| 23:03 Uhr

Mainz
Viel Klopapier und eine irre Rückholaktion

Weil Mainzer Fans aus Protest gegen die Montagsspiele Klopapierrollen auf das Feld warfen, verzögerte sich der Anpfiff zur zweiten Halbzeit der Partie gegen Freiburg. Ein weiterer Aufreger war der Videobeweis, der zu einer kuriosen Rückholaktion führte.
Weil Mainzer Fans aus Protest gegen die Montagsspiele Klopapierrollen auf das Feld warfen, verzögerte sich der Anpfiff zur zweiten Halbzeit der Partie gegen Freiburg. Ein weiterer Aufreger war der Videobeweis, der zu einer kuriosen Rückholaktion führte. FOTO: Arne Dedert / dpa
Mainz. Fußball: Beim Mainzer 2:0-Sieg gegen Freiburg sorgt der Videobeweis mal wieder für mächtig Aufregung.

Erst Pausenpfiff, dann Videobeweis: Ein kurioser Elfmeter hat dem FSV Mainz 05 zum Befreiungsschlag im Abstiegskampf verholfen und die Hoffnungen des Hamburger SV und des 1. FC Köln auf eine Rettung vor dem Absturz in die zweite Liga auf ein Minimum schrumpfen lassen. Dank des 2:0 (1:0)-Siegs gegen den SC Freiburg schoben sich die Mainzer vier Spiele vor Saisonschluss mit 30 Zählern an den punktgleichen Breisgauern vorbei auf Rang 15 und verschärften die dramatische Situation für den HSV und Köln, deren Rückstand auf den Relegationsplatz nun schon acht beziehungsweise neun Punkte beträgt.

  Pablo De Blasis beendete mit einem Doppelpack die Mainzer Negativserie von sechs sieglosen Spielen. Zunächst traf der Argentinier per Handelfmeter (45.+7), dann nach einem kapitalen Schnitzer von SC-Torwart Alexander Schwolow (79.).

  26 407 Zuschauer erlebten am Montagabend ein Novum, das schon jetzt einen Platz in den Annalen der Fußball-Bundesliga sicher hat. Denn Schiedsrichter Guido Winkmann hatte bereits zur Halbzeit gepfiffen, als er wegen eines Handspiels des Freiburgers Marc-Oliver Kempf bei der letzten Aktion im ersten Durchgang ein Signal von Video-Assistentin Bibiana Steinhaus erhielt. Nach Ansicht der Videobilder gab Winkmann Elfmeter — zu diesem Zeitpunkt waren die Gäste schon längst in der Kabine. Erst sieben Minuten später, als die Freiburger auf den Rasen zurückgekehrt waren, trat De Blasis an und vollendete eiskalt. „Das müssen wir akzeptieren. Es wird immer kurioser. Aber es ist schon regelkonform“, sagte SC-Sportvorstand Jochen Saier.

  Fans beider Mannschaften protestierten vor der Partie mit Plakaten und lauten Pfiffen. „Gegen Montagsspiele“ schrieben sie in großen Lettern, die an der Außenlinie aufgestellt waren. Weil es eine Weile dauerte, bis das Protestmaterial weggebracht worden war, verzögerte sich der Anpfiff um einige Minuten. Die Deutsche Fußball Liga hatte die Einführung von fünf Montagsspielen in dieser Saison mit der Entlastung für die Europa-League-Teilnehmer begründet. Auch der Start der zweiten Hälfte verzögerte sich, weil Zuschauer Klopapier auf das Spielfeld warfen.

  Zu Beginn hatten beide Teams Mühe, in die Partie zu finden. Von einer ständigen und ungewohnten Geräuschkulisse begleitet, die an den Klang der Vuvuzelas bei der WM 2010 in Südafrika erinnerte, konnte sich weder Mainz noch Freiburg wirkliche Vorteile erspielen. Es dauerte knapp 20 Minuten, ehe Abdou Diallo die erste Chance hatte. Nach einer Freistoß-Flanke von Danny Latza verfehlte der Mainzer Verteidiger das Freiburger Tor knapp.

  Die Gastgeber erhöhten nun zwar etwas den Druck, kamen aber kaum gefährlich zum Abschluss. Das fußballerische Niveau blieb überschaubar. Zweikämpfe und Laufarbeit prägten das Geschehen.

  Nach der deutlich verlängerten ersten Hälfte und dem kuriosen Gegentreffer versuchte Freiburg nach dem Wiederanpfiff, energischer nach vorne zu spielen. Den Gästen fiel in der Offensive jedoch nicht viel ein.

  Elf Minuten vor Schluss leistete sich SC-Torwart Alexander Schwolow einen Riesenpatzer und passte den Ball zum Mainzer Quaison. Der Schwede legte quer, und De Blasis musste nur noch einschieben. Das Spiel war entschieden.