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Tradition und Zeitgeist verknüpft

Führen das Werk von Geschäftsgründerin Käthe Faber weiter (von links): Ingrid Moers, Christoph Moers und Karin Wagner.Foto: Cordula Fischer
Führen das Werk von Geschäftsgründerin Käthe Faber weiter (von links): Ingrid Moers, Christoph Moers und Karin Wagner.Foto: Cordula Fischer
TRIER. Selbstbewusst ist sie gewesen und von Anfang an eine tüchtige Geschäftsfrau. Vor 75 Jahren hat Käthe Faber zunächst in der Fleischstraße ihr Woll- und Handarbeitsgeschäft gegründet. Heute führen ihre Töchter und der Enkelsohn den Traditionsbetrieb weiter. ARRAY(0xda3ec2c0)

Geschäftsgründerin Käthe Faber "hatte schon immer Spaß am Handarbeiten und an Wolle. Sie war sehr kreativ", erinnert sich ihre Tochter Ingrid Moers. Sie besuchte, nachdem sie die Schule mit der mittleren Reife abgeschlossen hatte, die Trierer Kunstgewerbeschule. Bereits im Alter von 22 Jahren eröffnete sie ihr eigenes Geschäft. Fast bis zur Evakuierung 1944, während des Zweiten Weltkrieges, betrieb sie unter Schwierigkeiten den Handel mit Wolle und Handarbeitsartikeln. "Damals war es schwierig an Ware zu kommen. Als ein Zug mit einer Ladung Wolle entgleiste, wurde geplündert, und in Trier kam nichts mehr an", sagt die heutige Geschäftsinhaberin Ingrid Moers.Mit Willensstärke zum Erfolg

Nach 1945 war das ehemalige Ladenlokal völlig zerstört, doch Käthe Faber gab nicht auf. In ihrer Wohnung begann sie erneut mit dem Handel und baute sich wieder einen Kundenstamm auf. Auch ihren Ehemann, der Vertreter in der Textilbranche war, lernte sie so kennen. 1950 mietete sie sich wieder separate Geschäftsräume an. Bis heutebefindet sich das Woll- und Handarbeitsfachgeschäft in der Brotstraße 46. Eine Hausangestellte kümmerte sich um den Haushalt, damit die berufstätige Frau den ganzen Tag hinter der Ladentheke stehen konnte. "Macht keine Experimente, hat sie uns immer gesagt", erinnern sich ihre Töchter Ingrid Moers und Karin Wagner. Schon früh waren die beiden Mädchen mit dem Geschäft der Mutter vertraut, machten beide eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. "Selbst an ihrem Todestag im Jahr 1979 hatte unsere Mutter noch bis 19 Uhr im Laden gestanden - dann starb sie", bestätigt Ingrid Moers den unternehmerischen Geist der Mutter. Für die beiden Töchter war klar, dass sie den Betrieb weiterführen wollten. Den Namen "Käthe Faber" haben sie beibehalten, auf die Tradition vertraut und sich an den Rat der Mutter erinnert, der Linie treu zu bleiben. Heute ist mit Christoph Moers bereits die dritte Generation in das Geschäft eingestiegen. Käthe Fabers Enkel brachte als Geschäftsführer zwar neuen Wind in die Marketingstrategien, hält aber weiter am Grundprinzip fest. Der Spagat zwischen Tradition und moderner Geschäftsführung scheint dem 37-Jährigen zu gelingen, denn das Sortiment ist fast immer noch das gleiche wie zu Käthe Fabers Anfängen, wird aber zeitgemäß im Laden, in Schaufenstern und auch im Internet präsentiert. Die Ladenöffnungszeiten sind kundenfreundlich ausgeweitet worden, ein neues Logo wirbt in der Fußgängerzone für den Traditionsbetrieb. "Ich habe eine behutsame Erneuerung versucht, damit die Kunden sich weiter wohl fühlen und die Atmosphäre des Familienbetriebs erhalten bleibt", sagt der junge Geschäftsführer. Man brauche zwar viel Idealismus, aber nur durch persönlichen Einsatz und Qualität könne man sich heute auf dem Markt behaupten. Neben modischen und hochwertigen Wollen und Garnen vertreibt das Trio auch Tischdecken, Stofftaschen und Handarbeitsutensilien.