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TV-Forum/SWR 4 Klartext zur Oberbürgermeisterwahl: Kandidaten wollen Trier trotz hoher Schulden voranbringen

TV-Forum/SWR 4 Klartext zur Oberbürgermeisterwahl: Kandidaten wollen Trier trotz hoher Schulden voranbringen

Die Trierer OB-Kandidaten Fred Konrad (Grüne), Wolfram Leibe (SPD) und Hiltrud Zock (parteilos, von CDU nominiert) haben sich am Mittwochabend beim Forum des Trierischen Volksfreunds und SWR 4 Klartext den Fragen von Moderatoren und Publikum gestellt. Vor 200 Besuchern traten Unterschiede unter anderem bei der Schulpolitik zutage.

Zwei Stunden lang löcherten TV-Lokalchef Michael Schmitz und SWR-Studioleiter Gerald Keßler in der Aula des Angela-Merici-Gymnasiums die drei Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl am 28. September mit Fragen zu Schwerpunkten der Stadtpolitik.

Finanzen: Angesichts von mehr als 700 Millionen Euro Gesamtverschuldung setzt SPD-Kandidat Wolfram Leibe auf ein gutes Schuldenmanagement: "Den in 70 Jahren gewachsenen Schuldenberg kurz- oder mittelfristig abzutragen, wird keinem OB gelingen." Hiltrud Zock, die für die CDU antritt, fordert ebenso wie Grünen-Kandidat Fred Konrad mehr Geld aus dem Länderfinanzausgleich. Zock strebt zudem ein gutes Klima zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Ansiedlung von Unternehmen an.

Schulen: Hiltrud Zock regt an, über eine mögliche Zusammenlegung von Schulbezirken nachzudenken. Zu einem möglichen Erhalt der sanierungsbedürftigen Egbert-Grundschule in Trier-Ost sagt sie: "Nur eine Sanierung der Außenhülle hilft nicht weiter. Wir müssen prüfen, ob die Schule als Begegnungsplatz im Stadtteil geöffnet werden kann." Wolfram Leibe wird deutlicher: "Wenn wir Millionen in eine kleine Schule wie Egbert investieren, fehlen sie woanders. Wir brauchen gute Schulen!" Fred Konrad will Schulen in den Stadtteilen "erhalten, wo immer es möglich ist". Er kündigt an, sich den Gebäudezustand der Egbert-Grundschule in Trier-Ost am Samstag anzuschauen: "Bis zum Jahresende sollte der weitere Weg für die Schule klar sein."

Stadtentwicklung: Bei der Frage, was ihm an Trier nicht gefalle, verweist Konrad auf "Stadtteile, an denen die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre vorbei gegangen ist". Das müsse sich ändern. Zock nennt den "Investitionsstau" und "700 verfallene Wohnungen". Leibe wünscht sich eine bessere Bahnanbindung und mehr Wohnungen.
Dennoch betonen alle drei Kandidaten die großen Qualitäten Triers, die als gute Basis für ein weiterentwickeltes Leitbild dienen könnten. Hiltrud Zock setzt auf mehr Tourismus, um die Wirtschaft zu stärken und die Lebensqualität voranzubringen. Wolfram Leibe will dabei die Kooperation mit der Region und besonders Luxemburg nutzen. Fred Konrad verweist gleichzeitig immer wieder im Laufe des Abends auf die Defizite, vor allem "auf dem linken Moselufer".

Verkehr: Trier erstickt im Verkehr. Dem widerspricht keiner der Kandidaten. Wolfram Leibe: "60 Prozent des Verkehrs produzieren die Menschen in der Stadt selbst. Wir müssen bei der Verbesserung des ÖPNV ansetzen und mit dem Rad- und Fußgängerverkehr verknüpfen." Elektromobilität sei seine Vision, vor allem auch bei Stadtbussen. Fred Konrad blickt beim Thema Verkehr mehr darauf, wo die Menschen im Stadtgebiet wohnen. "Wir dürfen die Fehler von vor 50 Jahren nicht wiederholen und immer mehr am Rand der Stadt bauen, ohne davor zu überlegen, wie die Leute sich bewegen." Moselaufstieg und Nordumfahrung lehnt er strickt ab.
Hiltrud Zock hält derweil beide Großprojekte für sinnvoll. "Es ist wichtig, dass wir auch gegen den Willen des Landes die Tür dafür offen halten." Als mittelfristig realisierbares Verkehrsprojekt sieht sie den Moselbahndurchbruch. Die Reaktivierung der Westtrasse für den Personennahverkehr sehen vor allem Wolfram Leibe und Fred Konrad als richtigen Schritt.

Verwaltung: Mehr Bürgernähe und eine bessere Kommunikation der Stadtverwaltung sollte in Trier bald Realität werden. Schließlich halten alle drei Kandidaten das für notwendig. Auch betonen sie, die Zusammenarbeit mit allen Fraktionen im Stadtrat zu suchen. Unterschiedlich sind allerdings Führungsstil und Vorstellungen vom Stadtvorstand. Während Wolfram Leibe ("Ich habe Lust auf Wirtschaft") verspricht, die personelle Besetzung der Dezernatsspitzen an fachlichen Kenntnissen und Führungsqualitäten festzumachen, will Fred Konrad zunächst die Aufgaben analysieren und dann über das geeignete Personal entscheiden. Hiltrud Zock sieht ihren Schwerpunkt besonders in der Begleitung und Steuerung der Wirtschaftspolitik.Aktualisiert 22.43 Uhr