Trier immer im Hinterkopf

Trier immer im Hinterkopf

BERLIN/TRIER. Der Trierer Künstler Michael Kiessling hat sich in Berlin mit seiner Bar-Revue "Bukowski ist tot - aber ich habe ihn gut erkannt" einen Namen gemacht. Die neue Version mit der Schauspielerin Marie Gruber ist vor wenigen Tagen auf CD erschienen.

Auch wenn Michael Kiessling seinen Hauptwohnsitz schon vor Jahren nach Berlin verlegt hat: Die Pizza-Karte im Astarix kennt er immer noch auswendig. Und wenn die Zeit es erlaubt, schaut er regelmäßig in Trier bei der Familie und bei Bruder Thomas, dem Opernsänger, vorbei. Aber so wie die Geschäfte in Berlin laufen, wird er in den nächsten Monaten nicht so oft Zeit haben. Seine Bukowski/Waits-Revue läuft regelmäßig im Ostberliner Club "Cookaburra", ein Projekt im "Barieté" in den noblen Hacke'schen Höfen startet gerade, und für 2005 ist die Kult-Location BKA als weitere Spielstätte ausersehen. 70 Auftritte seit Herbst letzten Jahres: Das amerikanische Dream-Team mit dem Underground-Poeten und dem genialen Musiker ist nach wie vor eine Zugnummer. Und seit Kiessling mit der Schauspielerin Marie Gruber, im Osten der Republik ein Star, eine neue Revue erarbeitet hat, ist das Interesse noch gewachsen. Die neue Version liegt jetzt auf CD vor, auf den Markt gebracht vom renommierten Label "Busch-Funk", wie Michael Kiessling nicht ohne Stolz vermerkt. Auf 26 Tracks, darunter einem Video-Bonus, ist fast die komplette Revue dokumentiert. 13 Songs und ebenso viele Szenen geben die Atmosphäre der Show überzeugend wieder. Dabei kommt es dem Programm zugute, dass man sich nicht mehr sklavisch auf Bukowski und Waits beschränkt. Matthias Behrsing (Piano, Akkordeon) und Jens Saleh (Kontrabass) begleiten Grubers teils derbe, teils poetische Texte mit kongenialer Unterleg-Musik. Aber so richtig packend wird es, wenn Kiesslings Gänsehaut-Stimme Nick Caves "Where the wild roses grow", Bernsteins "Somewhere", Cohens "Suzanne" oder Waits-Klassikern wie "Alice", "Invitation to the blues" oder "Downtown Train" zu Leibe rückt. Dann hält man beim Hören schon mal den Atem an. Derweil ist der unermüdliche Sänger schon bei der Vorbereitung seines nächsten Programms. "Säufermond" soll es heißen, ein Chanson-Abend in kleiner Besetzung, ähnlich wie die "Deutschen Lieder", die er vor zehn Jahren vorstellte - Premiere war damals in Trier. Das Ton-Steine-Scherben-Projekt, bei dem Kiessling den Part von Rio Reiser mit Musikern der Original-Besetzung übernahm, ist nach erfolgreichen Jahren inzwischen abgehakt. "Es hat tierisch Spaß gemacht, aber es war irgendwann durch", zieht er Bilanz. Im Dezember wird er mal wieder in Trier gastieren: Im Walderdorff's feiert er "Fiese Weihnacht". Und auch sonst hat er seine Heimatstadt nicht aus dem Blick verloren. Das Projekt "Kulturhauptstadt 2007" in der Großregion rund um Luxemburg sticht ihm in der Nase. "Ich hätte Lust, mal wieder was zu machen", sagt er. Und wenn Kiessling was macht, war es für Trier immer ein Gewinn: Die Beatles-Revue mit Trierer Musikern, das Tufa-Musical "Violetta", etliche Kinderstücke und vor allem die grandiose Filmmusik-Revue "Moderne Zeiten", die vor elf Jahren im Trierer Theater den Rheinland-Pfälzischen Kultursommer spektakulär eröffnete. Anno 2005 hat Trier wieder diese Ehre. Vielleicht ist ja dann irgendwann auch wieder ein Kiessling-Projekt in Aussicht.