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Unhöflich sein erlaubt, wenn's brenzlig wird

Stopp: Irene Stangl zeigt im Konzer Haus der Jugend den Kindern, wie man jemanden auf Abstand hält. TV-Foto: Frank Göbel
Stopp: Irene Stangl zeigt im Konzer Haus der Jugend den Kindern, wie man jemanden auf Abstand hält. TV-Foto: Frank Göbel
Konz. Achtung Gefahr: Bei Leseratte Lucky stellen sich die Nackenhaare auf, wenn es brenzlig wird. Aber was dann? Was Kinder tun können, wenn fremde Erwachsene sie ansprechen, hat Irene Stangl Kindern in Konz erklärt - und Lucky hat aufmerksam zugehört. Frank Göbel

Konz. Neulich hat Leseratte Lucky etwas Eigenartiges erlebt: Da kommt auf der Straße ein wildfremder Mann auf das TV-Maskottchen zu, zeigt Lucky ein klitzekleines Babykätzchen, das er in der Hand hält, und fragt dann, ob er nicht mitkommen wolle: Bei sich zu Hause habe er noch mehr süße Tiere. Erst mal hat Lucky es nicht so mit Katzen, und überhaupt: Als ob er so verrückt wäre, mit einem total Fremden mitzugehen!
Aber die schlaue Ratte hat sich erst gar nicht mit dem Mann unterhalten, sondern sich einfach umgedreht und ist schnurstracks zu anderen Kindern und deren Eltern gegangen, die in der Nähe Fußball gespielt haben. Von dem Fremden war dann auch nichts mehr zu sehen, der hat sich lieber schnell verdrückt.
"Das hast du gutgemacht", sagt Irene Stangl. Die Pädagogin erklärt immer wieder Kindern, wie sie sich gegen Gewalt und Gefahren schützen können.
Auf innere Alarmanlage hören


Im Moment zum Beispiel bei den Wochen zur Gewaltprävention (Prävention bedeutet Vorbeugung, Verhinderung), die in Trier und dem Landkreis Trier-Saarburg vom Arbeitskreis Gewaltprävention veranstaltet werden.
Gerade gibt Stangl etwa im Haus der Jugend einigen Kindern Tipps: Woran merkt man zum Beispiel eigentlich, ob eine Situation gefährlich ist? "Manchmal kriegt man so ein mulmiges oder ängstliches Gefühl - das ist wie eine Alarmanlage in euch drin, auf die solltet ihr unbedingt hören!", erklärt Irene Stangl und gibt noch ein Beispiel: "Neben euch hält ein Auto an, und der Fahrer fragt euch etwas, vielleicht nach dem Weg. Macht es wie Lucky, sprecht nicht mit ihm, sondern geht einfach weiter!"
Ein Kind aus der Gruppe fragt: "Aber was ist denn, wenn der eigentlich gar nichts Böses wollte? Ist das nicht total unhöflich?" Das findet Irene Stangl nicht: "Da würde ich mir gar keine Gedanken drüber machen! Deine Sicherheit geht vor - in solchen Situationen darfst du ruhig auch mal unhöflich sein: Der kann ja auch irgendeinen anderen Erwachsenen ansprechen!"
"Aber was mache ich, wenn mich jemand im Bus nicht in Ruhe lässt?", fragt Lucky und tritt mit einer Pfote in die Luft: "Darf ich dann Karate machen?" "Naja, ich weiß nicht, ob du da gegen einen Erwachsenen ankommst?", sagt Irene Stangl. "Viel besser ist es, einfach laut zu werden: Sag deutlich ,Nein\' oder ,Lassen Sie mich in Ruhe!\'. Vor allem auch so, dass andere Erwachsene, die in der Nähe sind, das mitkriegen. Dazu kannst du auch eine Grenze ziehen, indem du beide Hände vor dich hältst wie der Ritter seinen Schild."
Lucky versucht das und kommt sich sofort viel stärker vor. "Sehr hilfreich ist es auch, einfach aus vollem Leib zu schreien. Etwa so." Da stampft die Frau mit dem Fuß auf, ballt die Fäuste, holt tief Luft und brüllt: "Aaaaaaaah!", dass Lucky fast die großen Ohren abfallen. "Siehst du", sagt Irene Stangl, "damit verschreckst du den Täter - und hast auf jeden Fall die Aufmerksamkeit von allen Umstehenden. Natürlich kannst du auch direkt um Hilfe bitten - dann sprichst du am besten ganz gezielt Leute an - zum Beispiel: ,Sie da mit der grünen Jacke, können Sie mir helfen?\'"
Lucky fühlt sich jetzt noch sicherer: Mit den anderen Kindern hat er viele gute Tipps bekommen und weiß jetzt, was er noch alles tun kann, wenn ihn noch mal einer komisch anspricht. Aber zum Glück kommt das ja nicht so oft vor!