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Wenn Alt-Filsch auf Neu-Filsch trifft

Wenn Alt-Filsch auf Neu-Filsch trifft

Durch zwei große Baugebiete steigt Filschs Einwohnerzahl bis 2020 um mehr als 100 Prozent. Bei einem Besuch vor Ort wird deutlich, dass viele Filscher jedoch bezweifeln, dass Neu- und Alt-Filsch zusammenwachsen werden.

Trier. Hinten, ganz hinten am Horizont, da liegt das eigentliche Filsch. Das ursprüngliche Dorf mit seinen rund 800 Einwohnern. Nikolaus-Alexander Berg hat dafür gerade allerdings überhaupt keinen Blick übrig. Er ist beschäftigt. Berg baut gerade ein Haus für seine Familie und sich. Am Montagmorgen um 10.30 Uhr werkelt er an der Kellerdecke. "Die soll bis zum Winter fertig sein", sagt Berg.
Sein Bauplatz liegt im Baugebiet BU 13, das offiziell auch zu Filsch gehört. Neu-Filsch sozusagen. Sobald sein Haus steht, ist Berg also ein Filscher, oder etwa nicht? "Wenn ich ganz ehrlich bin", gesteht der Bauherr, "glaube ich nicht, dass man hier im Neubaugebiet viel mit den alteingesessenen Filschern zu tun haben wird."
Dafür liege das Baugebiet BU 13 wie auch BU 14 räumlich zu weit von Filsch entfernt. Berg hat vorher in Mehring gewohnt. Aufgewachsen ist er in Tarforst. "Ich kenne mich hier oben gut aus", sagt er. "Da ich in Trier arbeite und die Anbindung hier oben richtig gut ist, habe ich mich dazu entschieden, hier zu bauen." Bis 2015, so hofft er, soll sein Häuschen fertig sein. "Das ist der Plan."
Ein paar Hundert Meter weiter am Ortseingang von Alt-Filsch wird auch gewerkelt. Rudolf Zock und Helmut Simon reparieren gemeinsam das Garagentor. Wind und Wetter haben dem Holz stark zugesetzt. Auf das Neubaugebiet angesprochen, winkt Rudolf Zock ab. "Das Baugebiet gehört doch eher zu Tarforst. Das hat mit Filsch nichts zu tun." Er habe nicht die Hoffnung, dass Alt- und Neu-Filsch jemals zusammenwachsen werden. Ohnehin sei es für Zugezogene in Filsch sehr schwer, Anschluss an die Dorfgemeinschaft zu finden. "Ich wohne seit 40 Jahren in Filsch. Viel Kontakt zu Filschern habe ich allerdings nicht. Meine Heimat ist und bleibt das Trierer Maarviertel", betont Zock.
Im Moment sind die Alt-Filscher noch in der Mehrheit. Bis 2020 wird sich das allerdings ändern. Dann sollen in beiden Orten zusammen 2000 Einwohner leben. 800 im alten, 1200 im neuen Teil. "In Alt-Filsch herrscht teilweise die Angst vor, die Neu-Bürger könnten den Alt-Eingesessenen den Rang ablaufen", sagt Filschs Ortsvorsteher Karl-Josef Gilles. "Mein Ziel ist es, die Neu-Filscher zu integrieren, damit beide Teile eine Einheit bilden."
Allerdings wisse er nicht, wie groß die Bereitschaft auf beiden Seiten sei, aufeinander zuzugehen. Gilles gibt zu: "Ich bin skeptisch, ob das wirklich klappen wird." Er habe bereits versucht, Neu-Filscher dazu zu bewegen, sich im Ortsbeirat zu engagieren. "Wir müssen sehen, ob sich Neu-Filsch dann am Ende in Richtung des alten Ortskerns entwickelt oder doch eher zu einem eigenen Stadtteil." Das kann auch Nikolaus-Alexander Berg heute noch nicht sagen. Im Moment hat er sowieso noch andere Sorgen: Die Kellerdecke muss fertig werden. "Alles andere wird man dann sehen", sagt der Bauherr.
Lesen Sie morgen in der TV-Stadtteiltour, was TV-Redakteur Dieter Lintz bei einem Spaziergang durch Filsch aufgefallen ist.