Umstrittene Piusbruderschaft pilgert nach Trier

Umstrittene Piusbruderschaft pilgert nach Trier

Die erzkonservative Piusbruderschaft ist mit rund 2000 Anhängern nach Trier gepilgert. Für Kritiker passt das nicht zum ökumenischen Gedanken der Wallfahrt - betrachten die Piusbrüder unter anderem doch alle anderen Religionen schlichtweg als "falsch".

Trier. Dass alle anderen Religionen auf dem Holzweg sind, müsse man schon aus reiner Nächstenliebe offen kundtun. Das behauptet zumindest die Piusbruderschaft auf ihrer Internetseite ( www.pius.info ) und bemüht dafür einen Vergleich: "Ist es für einen Schüler verletzend, wenn ihm der Lehrer einen Fehler anstreicht? Beispielsweise, weil er die Rechnung 2 + 2 = 6 mit dem Rotstift berichtigt? Würde er diesen Fehler nicht korrigieren, dann wäre der Schüler sein Leben lang benachteiligt."
Nicht nur Angehörige anderer Religionen meinen die Piusbrüder, "korrigieren" zu müssen. Dass Homosexualität in Deutschland seit 1969 nicht mehr strafbar ist, bezeichnen sie als "Werteverfall". Und auch moderne Familienpolitik ist den Piusbrüdern ein Dorn im Auge: "Die Kinder den Müttern schon im Kleinkindalter wegzunehmen (Kinderkrippen), ist eine Perversion ohnegleichen", erklären sie im Internet.
Am Sonntag hatte die Piusbruderschaft - die staatlich finanzierte Grund- und weiterführende Schulen betreibt - ihre Mitglieder zur Wallfahrt nach Trier aufgerufen. Rund 2000 Anhänger zogen mit lateinischen Gesängen durch die Stadt.
Die Frauen - vom jungen Mädchen bis ins hohe Alter - tragen nahezu ausnahmslos Röcke. Beim Warten vor dem Dom betet die riesige Gruppe unablässig den Rosenkranz. Piusanhänger Bernhard Herrmann ist aus Freiburg angereist. "Der Heilige Rock ist schließlich die heiligste Reliquie, die wir haben. Da klebt das Blut des Heilands dran", sagt der 65-Jährige. "Davon, ihn zu sehen, verspreche ich mir gesundheitliches und seelisches Heil." In der Paulin-Kirche feiern die Pius-Priester ihre Messe - auf Latein und nach altem, überholtem katholischen Ritus mit dem Rücken zur Gemeinde. Denn die Piusbruderschaft erkennt das Zweite Vatikanische Konzil von 1964 nicht an - und lehnt damit Ökumene ab und auch zeitgemäßere Formen der Liturgie in der Sprache der Gemeinde.
Obwohl die Piusbruderschaft aus der katholischen Amtskirche ausgeschlossen ist und ihr Bischof Richard Williamson mehrfach den Holocaust geleugnet hat, empfängt das Bistum Trier die Piusbruderschaft gern: "Gerade vor dem Hintergrund des Leitworts der Wallfahrt - ,Und führe zusammen, was getrennt ist\' - sind uns auch die Pilgerinnen und Pilger der Piusbruderschaft willkommen", erklärt Bistumssprecher Stephan Kronenburg auf TV-Anfrage.
Hanspeter Schladt, Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche" für die Diözese Trier, kann das nicht verstehen: "Das Bistum will sich mit der Wallfahrt um die Ökumene bemühen und heißt gleichzeitig die Piusbruderschaft willkommen - das passt nicht zusammen!", sagt der Katholik, der in einem Neuwieder Pfarrgemeinderat sitzt. Den Grund dafür, dass der der Ökumene zugewandte Trierer Bischof Ackermann sich nicht gegen die Piusbrüder stellt, vermutet Schladt in Rom. Papst Benedikt XVI. hatte 2009 die Exkommunikation von Holocaust-Leugner Williamson aufgehoben. "Papst Benedikt nähert sich der Piusbruderschaft an - dadurch steht Bischof Ackermann unter einem gewissen Druck, er kann vermutlich gar nicht anders handeln."