1. Dossier

Tipps für Gartenfreunde

Garten : Herbstfärbung putzt Gräser heraus

Ich liebe eine Natur, die fast brennt“, hat der berühmte Maler Vincent Van Gogh einmal gesagt. Mit der Herbstfärbung in lodernden Gelb- und Rottönen ist es wieder soweit und Bäume und Sträucher stellen ihre schönsten Werke aus.

Zu den Neuentdeckungen der letzten Jahre gehören Gräser. Allen voran brilliert Chinaschilf (Miscanthus sinensis). Auf der Farbpalette findet man von Olivgrün über Strohgelb alle warmen Braunschattierungen bis hin zu Kupfertönen. Das wirkt als Leinwand für die funkelnden Blüten der Herbstastern ebenso ansprechend wie im Zusammenspiel mit herbstfärbenden Laubgehölzen. Das Tolle an einem Ziergras wie Chinaschilf ist seine Wandelfähigkeit. Es bietet zu jeder Jahreszeit, was man gerade braucht. Im Sommer begleitet seine grafische Struktur hohe Stauden, etwa Phlox oder Taglilien wie Streicher in einem Orchester den Solisten begleiten. Durch das Grün der Gräser lassen sich knallige Farben abmildern und wirken dadurch geheimnisvoller. Im Herbst unterstreicht das sich färbende Blattkleid die Herbststimmung. Die Blütenwedel der je nach Sorte 140 bis 350 Zentimeter hohen Gerüstbildner erscheinen ebenfalls sortenabhängig von August bis Oktober. Sie blühen silbrig-weiß, rosa angehaucht oder braunrot. Zum Winter hin kleiden sich alle in noble Blässe und plustern sich fedrig auf. In der vierten Jahreszeit überzeugt Chinaschilf dann mit seiner Wintersilhouette. Niemals käme ich auf die Idee, mich um eine der schönsten Gartenskulpturen des Jahres zu bringen. Der Rückschnitt erfolgt immer erst im zeitigen Frühjahr. Anders als bei Pampasgras ist es auch nicht notwendig, das Gras vor dem Winter zusammenzubinden. Chinaschilf ist absolut unempfindlich gegenüber Winternässe. Man muss das Herz nicht schützen. Das Gras darf seine Wedel ganz natürlich im Wind schwingen lassen. Denn schön wie eine Natur, die fast brennt, ist eine Natur, die sich bewegt.

Stoffsäckchen schützen die Samen der Waldlilien vor Frassfeinden und fangen die reife Saat auf. Das sieht sogar noch hübsch aus. Foto: TV/Kathrin Hofmeister

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