Vor laufender Kamera gegen das Verbrechen

Vor laufender Kamera gegen das Verbrechen

Der Krimi im Fernsehen ist der Deutschen liebstes Hobby. Krimiformate wie "Tatort" oder "CSI: Den Tätern auf der Spur" haben regelmäßig gigantische Einschaltquoten. Die Ermittlungen vor laufender Kamera haben schon bei Miss-Marple-Verfilmungen die Zuschauer begeistert und tun es bis heute.

Trier. Augen blicken dem Zuschauer entgegen, ein Fadenkreuz erscheint, ein Mann rennt über nassen Asphalt. Mit diesem Vorspann beginnt immer wieder sonntags der "Tatort" und damit die wöchentliche Krimi-Zeit für das Fernsehpublikum. Längst ist das Krimiformat der ARD zum Kult und für viele zum wöchentlichen Ritual geworden. Kein Wunder, dass in einer aktuellen Umfrage (siehe Grafik), die die Zeitschrift Auf einen Blick in Auftrag gegeben hat, fünf Tatort-Ermittler ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen.
Und auch bei den bekannten Persönlichkeiten scheint die Krimireihe besonders beliebt zu sein(siehe Umfrage). Besonders das Ermittler-Duo aus Münster mit Axel Prahl als Frank Thiel und Jan Josef Liefers als Karl-F. Boerne stehen bei den Zuschauern hoch im Kurs. Allein die Folge "Zwischen den Ohren", die im September ausgestrahlt wurde, lockte 10,4 Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Dabei ist das Muster meist gleich: Eine Leiche in den ersten Sendeminuten, und danach verfolgt der Zuschauer die Arbeit der Ermittler.
Frauen als Ermittler


Nicht nur beim "Tatort" ist in den letzten Jahren eine Entwicklung besonders auffällig: Zunehmend lösen Frauen die Fälle. Wie in der realen Wirklichkeit, wo auch immer öfter Frauen das Ruder übernehmen, schlüpfen in vielen Krimiformaten Frauen in die Rolle der Ermittlerin. Natürlich ist das nicht neu: Schon bei den Verfilmungen von Agatha Christies Miss-Marple-Erzählungen steht eine weibliche Ermittlerin im Mittelpunkt.
Die britische Schauspielerin Margaret Rutherford verkörperte die schrullige alte Dame in vier Filmen von 1960 bis 1964. Allerdings war ihre Schöpferin davon weniger begeistert. Für Agatha Christie entsprach Rutherford mit ihrem frechen und burschikosen Auftreten nicht ihren Vorstellungen von der Hobby-Detektivin.
Bei so starken Ermittlerinnen rücken bekannte Krimiformate wie "Ein Fall für zwei" mit Privatdetektiv Josef Matula und Oberinspektor Stephan Derrick aus der gleichnamigen Serie immer weiter in den Hintergrund. Dabei hat der Ermittler mit den ausgeprägten Tränensäcken das Bild vom Nachkriegs-Deutschland vieler Ausländer geprägt. In knapp 100 Länder wurde die Serie importiert und flimmerte hierzulande zwischen 1974 und 1998 über die Fernsehbildschirme. Der Satz "Harry, fahr schon mal den Wagen vor" wurde zum Kult - obwohl er so in der Serie nie fiel.
Seit rund einem Jahrzehnt schwemmen immer mehr amerikanische Formate auf den deutschen Fernseh-Krimimarkt. Allen voran die Serie "CSI: Den Tätern auf der Spur", in der die Arbeit der Spurensuche thematisiert wird. Von diesem Format gibt es inzwischen zwei Ableger, die in Miami und New York spielen. Sowohl in den USA als auch hierzulande erreichen die 45-minütigen Kurzkrimis Top-Quoten. Dabei ist so manche Sendeminute nichts für zartbesaitete Zuschauer: Den Verfall einer Leiche im Zeitraffer zu sehen verlangt dem Zuschauer so einiges an Abgeklärtheit ab. Produzent Jerry Bruckheimer, der ursprünglich mit Hollywood-Streifen bekannt wurde, setzt in den Folgen auf visuelle Effekte. Und auch die Ermittler müssen sich vor allem mit der Technik auskennen und die neuesten Möglichkeiten im Labor beherrschen. Dabei rückt das zwischenmenschliche Fingerspitzengefühl immer weiter in den Hintergrund. Und auch das Privatleben der Ermittler tut wenig zur Sache.
Genau das Gegenteil ist bei deutschen Krimiserien der Fall. Bei Folgen der Krimiserie "Das Duo" mit Charlotte Schwab und Lisa Martinek stehen gemeinsame Abendessen regelmäßig im Drehbuch.
Und auch beim "Tatort" wird das Privatleben der Polizisten alles andere als ausgeblendet: Die Kommissare aus Ludwigshafen leben in einer Wohngemeinschaft, Boerne und Thiel aus Münster Tür an Tür.
Charlotte Lindholm, die in Hannover und Umgebung Fälle löst, ist die erste Kommissarin, die ein Baby bekam. Vielleicht liegt darin auch der Schlüssel zum "Tatort"-Erfolg: Die Zuschauer begleiten die Kommissare, die in den unterschiedlichen deutschen Städten gegen das Verbrechen ankämpfen, über viele Jahre hinweg - und zwar nicht nur bei ihrer Arbeit, sondern auch im Privatleben.

Was halten Prominente vom Fernsehkrimi? Welche Kommissare mögen sie am liebsten? Der Trierische Volksfreund hat bei bekannten Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Religion nachgefragt.

Thomas Kiessling
(49), Tenor: "Für mich ist Sonntagabend Couch und ,Tatort-Gucken\\' Kult. Ich habe auch eine Präferenzliste. Am liebsten sehe ich die Folgen aus Hannover. Maria Furtwängler kommt als Schauspielerin sehr ehrlich rüber. Auf dem zweiten Platz steht bei mir Münster. Da übersieht man es auch mal, wenn es unrealistisch wird. Ich gucke aber auch gerne den ,Tatort\\' aus München, weil ich längere Zeit dort gelebt habe. Es ist klasse, wenn man die Örtlichkeiten wiedererkennt. Mit Formaten wie ,CSI\\' kann ich nicht so viel anfangen."
Klaus Jensen (59), Oberbürgermeister von Trier : "Ich mag Axel Prahl, den ,Tatort-Ermittler\\' aus Münster als Hauptkommissar Frank Thiel. Ich finde den einfach gut - schon wegen der Dialoge mit dem Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers)."
Stephan Ackermann (48), Bischof im Bistum Trier: "Ich schaue leidenschaftlich gerne den ,Tatort\\' am Sonntagabend und freue mich immer sehr, wenn das zeitlich klappt, was natürlich oft leider nicht der Fall ist. Am besten gefallen mir die Tatorte aus Ludwigshafen, Köln und München. Und meine Lieblingskommissare sind Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihr Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe)." Umfrage: as/Fotos: TV-Archiv