1. Dossier

Viezgeschichte

Viezgeschichte

Wir wohnten in der Maarstraße im Hause von den Großeltern. Unser Opa Peter Schaller-Carpagne hatte ein Grundstück im Weishauswald, dort standen unter anderem Viezapfelbäume, in der Benediktinerstraße auf dem anderen Grundstück Birnbäume.

Die Birnen waren sogenannnte "Wurgsbirnen" also gut für Birnenviez herzustellen. Diese Birnen hatten einen besonderen Geschmack, man brachte kaum einen Bissen davon runter. Wir waren im Haus mit Cousins und Cousine 8 Kinder. Unser Opa Pittchen stellte den Viez selbst her. Da gab es eben Apfelviez und Birnenviez. Wenn der Viez hergestellt war, gab es ja erstmals süßen Viez.Wir Kinder standen dann um die 2 Viezfässer herum und freuten uns auf ein Gläschen Viez. Das war immer ein Erlebnis, das schmeckte herrlich! Wenn wir Glück hatten, bekamen wir noch Scheibe Brot dazu mit selbstausgelassenem Griebenschmalz. Man muß dazu sagen, das war kurz nach 1945. Das war für uns Kinder ein Fest.

Der Opa erzählte uns dann oft Geschichten aus seiner Jugend, wo er in seiner Gesellenzeit als Maurer von Trier bis Koblenz zu Fuß gewandert war und sich so sein Geld verdienen mußte - bis er dann in Trier wieder zurück sein Bau - Geschäft als Maurermeister betrieb. Dann gab es zu der Geschichte noch zu berichten, meine Familie wohnte im vorderen Haus, das war nicht unterkellert. Ich musste die Kartoffeln im Hinterhaus der Großeltern in den Keller holen gehen.

Da ich aber in die Küche von den Großeltern gehen musste, um im Keller den Schalter für das Licht im Keller an zu knipsen, gab es für mich, wie ich damals meinte - bei den Großeltern einen kurzen Aufenthalt, um mit Opa und Oma ein Schwätzchen zu halten bei einem Gläschen Viez.

Die Viezporz war dem Opa vorbehalten. Beim Erzählen vergaß ich oft meinen mütterlichen Auftrag, bis Mutti durch den Hof rief: "Christel, wo bleibst du dann, machst du die Kartoffeln noch? .Dann war es höchste Eisenbahn meinen Auftrag zu erfüllen, die "Krumbern" zur Muttern zu bringen, damit sie kochen konnte. Wenn von der Familie jemand stark erkältet war, wurde eine Porz mit Viez in einem Topf mit braunem Kandiszucker heiß gemacht. Der Kranke musste den heißen Viez schluckweise trinken, wurde dann ins Bett gesteckt und sollte die Erkältung rausschwitzen. Das hatte funktioniert und der heiße Viez war ein bewährtes Hausmittel. Wenn ich von außerhalb Besuch habe, empfehle ich unser Trierer Nationalgetränk, konnte auch schon einige Touristen dafür begeistern.

Christel Damrow - Carpagne
Trier