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Vom Reiz, Chef oder Chefin zu sein

Vom Reiz, Chef oder Chefin zu sein

Zwei Männer und eine Frau wollen Bürgermeister der neuen Verbandsgemeinde (VG) Traben-Trarbach werden, die im Juli aus der Fusion der Verbandsgemeinden Kröv-Bausendorf und Traben-Trarbach entsteht. Sie haben sich bei einem TV-Forum in Kröv rund 400 potenziellen Wählern vorgestellt.

Kröv. Was reizt die Kandidaten an der Aufgabe des Bürgermeisters in der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach?
Das möchte Volksfreund-Redakteur und Moderator Winfried Simon gleich zu Beginn des Forums in Kröv von der CDU-Kandidatin wissen. Heidrun Baltes gibt sich selbstbewusst. Bei der Kreisverwaltung Cochem-Zell sei sie nur ein Rädchen von vielen. "Hier bin ich Chefin." Marcus Heintel, der für die SPD antritt, reizt vor allem die Aufgabe, mit der Zusammenlegung der Verbandsgemeinden etwas Neues schaffen zu können. Aber auch er sieht Vorteile darin, nicht einer von vielen in einem Parlament zu sein, sondern eben Chef in der VG.
Reinhard Niedersberg hat vor drei Jahren bei seiner Bewerbung als Landrat nur wenige Stimmen bekommen. Warum tritt er trotzdem an? Der Enkircher sieht sich nicht chancenlos. Er habe einen großen Bekanntenkreis. "Die Leute vertrauen mir", sagt er. Seine Aussage, dass er zu 95 Prozent immer die Wahrheit sagt, sorgt für Belustigung bei den Zuhörern.Keine Einigkeit bei der Fusion


Bei der Frage, ob sie eine Fusion der beiden Verbandsgemeinden wünschen, gibt es unterschiedliche Antworten. Heidrun Baltes gibt sich verschlossen. "Ich verhalte mich neutral", sagt sie. Falls die Klage der VG Kröv gegen die Fusion Erfolg haben sollte, sei sie auch bereit, nur dort Bürgermeisterin zu werden. Niedersberg hält es ähnlich mit der Fusion. Er habe sich etwas mehr Fingerspitzengefühl bei der Landesregierung gewünscht.
Marcus Heintel dagegen bezieht klar Stellung: "Ich bin einverstanden mit der Fusion."
Weitgehend einig zeigen sich alle drei bei der Frage nach dem geeigneten Namen für die neue Verbandsgemeinde. Traben-Trarbach oder Mittelmosel ? Hier setzen alle auf eine Beteiligung des Rates. Heintel und Niedersberg regen zudem eine Bürgerbeteiligung an.
Unterschiedliche Positionen vertreten die drei Kandidaten beim Stichwort Weißgerber. Welche Geschäftsbereiche sollten ihm übertragen werden, falls er sich dafür entscheidet, hauptamtlicher Beigeordneter zu werden?
Heidrun Baltes hat sich schon Gedanken gemacht: "Finanzen und Personal bekommt er nicht!" Das sieht Reinhard Niedersberg ganz anders. "Weißgerber ist gut in Finanzaufgaben", findet er. Schwächen sieht er beim bisherigen Amtsinhaber in der VG Traben-Trarbach im menschlichen Umgang. Noch keine Gedanken will sich Heintel zu diesem Zeitpunkt machen. Er möchte erst einmal die Entscheidung Weißgerbers abwarten.
Das Publikum wünscht sich von den Kandidaten unter anderem Lösungsvorschläge für den demografischen Wandel. Dabei setzt Heidrun Baltes auf einen Masterplan, der langfristig die Probleme lösen soll. Infrastruktur ist dabei das wichtigste Thema für Marcus Heintel. Reinhard Niedersberg möchte mehr Betriebe in der Region ansiedeln, um Arbeitsplätze zu schaffen. Einig sind sich die Kandidaten darin, dass sie Rat und Bevölkerung einbeziehen wollen.
In ihrem Schlusswort empfiehlt sich Baltes als Bürgermeisterin, weil sie mit Menschen sprechen und Probleme lösen möchte. Heintel sieht sich als Kümmerer und möchte eine neue Mitmachkultur. Niedersberg möchte versuchen, alle Parteien in ein Boot zu bekommen.Extra

Heidrun Baltes (47) lebt in Neef. Aufgewachsen ist die Kandidatin der CDU in einem Elternhaus mit Weinbau und Gastronomiebetrieb. Sie ist geschieden und hat zwei Töchter. Die Diplom-Kauffrau mit dem Schwerpunkt Finanzwissenschaft arbeitet bei der Kreisverwaltung Cochem-Zell, unter anderem als stellvertretende Fachbereichsleiterin Schulen und Leiterin der Kreisvolkshochschule. Sie ist Mitglied im CDU-Kreisvorstand Cochem-Zell, Vorsitzende des Gemeindeverbandes Zell und aktiv im VG-Rat Zell. Marcus Heintel (37) ist in Bernkastel-Kues geboren und in Morbach aufgewachsen. Heute lebt der Kandidat der SPD mit seiner Frau und seinem Sohn in Rivenich. Der Diplomwirtschaftsjurist arbeitet bei der Arbeiterwohlfahrt und als Gewerkschaftssekretär. Erste politische Erfahrungen sammelte er bei der Gründung eines Jugendparlamentes in Morbach. Dort war er auch Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, und seit fünf Jahren ist er Mitglied im Kreistag. Zweimal kandidierte Heintel als Landtagskandidat. Reinhard Niedersberg (57) bezeichnet sich selbst als Enkircher Urgestein. Er ist verheiratet, hat drei erwachsene Söhne und wird bald Großvater. Der gelernter Bauhandwerker tritt für die ÖDP an. Er hat in einem Sicherheitsunternehmen gearbeitet. Seit 1991 arbeitet er als Zivilbeschäftigter bei der Bundeswehr. Niedersberg ist leidenschaftlicher Jäger. Er verfügt über keine kommunalpolitischen Erfahrungen. Vor drei Jahren bewarb er sich als freier Kandidat um das Amt des Landrates Bernkastel-Wittlich.