Wartelisten, wenig Geld und viele Wünsche

Schwimmbad-Träume, Hotel-Pläne, Betrugs-Affäre, Bahnhofs-Glück: Die Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll hat fünf bewegte Jahre hinter sich. Viele Projekte warten noch auf ihre Umsetzung. Die finanzschwache VG ist mehr denn je abhängig von Fördertöpfen.

Jünkerath. (sn) Viele Themen beschäftigten den VG-Rat an der Oberen Kyll in den vergangenen fünf Jahren. Rückblickend kann man sagen, dass es keine leichten Jahre waren. Stark gebeutelt wurde die schon immer finanzschwache VG von der Betrugsaffäre, die im Mai 2007 aufgedeckt wurde. Der ehemalige Kämmerer unterschlug innerhalb von 13 Jahren 2,53 Millionen Euro. Mehrere Gutachten versuchten, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch Vergehen seitens der Verwaltung konnten nicht aufgedeckt werden. Um sich den Vorwürfen zu stellen und eine offizielle Entlastung vom Verdacht eines Dienstvergehens zu bekommen, strengte Bürgermeister Werner Arenz Mitte Januar 2008 ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst an. Das Ergebnis steht immer noch aus.

Die an chronischer Unterfinanzierung leidende VG kam auch in anderen Projekten nicht weiter: Seit Dezember 2003 warten die Stadtkyller auf die Modernisierung ihres Waldfreibades. Obwohl das marode Schwimmbad auf Platz eins der Prioritätenliste der Großprojekte des Vulkaneifelkreises steht, ging es jüngst wieder leer aus, als Geld aus dem Konjunkturpaket II verteilt wurde. Stattdessen wurde das Dauner Bad gefördert.

Eine weitere bittere Pille, die es jedes Jahr zu schlucken gilt, ist das Dahinsiechen der Zentralsportanlage in Jünkerath. Diese wurde vor 30 Jahren gebaut. Mittlerweile wurde ein neues Kleinspielfeld angelegt sowie Anlagen für Weitsprung und Kugelstoßen erneuert. Nicht saniert wurden der große Fußball-Hartplatz und die 400-Meter-Laufbahn drumherum. Beide befinden sich im katastrophalen Zustand. Auch die Zentralsportanlage stand auf der Wunschliste für das Konjunkturprogramm II, ging jedoch ebenfalls leer aus.

Ausgebucht ist seit Mai 2009 das Gewerbegebiet in Stadtkyll. Die Firma Backes Bau hat alle Flächen gekauft. Das Unternehmen plant, in Stadtkyll weitere Geschäftsbereiche anzusiedeln und seine Zentrale ebenfalls dorthin zu verlegen.

Positive Entwicklung für Gewerbegebiet und Bahnhof



Gute Nachrichten gab es auch für den Bahnhof in Jünkerath: Dort unterzeichnete Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) einen Kooperationsvertrag zwischen der Deutschen Bahn, dem rheinland-pfälzischen Innenministerium und der Gemeinde Jünkerath. Nun soll der Bahnhof nach der Konversion wieder zum Markenzeichen werden.

Bei zwei Enthaltungen stimmte der VG-Rat im Februar 2009 für die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule an zwei Standorten: Jünkerath und Hillesheim. Eine Entscheidung, die manches Ratsmitglied mit Wehmut traf. Denn die Graf-Salentin-Schule genießt einen ausgezeichneten Ruf. Doch die demografische Entwicklung lässt befürchten, dass der Schulstandort ohne Zusammenschluss nicht zu halten sein wird. Die Zustimmung aus Mainz steht jedoch noch aus.

Noch nicht gesichert ist die Finanzierung eines niederländischen Investors, der das Hotel in Stadtkyll wieder zum Leben erwecken möchte. Dieses blickt auf eine 17-jährige, nicht immer schöne Geschichte zurück. Das Haus mit seinen 90 Appartements und dem bereits stillgelegten Freizeitbad "Vulkamar" meldete drei Mal Insolvenz an.

Nicht zu lange warten sollte der zukünftige VG-Bürgermeister und Rat mit ihrer Entscheidung, ob die VG Obere Kyll mit einer anderen VG fusioniert. Ginge es nach dem Willen der Landesregierung, wird es in fünf Jahren keine eigenständige VG Obere Kyll mehr geben. Bis Ende 2012 sind die kleinen Verbandsgemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern dazu "angehalten", freiwillig zu fusionieren.

Es bleibt spannend in den kommenden fünf Jahren an der Oberen Kyll. Fünf Fragen an drei Kandidaten für das Amt des VG-Bürgermeisters auf Seite 8.

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