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Macher Das plant Trier in und nach der Krise

Die Corona-Krise hat viele Probleme verstärkt. Doch es gibt Auswege, wie Norbert Käthler, Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm), im Interview mit Heribert Waschbüsch findet. Er erklärt, wie man durch Vernetzung mit lokalen Partnern und Akteuren gestärkt aus der Krise kommen kann.

Trier aus der Vogelperspektive. Foto: Portflug

Die Corona-Krise beutelt die Tourismusbranche. Wie kommt die Stadt Trier bisher durch die Krise?Käthler: Mit dieser Frage beschäftigen wir uns gerade jeden Tag neu. Grundsätzlich ist der Tourismus eine der Branchen, die hart getroffen wurde. Trier hat sich aber im Vergleich zu anderen Regionen im Sommer relativ gut entwickelt. Was auch daran liegt, dass wir in Trier nicht alles abgesagt haben, sondern genau das angeboten haben, was möglich war. Es gab trotz Corona sogar neue Entwicklungen wie den Moselstrand und das Riesenrad. Die ttm hat es gemeinsam mit ihren Partnern und der Unterstützung der Stadt Trier geschafft, Trier für den Deutschlandtourismus interessant zu machen. 

Die Corona-Krise hat viele Probleme verstärkt. Doch es gibt Auswege, wie Norbert Käthler, Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm), im Interview mit Heribert Waschbüsch findet. Er erklärt, wie man durch Vernetzung mit lokalen Partnern und Akteuren gestärkt aus der Krise kommen kann.

Irgendwann ist die Krise, hoffentlich früher als später, vorbei. Was hat Trier im Vergleich zu anderen Städten zu bieten, was ist einzigartig?

Käthler: Mit den erhaltenen Welterbebauten kann man 2000 Jahre alte Geschichte authentisch erleben. Und zwar nicht nur in Ruinen, sondern zum Teil in original erhaltenen Stätten. Dazu kommt die Kombination aus einzigartiger Landschaft und weltweit geschätztem Wein. Diese drei Themen zeichnen Trier aus.

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Norbert Käthler ist seit 2017 Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing Gmbh (ttm). Die ttm ist in Trier für Stadtmarketing, Veranstaltungen und Tourismus zuständig. Seit über 10 Jahren vertritt der ttm-Chef im Vorstand der Bundesvereingung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. die Interessen der Innenstädte. Foto: Trier Tourismus und Marketing GmbH

Sind diese Aspekte schon gut ausgespielt? Was würden Sie gerne ändern und verbessern?

Käthler: Für Trier wird es darum gehen, auch für jüngere Zielgruppen attraktiv zu bleiben. Zusätzlich zu unseren erfolgreichen Stadtführungen werden wir digitale Erlebnisse schaffen, die bislang Unsichtbares sichtbar machen. Wir planen eine virtuelle Zeitreise, bei der man Trier in den verschiedenen Epochen erleben kann. Das ist interessant für Touristen und die Menschen, die hier wohnen.

Der Aktivtourismus wird für Trier immer wichtiger. Und da ist es zentral, die Fahrradinfrastruktur deutlich zu verbessern. Trier hat in diesem Bereich in den letzten Jahren schon zugelegt, denn in Zeiten von E-Bikes ist die Topografie kein so großer Faktor mehr. Hier bieten sich noch viele Chancen, nicht nur für den Tourismus.

Und der Wein könnte eine noch größere Rolle spielen. Trier ist Moselweinhauptstadt. Es ist wichtig, dieses Thema noch stärker in der Stadt zu verorten. Bis jetzt bieten wir verschieden Formate an, wie Wein erlebt werden kann: Kellerführungen, Weinwanderungen, Weinverkostungen. Alle, die daran mitwirken, sind sich einig, dass hier noch großes Potential liegt.

Trier lebt ja bei weitem nicht nur von alten Gemäuern. Das Erlebnis „Stadt“ braucht viele Partner, um bei Besuchern zu punkten. Wie bewerten Sie das kulturelle Angebot, die Gastronomie, die Attraktivität der Geschäfte?

Käthler: Trier ist zunächst einmal Kulturstadt. Das klingt so selbstverständlich, ist aber eine ganz wichtige Botschaft. Wir leben vom Städte- und Kulturtourismus. Neben der Kultur spielt auch der Handel eine große Rolle für den Tourismus. Die Attraktivität des Handels lebt von den individuellen inhabergeführten Geschäften. Das gilt auch für die Gastronomie. Im Vergleich zu anderen Städten ist Trier da noch sehr gut aufgestellt.
 

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Die Porta Nigra ist das Wahrzeichen der Stadt Trier. Foto: dpa

Die City-Initiative Trier hat Anfang April in einem offenen Brief an den Stadtvorstand Maßnahmen zur touristischen Vermarktung ins Gespräch gebracht, zum Beispiel einen „Bonus für Wiederholungstäter“ und eine eigene Trierer Währung, die Touristen als „Willkommensgeld“ bei jedem Übernachtungsaufenthalt erhalten könnten. Was halten Sie davon?

Käthler: Es gibt Städte, die mit Lokalwährungen sehr erfolgreich sind. Die ttm wäre auf jeden Fall als Partner dabei und ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Projekt umgesetzt werden würde. Die Zukunft der Innenstadt ist ein Kernthema, das uns alle betrifft: die Gastronomie, den Handel, Hotellerie, Dienstleister, Kulturschaffende. Wenn alle an einem Strang ziehen, können wir viel bewegen.

