Türme für Gott und die Welt

Türme für Gott und die Welt

Lange bevor ein Ort erreicht ist, sind seine Kirchtürme schon sichtbar. Was uns heute ganz normal erscheint, war nicht immer so.

Wer in diesen Sommertagen mit dem Fahrrad oder sonst im Land unterwegs ist, dem fällt es wieder einmal auf: Lange bevor ein Ort erreicht ist, sind seine Kirchtürme schon sichtbar. Was uns heute ganz normal erscheint, war nicht immer so.

Ganz früher hatten Kirchen nämlich gar keine Türme. Sie waren einfach Hallen für Versammlungen. Geändert hat das Kaiser Konstantin. Er soll vor 1700 Jahren veranlasst haben, dass die Dächer christlicher Tempel Türme bekamen. Erst 300 Jahre später wurden den christlichen Kirchen dann richtige, damals frei stehende Türme zur Seite gestellt. Wer schon einmal in Italien war, kennt das. Diese Türme heißen dort "Campanile". Die islamischen Kirchen (Moscheen) bekamen ihre Türme (Minarette) 100 Jahre später. Bis alle christlichen Kirchen einen eigenen Turm hatten, dauerte es allerdings noch 600 Jahre.

Jede Zeit hat ihre eigenen Turmformen. Am häufigsten sind hierzulande die Spitztürme. In der Zeit, die man Renaissance nennt (vor etwa 500 Jahren), und im Barock (etwa vor 400 Jahren) waren Türme mit glockenförmigen Dachhauben modern. Die Türme, deren Hauben an Zwiebeln erinnern, heißen entsprechend "Zwiebeltürme". Kleine Türme, die über dem Kirchenraum wie Reiter auf dem Dachfirst sitzen, heißen "Dachreiter".

Kirchtürme haben viele Funktionen. Sie sollen Gläubigen den Weg in die Kirche und in den Himmel zeigen, sie tragen die Glocken und das Uhrwerk. An der Küste sollten sie Schiffen den Weg ans Land weisen.

Im Mittelalter waren Kirchtürme zudem Wachtürme, auf denen jemand Ausschau nach Feinden hielt. Auch wenn in der Stadt ein Feuer ausbrach, konnte man es von oben oft viel schneller sehen. Heute tragen Kirchtürme zum Teil Funkstationen. Die Höhe der Kirchtürme und ihre Zahl hatten auch etwas mit der Bedeutung der Kirche und der Macht ihrer Erbauer zu tun. In Trier musste zum Beispiel ein Turm des Doms erhöht werden, weil ihm die Türme von St. Gangolf Konkurrenz machten.

Eva-Maria Reuther