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Wahl unter kuriosem Vorzeichen

Wahl unter kuriosem Vorzeichen

Die Gemeinde Osburg sieht am Sonntag, 22. Januar, einer kuriosen Ortsbürgermeisterwahl entgegen: Zwar werden zwei Kandidaten auf der Liste stehen. Doch einer der beiden will auf seine Wahl verzichten, fall er die Mehrheit erzielen sollte.

Osburg. Die Ära des Werner Mergens ist in Osburg vorbei: Nach 28 Jahren hatte er sein Amt als Ortsbürgermeister aus Altersgründen zu Verfügung gestellt. Als Kandidaten für die Nachfolge gingen Gerd Schuh (SPD) und Hubert Rommelfanger von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) ins Rennen.
Für die Wähler wird dies am Sonntag aber nur eine Scheinalternative sein. Der Grund: Gerd Schuh hatte seine Kandidatur Anfang Januar zurückziehen wollen, nachdem in der Weihnachtszeit eine diskriminiernde anonyme Schmähschrift gegen ihn und seine Frau die Runde im Ort gemacht hatte (der TV berichtete). Aus rechtlichen Gründen war jedoch zu diesem Zeitpunkt kein Rückzug aus der Kandidatur mehr möglich. Schuh erklärte daher, auf die Wahl verzichten zu wollen, sollte er eine Mehrheit erhalten. Er wird also de facto als Scheinkandidat auf den Wahlzetteln erscheinen. Schuh selbst hat den Osburgern bereits empfohlen, die Stimme seinem "Gegner" von der FWG zu geben.
Für Rommelfanger, Jahrgang 1961, scheint damit das Amt zum Greifen nahe. Der aus Zerf stammende Kandidat ist gelernter Verwaltungsbeamter des gehobenen Dienstes und als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Trier-Saarburg tätig. Der Vater dreier Söhne im Alter von 26, 20 und 17 Jahren wohnt mit Ehefrau Renate seit 20 Jahren in Osburg. Er gehört seit der Kommunalwahl 2009 dem Ortsgemeinderat an. Die anonyme Schmähblattattacke gegen Gerd Schuh bezeichnete er selbst als "unterste Schublade". Mit Demokratie und Wahlkampf habe dies nichts zu tun, erklärte Rommelfanger am 6. Januar gegenüber dem TV.
Für den Fall seiner Wahl verspricht er einen offenen und ehrlichen Umgang miteinander. Und er lege Wert auf sachorientierte Politik, die nicht durch Parteizwänge gelenkt werde. Allein das Wohl der Bürger und die Weiterentwicklung Osburgs müssten im Vordergrund stehen. "Wichtig ist vor allem, keine Versprechen zu machen, die am Ende nicht eingehalten werden können", sagt der Kandidat. f.k.
Das Wahllokal befindet sich am Sonntag im Gemeindehaus St. Clemens an der Clemensstraße und ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet.