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Trierer Kurfürst-Balduin-Schule kämpft um den Standort

Trierer Kurfürst-Balduin-Schule kämpft um den Standort

Die Realschule plus in Trier-West steht erneut vor dem Aus. Der Entwurf des Schulentwicklungsplans sieht vor, dass der Standort entfällt und stattdessen in Ehrang eine neue Integrierte Gesamtschule entsteht. Dagegen macht der Trierer Westen mobil.

Trier. Bestens gelaunt toben die Schüler der Kurfürst-Balduin-Realschule plus über ihren Schulhof. Es könnte ein ganz normaler Tag sein, wären da nicht die vielen Grüppchen, die aufgeregt über ihre Zukunft diskutieren. Kurz vor den Ferien hat Schuldezernentin Angelika Birk (Bündnis 90/Die Grünen) den Entwurf des Schulentwicklungsplans vorgestellt. Fände er in dieser Form eine politische Mehrheit im Stadtrat, wären die Tage der 125 Jahre alten Schule in Trier-West gezählt (der TV berichtete).
Gutachter Wolf Krämer-Mandeau schlägt eine Fusion mit der Realschule plus in Ehrang zu einer neuen Integrierten Gesamtschule im dortigen Schulzentrum Mäusheckerweg vor. Im dann freien Schulgebäude in Trier-West könnten die zwei Grundschulen des Stadtteils zu einer Einrichtung zusammengeführt werden.
Gegen die drohende Schließung der Realschule plus formiert sich Widerstand. "Wir bleiben hier! Eine Schule für den Westen!", steht auf Protest-T-Shirts, die viele der 280 Schüler tragen. "Das gesamte mühsam aufgebaute Sozialnetzwerk in Trier-West würde hart getroffen", fürchtet Ortsvorsteher Horst Erasmy (CDU).
Auch Hans-Alwin Schmitz (FWG), Vorsitzender des Schulfördervereins und Ortsvorsteher von Euren, ärgert sich über den Plan. "Erst hieß es vor zwei Jahren, wir würden zugemacht, falls wir die Anmeldezahlen nicht erhöhen", erinnert sich Schmitz. Mit viel Kraft und Energie habe man das Unmögliche geschafft und den Wandel von Haupt- zur Realschule plus erfolgreich durch- und umgesetzt. Die Neuanmeldungen seien von 23 im letzten Hauptschuljahr auf aktuell 63 Schüler gesprungen. "Das Auf und Ab muss doch ein Ende finden", fordert Schmitz (siehe Extra).
Diskussion im Stadtrat folgt


Im neuen Schuljahr sei nun auch der Wechsel zur Ganztagsschule vollzogen worden: "Es wurde so viel investiert, und alles Erreichte soll nun nichtig sein? In Ehrang sinken die Anmeldungen, bei uns steigen sie. Warum will man dann hier den Standort schließen? Es gibt doch ein klares Votum von den Eltern für Trier-West", zürnt der 58-Jährige.
Schulleiter Eugen Lang ist dennoch optimistisch: "Wir machten eine sehr positive Entwicklung mit. Ich dachte, weil wir nun guten Zulauf haben, während Ehrang mit den Anmeldezahlen kämpft, wären wir quasi gesetzt. Dem ist anscheinend nicht so, obwohl alle Argumente auf unserer Seite stehen." Die Schule stehe wesentlich besser da als noch zur Schließungsdebatte vor zwei Jahren. "Das Papier ist ein Vorschlag. Der Stadtrat wird diskutieren. Wenn er alle Faktoren berücksichtigt, kommt er an unserer Schule nicht vorbei", ist sich der Rektor sicher.
Für Dienstag, 28. August, sind die Ortsvorsteher eingeladen, sich mit dem Gutachter zu treffen. Darauf setzt Helmut Mertesdorf (CDU), Ortsvorsteher von Zewen: "Die Beratungen und Gespräche laufen noch. Ich denke, es ist zu früh, um eine abschließende Position zu beziehen." Horst Erasmy hat Fragen an den Gutachter: "Ich will wissen, wie sein Auftrag lautete. Momentan scheinen allein wirtschaftliche Gesichtspunkte gezählt zu haben. Das ist für die Entwicklung eines Schulkonzeptes zum Wohle der ganzen Stadt der falsche Ansatz."Meinung

Runter von der Achterbahn
Was die Kurfürst-Balduin-Schule seit 2009 mitmachen musste, gleicht einer ungewollten Achterbahnfahrt. Solide und durchdachte Planung sieht anders aus. Mehrfach ging es steil bergab, das Aus schien besiegelt. Dann wurden wieder große Hoffnungen geweckt. Zum Jubiläumsjahr kann die Schulgemeinschaft stolz darauf sein, was sie geschafft hat - und droht doch auseinanderzufallen. Den abenteuerlichen Plan der Stadt, die Nelson-Mandela-Realschule plus von Trier-Süd nach Trier-Nord zu verpflanzen und dort ein Gebäude für mehr als zehn Millionen Euro zu sanieren, hat die Aufsichtsbehörde zurecht gestoppt. Abenteuerlich wäre auch ein Umzug von Trier-West nach Ehrang, denn dort lässt sich nicht einfach eine vierzügige Integrierte Gesamtschule neben dem Gymnasium aus dem Boden stampfen. Gut, dass es vor dem Beschluss des Schulentwicklungsplans noch umfassende Diskussionen mit Beteiligung der Öffentlichkeit gibt. m.hormes@volksfreund.deExtra

Januar 2009: Die Kurfürst-Balduin-Hauptschule taucht in der Prioritätenliste für neue Realschulen plus nicht auf. März 2009: Der Runde Tisch für Schulentwicklung schlägt den Standort in Trier-West als Realschule plus vor. März 2010: Die neue Schuldezernentin Angelika Birk spricht sich für eine Realschule plus in Trier-West aus. Der Stadtrat beschließt die Einrichtung für das Schuljahr 2011/2012. August 2010: Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion lehnt den Antrag zur Realschule plus ab. Der Schule droht die Schließung. September 2010: Schüler demonstrieren, unterstützt von Bürgern und Politikern. Oktober 2010: Der Stadtrat beschließt nun doch die Realschule plus für Trier-West. August 2011: Der erste Jahrgang wird an der neuen Realschule plus begrüßt. Juli 2012: Der Entwurf zum Schulentwicklungsplan sieht vor, dass die Schule in einer neuen Integrierten Gesamtschule in Ehrang aufgeht. aff