Trier ist eingebettet in Regionen, die mit Wandern und Fahrradtouren werben, Naturerlebnisse bieten, wunderbare Weinlandschaften und Genusserlebnisse anpreisen. Es gibt die Regionalmarke Eifel, die Initiative Faszination Mosel, oder auch „Ebbes von Hei“ im Hunsrück. Und auch Luxemburg betreibt ein engagiertes Marketing. Wie positioniert sich hier die Stadt Trier? Wie ist die Zusammenarbeit? Können Sie voneinander profitieren oder ist man Konkurrent?

Käthler: Natürlich gibt es eine gewisse Konkurrenz zwischen den Bundesländern aber sicher nicht zwischen Trier und der Region. Ganz im Gegenteil, wir profitieren davon, wenn die Region erfolgreich ist und umgekehrt. Deshalb kommunizieren wir zum Beispiel auf unserer Webseite www.trier-info.de nicht nur Trier und unsere eigenen Angebote, sondern auch Wasserskifahren in Riol oder Rundflüge ab Föhren. Denn für die Gäste ist es völlig irrelevant, ob sie sich in den Stadtgrenzen von Trier befinden oder außerhalb. Wir verkaufen Pauschalen mit Ausflügen an die Mittelmosel, nach Luxemburg oder in die anderen Quattropole-Städte. Und das ist gefragt. Ich nehme durchaus auch wahr, dass in der aktuellen Krise erkannt wurde, dass es mehr regionale Zusammenarbeit braucht. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Mosel eine eigene Kampagne für den Sommer auf den Weg bringt. Und es ist gut zu sehen, dass zumindest in diesem Sommer Rheinland-Pfalz das einzige Bundesland war, das steigende Übernachtungszahlen hatte. Mit der Mosel an erster Stelle.
 

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Stand-Up-Paddling auf der Mosel. Foto: Trier Tourismus und Marketing GmbH

Stadtmarketing bedeutet für Sie ja nicht einfach nur Touristen in die Stadt zu locken. Es geht um eine attraktive Stadt, die für ihre Bürger interessant ist, aber auch darum als Stadt der Zukunft, als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort zu punkten. Wie sehen Sie Trier aufgestellt? Was sind hier ihre Pläne?

Käthler: Der Wettbewerb unter den Städten hat deutlich zugenommen. Um da mitzuspielen, muss man die Stadt als Ganzes denken. Deswegen ist es sinnvoll, die Ansprache der BürgerInnnen, der Gäste, der Studierenden, der Touristen und Unternehmen übergreifend zu gestalten. Das bedeutet eine enge Abstimmung zwischen den einzelnen Ämtern und Bereichen.

Nehmen Sie zum Beispiel den neuen Auftritt der Stadt Trier. Er wurde gemeinsam von ttm und Stadt entwickelt und wird jetzt von allen Akteuren der Stadt eingesetzt. Es ist bemerkenswert, dass es nun zum ersten Mal ein umfassendes Corporate Design für die Stadt gibt – und somit einheitliches Erscheinungsbild für die Stadt und den Tourismus.

Oder nehmen Sie die Aktion „studier-in-trier“: Die Hochschulen, das Studierendenwerk und die Stadt Trier haben gemeinsam die Grundlagen geschaffen, die Stadt als Studienort zu bewerben. Das ist nur ein erster Schritt. Insgesamt sind die wissenschaftlichen Einrichtungen in ihren weitreichenden Auswirkungen für Trier noch nicht ausreichend verstanden worden. Denn sie machen die Stadt jünger, bringen Fachkräfte und neue Ideen in die Stadt.

Momentan hat man das Gefühl, die Stadt verliert, nicht nur wegen Corona, an Attraktivität. Zahlreiche Leerstände, nun das Aus für Karstadt, einem Großen, aber auch das Aus fürs Weinsinng, eher klein, aber mit Wirkung. Haben Sie Rezepte gegen diesen Trend?

Käthler: Mal ehrlich, wir befinden uns seit zehn Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Es gibt nicht erst seit Corona einen starken Trend zum Online-Handel. Die Filialisierung und Austauschbarkeit in Handel und Gastronomie betrifft alle Innenstädte. Das ist kein Trierer Phänomen, sondern lässt sich bundesweit beobachten. Leider gibt es keine einfachen Lösungen, aber einige Trends sind erkennbar. Man muss neben dem Einkaufen neue Themen und Funktionen setzen. Die Innenstadt der Zukunft wird nicht mehr nur Handelsplatz sein, sondern auch wieder mehr Wohnquartier, Ort für Bildung, Gastronomie und Freizeit. Dafür werden auch Flächen neu genutzt werden. Zum Teil liegt da die Verantwortung auf Bundesebene. Es müssen rechtliche Grundlagen geschaffen werden, damit Leerstand nicht steuerlich belohnt wird. Kurzfristig muss man vor Ort mit Maßnahmen arbeiten wie Pop-Up-Konzepte, temporäre Schaufenstergestaltung, Förderung von lokalen Initiativen. Man muss unbeirrt die lokalen Stärken stärken. Ich bin auch sehr gerne ins Weinsinnig gegangen und ich kann Ihnen versichern, dass ich alles dafür tun werde, dass solche individuellen Gastronomien in Trier weiterhin ein gutes Umfeld geboten bekommen.
   

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