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Vom Ortsbeirat Pfalzel bis in den Bundestag

Vom Ortsbeirat Pfalzel bis in den Bundestag

Nach Ansicht von Bundesumweltminister Peter Altmaier ist er "der größte Schlawiner von Berlin": Seit 2002 sitzt der Christdemokrat Bernhard Kaster im Bundestag und will am 22. September als Direktkandidat im Wahlkreis 204 wiedergewählt werden.

Trier. Es ist gefährlich oder zumindest riskant, jemanden als Schlawiner zu bezeichnen. Der altertümliche Begriff hat viele Bedeutungen. Er kann ein unstetes Subjekt meinen, einen Gauner, der sich immer am Rand der Legalität bewegt. Doch diese Bedeutung hatte der Bundesumweltminister nicht im Sinn: Peter Altmaier meinte es als Kompliment, als er Bernhard Kaster einen Schlawiner nannte. Aktiv, energisch, überall die Hände im Spiel habend - so sieht das Bild aus, das nicht nur Altmaier von Kaster zeichnet.

"Meine Hartnäckigkeit ist eben bekannt", meint Kaster leicht erheitert. Erfolg auf der Politbühne erfordere neben der harten thematischen Arbeit eine ständige Kontaktpflege. "Man muss lernen, wie man zu Mehrheiten und Entscheidungen kommt", sagt Kaster. Er scheint bei bestimmten Themen - allen voran dem Großkomplex Verkehr - tatsächlich allgegenwärtig zu sein. Bernhard Kasters Weg in die Politik begann früh. "Ich habe schon zusammen mit meinem Großvater im Fernsehen die Bundestagsdebatten in Schwarz-Weiß verfolgt", erzählt er. Mit 19 trat er in die Junge Union ein. "Die ideologisch ausgerichteten Parteien zogen mich nicht an." Was sah er damals in der Union? Kaster zögert keine Sekunde. "Konservative Werte, Toleranz, Liberalität."
Mit 27 wird Kaster stellvertretender Ortsvorsteher seines Heimatstadtteils Pfalzel, mit 32 folgt der Einzug in den Stadtrat Trier. "Im dritten Anlauf", betont er. "Man muss in der Politik eben auch mit Niederlagen fertigwerden."
1997 wird aus dem ehrenamtlich politisch aktiven Christdemokraten ein Berufspolitiker. Der Diplom-Verwaltungswirt Kaster, damals als Verwaltungsleiter in der Gesundheitsverwaltung des Innenministeriums aktiv, wird zum hauptamtlichen Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land gewählt. Am 22. September 2002 folgt die nächste gewaltige Veränderung: Die Bundestagswahl wird Kasters Ticket nach Berlin. Der Sozialdemokrat Karl Diller gewinnt zwar das Direktmandat in Trier, aber das gute überregionale Ergebnis der Christdemokraten auf Landesebene sicherte Kasters Einzug über den Landeslistenplatz. 2005 und 2009 brauchte er die Liste nicht mehr und holte zweimal das Direktmandat im Wahlkreis Trier/Trier-Saarburg.
Schon in seinem ersten Bundestagsjahr wird er Mitglied des wichtigen Haushaltsausschusses. 2005 folgt die Berufung zum parlamentarischen Geschäftsführer der Bundestagsfraktion.
Persönliche Momentaufnahmen lässt Kaster nur zu, solange sie nicht seine Familie betreffen. Seit 33 Jahren ist er mit seiner Frau Isabell verheiratet, das Paar hat zwei Töchter. "Meine Familie ist mein großer Rückhalt", sagt er. "Dafür bin ich unendlich dankbar." Konsequent hält er Frau und Töchter aus seinem öffentlichen Dasein als Bundestagsabgeordneter heraus.
Gibt es eine typische Schwäche? "Ich kann mich immer noch richtig ärgern, wenn eine Sache schiefläuft", sagt der Christdemokrat. "Dann ärgere ich mich darüber, dass ich mich ärgere."Extra: Drei politische Forderungen

Im Schienenverkehr darf die Region vom Fernverkehr auf gar keinen Fall abgekoppelt werden. Doch Moselaufstieg und Nordumfahrung Trier sind Schlüsselprojekte für die Gesamtregion, sie müssen deshalb in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden.

Der gemeinsame Wirtschaftsraum Trier-Luxemburg muss auch zu einer grenzüberschreitenden Ausbildungs- und Bildungsregion fortentwickelt werden. Das hilft unseren jungen Menschen und einem starken Mittelstand!

Die Verbesserung der Mütterrente für die auch vor dem 1. Januar 1992 geborenen Kinder ist fest zugesagt und maßgeblich aus Trier und von mir begleitet und unterstützt worden. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, echte Wahlfreiheit und gesellschaftspolitische Anerkennung von Familienleistung bleiben für mich die Zukunftsthemen.Extra: Wahlkreis 204

Der Wahlkreis 204 umfasst die Stadt Trier und den Landkreis Trier-Saarburg. Er ist einer von insgesamt 15 Wahlkreisen in Rheinland-Pfalz. Seine Nummer hat sich im Lauf der Jahrzehnte oft geändert: von 7 (1949) über 154 (1953 bis 1976) und 152 (1980 bis 1998) bis zu 206 (2002), 205 (2005) und 204 (heute). Laut Mitteilung des Bundeswahlleiters haben 2009 insgesamt 139 000 Wähler ihre Stimmen abgegeben, wahlberechtigt waren 193 000. In den Tagen bis zur Wahl stellt der TV alle Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien auf Sonderseiten vor.Extra: Wahlergebnis

Die Bundestagswahl 2009 endete mit einem klaren Sieg für Bernhard Kaster. Der Christdemokrat holte 45,7 Prozent der Erststimmen, sein Herausforderer Manfred Nink (SPD) kam auf 25,9 Prozent. Die Zweitstimmen: CDU 36,9 Prozent, SPD 22,3 Prozent.


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