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"Wir setzen die Kirche wieder zusammen"

"Wir setzen die Kirche wieder zusammen"

Die Räte diskutieren darüber, und auch in den Messen wird der Missbrauch immer wieder thematisiert. Trotzdem sollte die Debatte die Heilig-Rock-Tage nicht bestimmen. Das ist die mehrheitliche Meinung der Besucher.

Trier. (hsc) Große Puzzlestücke aus Holz liegen auf dem Boden. "Lückenlose Strafverfolgung" oder "Aufbrechen der veralteten Strukturen" ist auf zwei von ihnen zu lesen. Andere warten noch darauf beschrieben zu werden. Daneben steht auf einem Plakat: "Wir flicken die Kirche wieder zusammen - aber ganz anders als vor der Krise."

Die Katholische Studierende Jugend Trier hat während der Heilig-Rock-Tage mit dieser Aktion und passenden Flyern auf den Missbrauchsskandal aufmerksam gemacht. "Die Menschen können Wünsche an eine neue Kirche aufschreiben", erläutert Jutta Lehnert das Vorhaben. Denn die Kirche richte sich gerade selbst zugrunde. Deshalb müsse das Thema auch beim sogenannten Jugendevent eine Rolle spielen.

Bischof Stephan Ackermann lässt das Thema nicht aus, sondern spricht den Missbrauchsskandal in seinen Reden an. "Die Kirche ist nicht nur eine der Heiligen, sondern auch der Sünder. Umso wichtiger ist es, dass ihr euch einbringt, dass ihr mithelft, für Gerechtigkeit zu sorgen", wendet Ackermann sich an die mehr als 1500 Jugendlichen bei der Jugendmesse. Und im Gottesdienst für die Ehrenamtlichen im Bistum Trier sagt er: "Ich kann mir vorstellen, dass auch sie, nicht nur die Bischöfe, in den vergangenen Wochen Rede und Antwort stehen mussten."

Lisa Lück ist froh, dass der Skandal auch während der Heilig-Rock-Tage besprochen wird. "Man wird ja auch gefragt: Warum machst du denn da mit?", erzählt die Pfarrgemeinderätin aus Linz. Der Skandal solle aber nicht zum zentralen Thema der Feier werden, ist sich die Mehrheit der Besucher einig. "Gerade Kinder und Jugendliche werden sonst abgeschreckt", sagt Marco Finé. Die Heilig-Rock-Tage können dem Skandal aber auch etwas entgegensetzen, glaubt Susanne Zengerly: "Es sind so viele Jugendliche da, die mit Gott feiern."