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Ziel: Durchstarten in der zweiten Wahlperiode

Schach ist immer noch ihr Hobby: Die Linken-Bundestagsabgeordnete und Stadträtin Katrin Werner gehört der SG Trier-Süd an. Diese Aufnahme entstand im heimischen Wohnzimmer in der Trierer Altstadt. TV-Foto: Roland Morgen
Schach ist immer noch ihr Hobby: Die Linken-Bundestagsabgeordnete und Stadträtin Katrin Werner gehört der SG Trier-Süd an. Diese Aufnahme entstand im heimischen Wohnzimmer in der Trierer Altstadt. TV-Foto: Roland Morgen
Trier. Vor vier Jahren ist Katrin Werner eher überraschend in den Bundestag eingezogen. Nach anfänglichem "Bammel" hat sich die jetzt 40-jährige Linke nach eigenem Bekunden gut in den Parlamentsbetrieb eingelebt und peilt ihre zweite Wahlperiode an - "um auf dem bisher Geleisteten aufzubauen und durchzustarten." Roland Morgen

Trier. In Kürschners Volkshandbuch zur 17. Bundestags-Wahlperiode (2009 bis 2013) nimmt Katrin Werner eine besondere Stellung ein. Ihre Kurzvita umfasst viereinviertel Zeilen. So wenig wie bei keinem anderen der insgesamt 620 Abgeordneten. Ihr Nürnberger Parteigenosse Harald Weinberg etwa, ebenfalls seit 2009 im Parlament, bringt es in der Auflistung von Familienstand, Funktionen und Ämtern auf 23 Zeilen und rangiert damit in der Spitzengruppe und weit vor "alten Hasen" wie Angela Merkel (17 Zeilen). Damit konfrontiert, lacht Katrin Werner: "Ich bin eben Proletarierin reinsten Wassers - und schon deshalb eine gute Volksvertreterin."
Ersteres ist nicht mal kokettiert, denn nur die wenigsten Bundesparlamentarier haben ein Vorleben als Beschäftigte/r im Einzelhandel. Woraus Katrin Werner Zweiteres folgert: "Ich engagierte mich unter anderem für einen fairen Mindestlohn, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie existenziell wichtig das ist." Leider sei solche Lebenserfahrung an den Schaltstellen der Politik Mangelware: "Wenn jeder Abgeordnete wüsste, wie es ist, von Hartz IV leben zu müssen, dann würde es in Deutschland gerechter zugehen."
Ihren Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit in der Republik will Katrin Werner weiterhin im Bundestag leisten: "Anfangs hatte ich großen Bammel vor dem Parlamentsbetrieb und Auftritten am Rednerpult. Aber nach ein, zwei Jahren hatte ich mich gut eingelebt." Und Blut geleckt: "Ich habe viele Dinge und Projekte begonnen, die ich weiterführen möchte." Zum Beispiel ihre Praktikumstage. Die 40-Jährige arbeitet in Betrieben mit: "Mir ist es wichtig, direkt vor Ort mit den Menschen zu sprechen und dort zu erfahren, wie es ihnen geht und wo Politik helfen kann." Der persönliche Nutzen für sie: "Ich weiß anschließend, wovon und über wen ich rede. Und ich erhalte meine Bodenständigkeit."
"Abhebegefahr" im Sinne von "Ich mach mir jetzt ein schönes Privilegiertenleben" habe aber nie bestanden, versichert die zur Volksvertreterin avancierte Ex-Einzelhandelskauffrau. Dennoch hat sich in der zu Ende gehenden Legislaturperiode einiges in ihrem Leben verändert: "Ich bin seit zwei Jahren alleinerziehende Mutter." Ihre Tochter Hannah Sophie, die am 19. September sechsten Geburtstag feiert, hält sie aber weitgehend aus dem Politiker-Leben heraus: "Privatsphäre muss sein." Während der Sitzungswochen hütet Katrin Werners Mutter Rita (61) die Enkelin. So soll es auch in "mindestens" den nächsten vier Jahren sein: "Ich will erneut in den Bundestag, um auf dem bisher Geleisteten aufzubauen und durchzustarten", kündigt Katrin Werner, die seit 2009 auch dem Trierer Stadtrat angehört, an.
Schon in der nächsten Ausgabe von Kürschners Volkshandbuch zum Deutschen Bundestag werde ihre Vita "etwas umfangreicher" ausfallen als vier Jahre zuvor, versicherte Triers Oberlinke augenzwinkernd und fügt hinzu: "Die authentische Proletarierin werde ich weiterhin bleiben."Extra

Die Linke/Trier-Trier-Saarburg hat im März Katrin Werner einstimmig als Bundestagskandidatin nominiert. Auf der Landesliste ihrer Partei rangiert die 40-ährige Triere-rin auf Platz zwei. Sollte die Linke am 22. September in Rheinland-Pfalz mehr als 4,5 Prozent der Stimmen erhalten, dürfte Katrin Werners erneuter Einzug ins Parlament gesichert sein. 2009 schaffte sie es als Dittplatzierte auf der Landesliste knapp nach Berlin. Im Wahlkreis hatte sie 8,6 Prozent der Erststimmen erhalten. Der Zweitstimmenanteil der Linken betrug damals 9,6 Prozent. rm.Extra

Der Bundestags-Wahlkreis 204 umfasst die Stadt Trier und den Kreis Trier-Saarburg. Bei der Wahl 2009 wurde bei insgesamt 191 696 Wahlberechtigten eine Wahlbeteiligung von 72,2 Prozent verzeichnet. Im Bundesdurchschnitt lag sie bei 70,8 Prozent.

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