TV-Geistesblitze: "Mit seinen Pfunden wuchern"

TV-Geistesblitze: "Mit seinen Pfunden wuchern"

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie man mit einem Pfund wuchern soll? Oder heißt es "mit seinen Pfründen wuchern"? Diese Frage stellte uns TV-Leser Kurt Kullmann aus Trier.

Wer seine Begabungen klug einsetzt, um seine Ziele zu erreichen, wuchert tatsächlich mit seinen Pfunden. Doch was haben nun die eigenen Begabungen mit Pfunden zu tun?

"Nutze deine Chance!" oder "wuchere mit deinen Pfunden" - so ließe sich die Erkenntnis in Lukas 19, 26 interpretieren: "Wer da hat, dem wird gegeben werden." Denn die Redensart ist eine Anspielung auf das biblische Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (Lk 19,11-28 und Mt 25, 14-30): Ein Fürst überlässt seinen Dienern Geld, das sie in seiner Abwesenheit gewinnbringend anlegen sollen. Jeder erhält ein Pfund, eine per Gewicht bestimmte Menge an Geld. Zwei der Diener investieren die Mittel klug und können stattliche Gewinne einfahren. Der dritte Diener jedoch ist weniger risikofreudig und vergräbt sein Pfund lieber aus Furcht vor Verlusten. Damit nimmt er in Kauf, dass sein Kapital nicht wuchert.

Bereits im Frühen Mittelalter wird das Wort "wuochern" als Übersetzung von lateinisch "fenerari", gewinnbringende Geschäfte betreiben' verwendet. "Wuochern" bedeutet auch ,Frucht bringen'. Wer gewinnbringende Geschäfte betreibt, sorgt dafür, dass seine Kapitalanlagen Früchte tragen. Wuchert man also mit seinem Pfunde, vermehrt man nach der ursprünglichen Bedeutung durch kluge Investitionen sein Geld.

In einer anderen Übersetzung der Bibelstelle wird statt "Pfund" das griechisch-lateinische Wort "Talent" beibehalten, das ein antikes Geldmaß bezeichnet. In der übertragenen Bedeutung heißt das, seine Geistesgaben sinnvoll einzusetzen, um etwas aus sich zu machen. Bis heute ist das Wort "Talent" für ,Begabung' gebräuchlich, während "Pfund" in dieser Bedeutung nur noch innerhalb der Redewendung geläufig ist.

Hin und wieder begegnet man auch dem Ausdruck "mit seinen Pfründen wuchern". Es ist möglich, dass es sich hier um eine Verwechslung der ähnlich lautenden Worte "Pfund" und "Pfründe" handelt. Als Pfründe bezeichnet man ein Amt und die damit verbundenen Einkünfte. Da auch Pfründe etwas mit Kapital und Geld zu tun haben, liegt eine Verwechslung mit "Pfund" nahe.

Monika Hanauska, Uni Trier, Historisch-Kulturwissenschaftliches Forschungszentrum Mainz-Trier;

Foto: David J., photocase.de

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