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Wir packen unsere Koffer für Berlin

Wir packen unsere Koffer für Berlin

Bei beiden ist die Sache knapp gewesen, aber sie haben es geschafft: Mit Corinna Rüffer (Grüne) und Katarina Barley (SPD) ziehen neben Katrin Werner (Linke, seit 2009 Bundestagsabgeordnete) zwei weitere Frauen aus der Region ins Bundesparlament ein.

Trier. Bevor sie ihren Koffer für die ersten Tage als Abgeordnete in Berlin packen kann, muss Katarina Barley schnell noch ein paar Blusen in die Waschmaschine stecken. "Und bügeln!", sagt die 44-Jährige. Am Montagabend geht es dann mit dem Nachtzug von Saarbrücken nach Berlin. "Von Trier gibt es ja leider keine direkte Verbindung mehr", sagt Barley. Die gebügelten Blusen kommen am Dienstag zum Einsatz. "Erst kommen alte und neue Fraktion zusammen, am Abend gibt es dann ein geselliges Treffen", erzählt die promovierte Juristin, wie ihr erster Tag in der Hauptstadt aussehen wird.Bundestagswahl 2013


Übernachten wird sie in Berlin anfangs bei alten Studienfreunden. Die haben ein großes Haus im Villenbezirk Lichterfelde. "Und eine vierjährige Tochter und dann noch jüngere Drillinge", sagt Barley. Dass der Feierabend nach den anstrengenden ersten Tagen im Parlament bei so vielen Kleinkindern wohl nicht so ganz ruhig ausfallen dürfte, macht ihr nichts aus. "Ich liebe Kinder", sagt die Mutter zweier Söhne (neun und 17 Jahre).
Nicht nur ihre Familie - Barley ist geschieden und lebt zusammen mit ihrem Partner in Schweich - und das Bundestagsmandat muss sie unter einen Hut bekommen, sondern zumindest anfangs auch noch ihren bisherigen Job, eine Halbtagsstelle im Mainzer Justizministerium. Erst, wenn das amtliche Endergebnis der Wahl festgestellt ist - voraussichtlich um den 9. Oktober - endet dieser. "Bis dahin muss ich weiterhin mittwochs bis samstags in Mainz arbeiten." Dass ihr die parlamentarischen Abläufe aus ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Landtagsfraktion bekannt sind, dürfte die Dreifachbelastung einfacher machen. "Obwohl das in Berlin natürlich alles eine Nummer größer ist!", sagt die SPDlerin.
Auch Corinna Rüffer ist am Montagabend per Nachtzug von Saarbrücken nach Berlin gefahren. Dass sie es vom Landeslistenplatz drei in den Bundestag geschafft hat, hatte ihr die Landesgeschäftsstelle der Grünen erst tief in der Nacht schriftlich bestätigt. "Um vier Uhr hab ich diese SMS gelesen - bis dahin hatte ich noch nicht geschlafen", sagt die 37-Jährige. Am Montagmorgen war es mit dem Feiern dann erstmal vorbei. Die grünen Spitzenpolitiker des Landes trafen sich in Mainz zu einer ersten Analyse des Wahlergebnisses. "Und um unser desaströses Ergebnis wird es auch am Dienstag beim ersten Treffen der neuen Fraktion in Berlin gehen", ist sich Rüffer sicher. Die Bundesparteispitze hatte am Montag ihren Rückzug angekündigt. "Es geht aber gar nicht um Schuldzuweisungen an Einzelne, wir müssen vielmehr ruhig und sachlich analysieren und gemeinsam nach vorne schauen." Wohnen wird die neue Parlamentarierin in Berlin erstmal ebenfalls bei Bekannten, nämlich bei der ehemaligen rheinland-pfälzischen Landespolitikerin Friedel Grützmacher. "Eine sehr gute Freundin und meine politische Mentorin", freut sich Corinna Rüffer auf das Wiedersehen.
Auch sie muss ihren neuen Job mit ihrer Familie unter einen Hut bringen. Die Mutter einer zweijährigen Tochter lebt mit ihrem Partner in Trier-Euren. Ab Oktober beginnt für den Professor der Mathematik allerdings wieder der Job an einer Uni in England. "Die Wochen, die ich dann nicht in Trier sein kann, kommt Marlenes Oma und wir haben auch einen sehr guten Kindermann gefunden, der die Kleine betreut", sagt Rüffer.
Parteitreffen in Mainz, Interviews mit Zeitungen, Radio und Fernsehen, die Reise nach Berlin organisieren - zum Taschepacken ist Corinna Rüffer bis zum späten Montagnachmittag noch nicht gekommen. "Und zum Waschen und Bügeln habe ich jetzt auch keine Zeit mehr - da muss halt für die erste Reise nach Berlin in den Koffer, was noch so im Schrank ist."