG) Bitburg-Land für die Liberalen. Dort ist die FDP die zweitstärkste Kraft hinter der CDU. Allerdings zählt dieses Ergebnis eindeutig zu den Ausreißern im Kreis.Bundestagswahl 2013



Die nackten Zahlen: 51,5 Prozent der Wähler im Eifelkreis stimmten für die CDU, 22,6 Prozent für die SPD, 6,2 Prozent für die FDP, 6,5 Prozent für die Grünen und 4,1 Prozent für die Linke. Andere Parteien spielten keine Rolle. Die CDU schnitt am besten in der VG Arzfeld ab (56,4 Prozent), die SPD in der Stadt Bitburg (28,5 Prozent), die FDP in den Verbandsgemeinden Prüm und Neuerburg (jeweils 6,8 Prozent), die Grünen (7,4 Prozent) und die Linke (4,7 Prozent) in der VG Irrel.

Die Wahlbeteiligung: 71,9 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten sich an der Abstimmung über den neuen Bundestag - ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2009. Die höchste Wahlbeteiligung gab es übrigens in den Gemeinden Burg (14 Wahlberechtigte) und Keppeshausen (fünf Wahlberechtigte), beide VG Neuerburg: 100 Prozent. Dagegen ging in Birtlingen (VG Bitburg-Land) nicht einmal jeder Zweite zur Urne: 41,9 Prozent gaben laut der Statistik in der Gemeinde in der VG Bitburg-Land ihre Stimme ab. Allerdings ist diese Angabe mit Vorsicht zu genießen: In den Zahlen der einzelnen Orte nicht erfasst sind jeweils die Stimmen der Briefwähler, die gesondert in der Kreisverwaltung gezählt wurden.

Die "Hochburgen" der Parteien: Tiefschwarz gewählt wurde dann auch in den beiden 100-Prozent-Orten Burg und Keppeshausen: Alle Kreuze landeten hinter der CDU. Das beste Ergebnis fuhr die SPD in Niederlauch (VG Prüm) ein: 42,9 Prozent. Hier überholten die Genossen sogar die CDU (39,3 Prozent). Während die FDP weiterhin von dem Ergebnis in Hamm (25 Prozent) träumt, kann sich die Gemeinde Niederweiler (VG Bitburg-Land) als "grünster Ort" im Kreis fühlen: 26,7 Prozent der Wähler votierten für die Grünen. Eine linke Bastion ist weiterhin die Gemeinde Usch (VG Kyllburg): Auch wenn die Linke dort im Vergleich zu 2009 Stimmen verlor, fuhr sie hier mit 20 Prozent der Zweitstimmen ihr bestes Ergebnis im Kreis ein. Beachtlich: Die Alternative für Deutschland (AfD), kreisweit bedeutungslos, erzielte in Birtlingen (VG Bitburg-Land) ein Ergebnis, das weder die FDP, noch Grüne und Linke in einem der Dörfer im Kreis toppen konnte: 27,8 Prozent der Wähler stimmten in Birtlingen für die AfD.

Die "Problemzonen" der Parteien: Nein, Buchet (VG Prüm) ist kein gutes Pflaster für die CDU. Lediglich 34,7 Prozent der Wähler machten ihr Kreuz hinter der CDU. Doch die Christdemokraten sollten sich nicht lange grämen: Alle anderen Parteien mussten in der einen oder anderen Gemeinde sogar eine "Null" hinter ihrer Zweitstimme verkraften. Die SPD bekam in fünf der insgesamt 235 Orte im Kreis keine einzige Stimme - in Strickscheid (VG Arzfeld) sowie in Ammeldingen an der Our, Burg, Keppeshausen und Scheuern (allesamt VG Neuerburg). Für die FDP gab es insgesamt in 17 Gemeinden nichts zu holen, für die Grünen in 27 und für die Linke in 45 Orten.

Die größten Gewinne und Verluste: Der Absturz der FDP ist auch im Eifelkreis an Zahlen messbar: Die Liberalen verloren bei den Zweitstimmen im Vergleich zur Wahl 2009 insgesamt 12,9 Prozentpunkte. Die Christdemokraten legten dagegen kreisweit am meisten zu: 10,9 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren. Während die FDP in der VG Arzfeld ihre größten Verluste zu beklagen hatte und insgesamt 14,4 Prozentpunkte einbüßte, hatte die CDU in der VG Arzfeld mit 13,5 Prozentpunkten die meisten Zuwächse zu verzeichnen.Extra

Bis zum Redaktionsschluss am Sonntag war im Wahlkreis 203 der Briefwahlbezirk der VG Prüm noch nicht ausgezählt. Durch die Berücksichtigung dieser letzten, rund 3100 Wahlzettel verändert sich das vorläufige Endergebnis bei den Erst- und Zweitstimmen noch ein wenig im Vergleich zu den in der gestrigen Ausgabe veröffentlichten Ergebnissen: Bei den Erststimmen kommt die CDU auf 56 Prozent, die SPD auf 26,3 Prozent, die FDP auf 3,2 Prozent. Die Grünen erhalten 4,9 Prozent und die Linke bekommt 3,3 Prozent. Bei den Zweitstimmen erreicht die CDU 52,2 Prozent, die SPD 22,3 Prozent, die FDP 6,1 Prozent, die Grünen erhalten 6,1 Prozent und die Linke kommt auf 4,4 Prozent. neb