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Spannung in Rheinland-Pfalz vor "Schicksalswahl" Trump gegen Biden

Präsidentschaftswahl : Spannung in Rheinland-Pfalz vor „Schicksalswahl“ Trump gegen Biden

Rheinland-Pfalz beheimatet in Spangdahlem eine US-Luftwaffenbasis und in Ramstein die größte US-Militärgemeinde außerhalb der USA, zudem stammen die Vorfahren von US-Präsident Trump väterlicherseits aus Kallstadt. Doch nicht nur deswegen interessieren sich viele im Bundesland für die bevorstehende US-Wahl.

(dpa/lrs) - Amtsinhaber Donald Trump oder Herausforderer Joe Biden? An diesem Dienstag haben die USA die Wahl, wer die letzte verbliebene Supermacht als Präsident führen soll. Es ist eine Abstimmung, die nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern für die ganze Welt von Bedeutung ist - auch für Rheinland-Pfalz. Wohl keine Wahl im Ausland hat Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Bundesland zuletzt so elektrisiert.

Auch für den Direktor der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, David Sirakov, ist der Urnengang viel mehr als ein Rennen um das Amt im Weißen Haus. «Der Wahlkampf zeigt wie in einem Brennglas die innere Zerrissenheit der Vereinigten Staaten», sagt der Amerika-Experte. Die enorme Polarisierung führe nicht nur zu einem politischen Stillstand - also der Unfähigkeit der Politik, Antworten auf die drängendsten gesellschaftlichen Fragen zu finden -, sondern auch zu einem tiefen Riss durch die Gesellschaft.

«Die Lebenswirklichkeit und auch die zentralen Erwartungen der Anhänger von Demokraten und Republikanern könnten nicht weiter auseinanderliegen», meint Sirakov. Der Politologe sieht das Duell zwischen dem Republikaner Trump (74) und dem Demokraten Biden (77) als eine entscheidende Weichenstellung, die weit über die Politik hinausgeht. «Vor diesem Hintergrund ist die bevorstehende Wahl deutlich mehr als eine Richtungswahl. Sie ist vielmehr eine Schicksalswahl», sagt Sirakov in Kaiserslautern.

Die Spannung steigt auch in Ramstein - seit fast 70 Jahren ein Synonym für amerikanische Präsenz in Deutschland. Der Ort beheimatet die größte US-Militärgemeinde außerhalb der USA. Seit 2011 ist die Air Base mit rund 8000 US-Soldaten auch die Zentrale der umstrittenen US-Drohneneinsätze. Was in den USA passiert, hat in Ramstein oft spürbarere Folgen als an anderen US-Standorten weltweit.

«Ich bin sehr gespannt», sagt Ralf Hechler, der Bürgermeister von Ramstein-Miesenbach. Eine direkte Auswirkung werden die Wahlen in seinen Augen zwar zunächst wohl nicht haben. Dennoch wäre eine zweite Amtszeit von Trump wohl eine weitere Periode mit der Unsicherheit, was einen möglichen Teilabzug von US-Soldaten aus Deutschland - und speziell Rheinland-Pfalz - angehe. «Die Ankündigungen zu Verlegungen sind ja noch nicht umgesetzt. Und Biden hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob er die Schritte bei einem Wahlsieg verändern würde.»

Wie die Wahl ausgeht - da will sich der CDU-Politiker nicht festlegen. «Die Wahlbeteiligung scheint bislang schon sehr hoch zu sein. Eine Prognose würde ich aber nicht abgeben. Ich rechne mit einem ganz knappen Ausgang.» Er wolle in der Nacht zu Mittwoch durchaus vor dem Fernsehen verfolgen, wie die Abstimmung laufe. «Auf jeden Fall - solange die Augen mitmachen», sagt er und schmunzelt.

In der pfälzischen Gemeinde Kallstadt, die 2016 durch den Wahlsieg von Trump international bekannt wurde, gibt sich Bürgermeister Thomas Jaworek betont gelassen. «Mich treiben andere Dinge als die US-Wahl viel mehr an - vor allem natürlich die Corona-Pandemie», sagt der CDU-Politiker. Kallstadt ist der Heimatort von Trumps Vorfahren väterlicherseits. In der Berichterstattung über die bevorstehende Wahl sei dies wieder oft erwähnt worden, meint Jaworek. «Aber dass ich deswegen viel Zeit oder besondere Gefühle für die Abstimmung hätte - auf keinen Fall. Dazu gibt es zuviel anderes.»

Er werde sicher nicht die Nacht vor dem Fernsehen verbringen, um den Wahlverlauf zu verfolgen. «Ich habe natürlich einen Nachrichtenticker auf dem iPhone, aber da laufen derzeit eher die Coronazahlen», meint Jaworek. Den Stand der Stimmenauszählung in den USA werde er ohnehin morgens mitbekommen. Er gehe aber nicht davon aus, dass der Wahlausgang besonders viel Einfluss haben werde auf das Weindorf. «Letztendlich wird das Leben in Kallstadt geordnet verlaufen. Der Mittwoch wird ein normaler Novembertag in unnormalen Zeiten.»