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Wahlkreis 204: Entsetzen bei der Trierer FDP

Wahlkreis 204: Entsetzen bei der Trierer FDP

Die Trierer Liberalen zeigen sich über das Bundesergebnis ihrer Partei enttäuscht - unser Reporter hat Stimmen vor Ort eingesammelt.

17.55 Uhr, Restaurant La Palma hinter dem Stadion in Trier-Nord. FDP-Bundestagskandidat Henrick Meine, natürlich im knallgelben Pulli, ist noch erwartungsfroh. "Ich bereite mich auf die erste Fraktionssitzung morgen früh in Berlin vor", witzelt er, wissend, dass es dafür wohl niemals reichen wird. Um 18 Uhr läuft die ARD-Prognose über einen Großbildschirm. 4,7 Prozent. Die FDP ist raus. "Oh Gott." "Sch..". "Ahh!" "Nein!" - ein einziges großes Aufstöhnen der gut ein Dutzend anwesenden Parteimitglieder. Echte Erschütterung. Der Trierer Parteichef Tobias Schneider schlägt die Hand vor den Mund, wendet sich vom Bildschirm ab.

Sekunden später ein weiteres Aufstöhnen: Der AfD werden 4,9 Prozent prognostiziert. Fassungslosigkeit, die zuvor gelöste Stimmung ist dahin. "An dir lag's nicht", sagt ein FDP-Mitglied und klopft Henrick Meine auf die Schulter. "Das wird sehr eng", sagt Meine. "Wenn sich die Prognose bestätigt, ist das auch für mich persönlich sehr ärgerlich, weil es ja mein erster Auftritt in der Öffentlichkeit war." Meine blickt aber sogleich nach vorn: "Ich habe ja Mandate für die Parteigremien, und wir werden sicherlich darüber reden müssen, wie wir nun reagieren. Man wird über Konsequenzen reden müssen." Er selbst will sich weiter für die FDP engagieren. "Ich bin niemand, der schnell aufgibt. Ich weiß auch mit Niederlagen umzugehen. Die FDP muss sich zusammenrappeln und wieder aufstehen."

Parteichef Tobias Schneider findet das Ergebnis "sehr enttäuschend" und hofft, dass es sich im Laufe des Abends noch nach oben korrigiert. "Wir haben bis zuletzt gekämpft und einen sehr aktiven Wahlkampf in Trier geführt." Bis Samstagnacht habe man für Inhalte geworben. "Ich bin schockiert, dass viele Menschen auf die sehr populistischen Thesen der AfD hereingefallen sind statt auf die Fortsetzung der christlich-liberalen Koalition zu setzen.

Für die Zukunft müssen wir liberale Inhalte wieder mehr nach vorne stellen." Als NRW-Parteichef Christian Lindner am Bildschirm von der "bittersten Stunde der FDP" spricht, gibt es zustimmendes Nicken von Schneider und seinen Parteifreunden.