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Vom Kreistag auf die ganz große politische Bühne

Vom Kreistag auf die ganz große politische Bühne

Sein Vater Wolfgang war Landtagsabgeordneter, Jens Jenssen will noch eine politische Ebene höher. Sein Ziel bei der Wahl am 22. September: für die SPD in den Bundestag einziehen.

Daun. Mit einem ehemaligen Landtagsabgeordneten und amtierenden Stadtbürgermeister als Vater sowie einer ebenfalls politisch aktiven Mutter: Da scheint der Weg in eine politische Karriere für Jens Jenssen fast unvermeidlich gewesen zu sein. Oder? "Natürlich wurde in der Familie, zu der auch meine beiden jüngeren Brüder gehören, viel über Politik gesprochen und diskutiert. Aber sie hat unser Familienleben nicht komplett dominiert", sagt der 33 Jahre alte gebürtige Dauner, der für die SPD in den Bundestag einziehen will.
Geprägt hat ihn das politische Klima in der Familie: "Ich habe gelernt, keine Hemmungen zu haben, sich einzumischen, Position zu beziehen." Das hätte er auch bei den Grünen tun können. Warum SPD? "Sie steht für mich seit jeher für soziale Gerechtigkeit und für den Einsatz für die Demokratie auch in schwierigen Zeiten. Das waren ausschlaggebende Gründe, in die SPD einzutreten."
Vor vier Jahren war er bei der Wahl des Direktkandidaten nicht zum Zug gekommen, nun geht er als unangefochtener Kandidat ins Rennen für die Wahl am 22. September, schließlich wurde er mit 100 Prozent der Stimmen nominiert. Jenssen weiß, dass die Aussichten, direkt in den Bundestag gewählt zu werden, nicht sehr hoch sind. Bislang hat es noch kein Sozialdemokrat geschafft, den Eifelwahlkreis zu gewinnen. "Aber entschieden wird erst am 22. September", gibt er sich kämpferisch.
Das politische Geschäft in Berlin ist ihm bereits vertraut. Dort hat er Politikwissenschaften studiert, hat bei Bundestagsabgeordneten und in der SPD-Parteizentrale gearbeitet. Warum ist er nicht dort geblieben, sondern ist zurückgekommen in die Eifel? "Es ist meine Heimat, ich bin Eifeler. Für mich wäre es die ideale Konstellation, in Berlin an Entscheidungen von internationaler, aber auch regionaler Tragweite mitarbeiten zu können, dabei aber fest verwurzelt zu sein im Wahlkreis."
Auf kommunaler Ebene ist er im Kreistag Vulkaneifel (als SPD-Fraktionsvorsitzender) und im Stadtrat in Daun, wo Vater Wolfgang seit 14 Jahren Stadtbürgermeister ist, aktiv. Jenssen ist Agenturleiter einer Marketingagentur in Bitburg, kennt sich also aus in Sachen Vermarktung. Deshalb hat er keine Agentur für seinen Wahlkampf beauftragt, "aber allein mache ich es natürlich nicht, sondern kann auf ein mehrköpfiges Team bauen".
Derzeit dominiert der Wahlkampf seine Tage außerhalb der Arbeit, da bleibt ihm kaum Zeit beispielsweise fürs Laufen. Und mal richtig abschalten ist für die nächste Zeit nicht drin, ist aber etwas, was er in den vergangenen Jahren schätzen gelernt hat. "Ein paar Tage bei Freunden in den Pyrenäen, ohne Handy, ohne Internet, das ist Entspannung pur." Aber die Pyrenäen müssen warten - mindestens bis zum 22. September.Extra

Der Bundestags-Wahlkreis 203 trägt den Namen Bitburg, umfasst neben dem Eifelkreis Bitburg-Prüm den Landkreis Vulkaneifel und den Nordteil des Landkreises Bernkastel-Wittlich mit der Stadt Wittlich und den Verbandsgemeinden Kröv-Bausendorf, Manderscheid und Wittlich-Land. Bei der Bundestagswahl 2009 gab es knapp 170 000 Wahlberechtigte. In den Wochen bis zur Wahl stellen wir alle Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien vor. larsExtra

Bei einer Wahlkreiskonferenz in Prüm haben die Delegierten aus den SPD-Kreisverbänden Vulkaneifel, Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich Jens Jenssen (Daun) im Oktober vergangenen Jahres als Direktkandidaten für die Bundestagswahl am 22. September gewählt. Der 33-Jährige hatte keinen Gegenkandidaten und wurde mit 100 Prozent der Stimmen nominiert. Ersatzkandidatin ist Nadine Zender (26) aus Wittlich. 2009 hatte die SPD Elke Leonhard, die von 1990 bis 2005 Mitglied des Bundestags war, ins Rennen geschickt. Das politische Comeback gelang ihr aber nicht, sie verpasste den erneuten Sprung ins Parlament in Berlin. sts


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