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ERBEN UND VERERBEN Vererben oder vermachen: Wo liegt der Unterschied?

Foto: stock.adobe.com
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Zwei Wörter, die für Laien oft das Gleiche bedeuten: vererben und vermachen. Doch rechtlich gesehen verstecken sich dahinter zwei grundverschiedene Begriffe.

„Der Alleinerbe hat gegenüber dem Vermächtnisnehmer eine stärkere Position“, sagt Ansgar Beckervordersandfort, Notar und Fachanwalt für Erbrecht. Laut dem Prinzip der Gesamtrechtsfolge gehe das Vermögen des Erblassers, also des Verstorbenen, erst mal als Ganzes auf einen oder mehrere Erben über, erklärt Johannes Hochmuth, Fachanwalt für Erbrecht.

„Der Erbe tritt mit dem Tod des Erblassers unmittelbar und sofort in dessen gesamte Rechte und Pflichten ein.“ Immobilien, Konten, Gesellschaftsbeteiligungen, aber auch Verbindlichkeiten und sämtliche Vertragsverhältnisse gehen in der Sekunde des Todes auf den Erben über. Der Verstorbene kann allerdings durch eine letztwillige Verfügung, also durch ein Testament oder einen Erbvertrag, einzelne Vermögensgegenstände wie zum Beispiel ein Bankguthaben oder ein Grundstück einer anderen Person als dem Erben zuschreiben.

„Der Begünstigte, also der sogenannte Vermächtnisnehmer, ist dann zwar kein Rechtsnachfolger wie der Erbe“, sagt Hochmuth. Er könne aber von dem Erben die Herausgabe des Gegenstands verlangen. Denn als Vermächtnisnehmer erhalte er lediglich einen schuldrechtlichen Anspruch gegenüber dem Erben auf Übertragung des Vermächtnisgegenstands, sagt Beckervordersandfort. Der Vorteil des Erbens: Als Gesamtrechtsnachfolger erhält der Erbe automatisch alles und muss nur nachweisen, dass er Erbe ist. Seine Erbenposition könne er entweder durch einen Erbschein oder ein notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts nachweisen. Als Nachteil könnte sich die Position des Erbnehmers allerdings dann erweisen, wenn es mehrere Erben gibt. Denn in der Praxis entpuppen sich solche Erbengemeinschaften häufig als streitanfällig. 

Der Vorteil des Vermächtnisnehmers ist, dass er seinen Anspruch einfach gegen den oder die Erben geltend machen kann, ohne selbst Mitglied der Erbengemeinschaft zu werden. Anders als der Erbe hat er aber eben keinen unmittelbaren Zugriff auf die Nachlassgegenstände und muss die Herausgabe des Vermächtnisgegenstands erst verlangen. Um dem oder den Erben die Abwicklung des Nachlasses zu erleichtern und möglichen Erbstreitigkeiten vorzubeugen, kann der Erblasser auch eine Testamentsvollstreckung anordnen.

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