Viel mehr als Schnee

Viel mehr als Schnee

Bis zu seinem Arbeitsplatz hat es Gerard Tiggeler nicht weit. Etwas mehr als zwei Kilometer sind es, genauer gesagt 2150 Meter. Das Besondere daran ist allerdings, dass es sich dabei um Höhenmeter handelt. Seit zwölf Jahren lebt der 43-Jährige in den französischen Alpen, in einem Weiler nahe Moûstier.

Bis zu seinem Arbeitsplatz hat es Gerard Tiggeler nicht weit. Etwas mehr als zwei Kilometer sind es, genauer gesagt 2150 Meter. Das Besondere daran ist allerdings, dass es sich dabei um Höhenmeter handelt. Seit zwölf Jahren lebt der 43-Jährige in den französischen Alpen, in einem Weiler nahe Moûstier. Er arbeitet in Les Menuires, auf dem Mont de la Chambre, einem zentralen Berg der mit 600 Pistenkilometern größten Skischaukel der Welt. Dort steht - unmittelbar neben dem Gipfelrestaurant auf 2850 Metern Höhe - eine kleine Hütte. "Das ist der höchstgelegene Info-Point Europas", erklärt der in den Niederlanden geborene Vater dreier Kinder und zeigt dabei sein spitzbübisches Lächeln. Er sei glücklich, versichert er. "Wer hat schon die Möglichkeit, an jedem Tag an so einem wunderbaren Ort zu sein?"40 Jahre der Superlative

Wenn die Sonne scheint, und das tut sie oft, ist das Panorama in der Tat atemberaubend. In allen Himmelsrichtungen recken unzählige Felsgiganten ihre verschneiten Spitzen in den azurblauen Himmel. In der Ferne spielt der König der französischen Alpen, der Mont Blanc, mit einigen Wolkenfetzen verstecken. Vielleicht war es diese Aussicht, die vor mehr als 40 Jahren die Pioniere des Wintertourismus im Belleville-Tal zu ihrer Vision inspirierte, hier etwas ganz Großes zu schaffen. Gemeinsam mit den Tälern von Méribel, Courchevel und Val Thorens bietet Les Menuires heute 328 Pisten, die von 200 Liften erschlossen werden. Bis zu 260 000 Skifahrer können so stündlich auf einen der 14 erschlossenen Gipfel mit mehr als 2400 Metern Höhe transportiert werden. 1500 Schneekanonen sorgen auch in schneearmen Zeiten für die notwendige weiße Unterlage für die Brettel-Fans aus aller Welt. 25 000 Gästebetten aller Kategorien stehen alleine in Les Menuires zur Verfügung, das vor einer Woche mit großem Aufwand Geburtstag feierte.

Die Hochhaus-Architektur der alpinen Kleinstadt ist freilich umstritten. Sie entstand zwischen 1965 und 1975, als die Architekten Douillet und Maneval den Anspruch höchster Effizienz verwirklichten.

Das erste Hochhaus ist inzwischen abgerissen und hat gefälligerer Architektur Platz gemacht. "Es gibt da noch einige hässliche Gebäude, die müssten weg", ist Gerard Tiggeler überzeugt. Sein Wunsch wird sich erfüllen. Denn in Les Menuires wurden wieder die Zeichen der Zeit erkannt. Zwar sind die Trois Vallées noch immer das Dorado für sportliche Skifahrer, Snowboarder und Skiverrückte wie Tiggeler. Er lernte seine heutige Frau, eine Röntgenassistentin, vor zwölf Jahren nach einem schweren Skiunfall auf der Intensivstation des Krankenhauses in Moûstiers kennen...

Seit dem Ende der 90er-Jahre wird aber gleichzeitig intensiv daran gearbeitet, mehr für Familien zu bieten. Dazu gehören großzügige Ferienwohnungen wie das neue Häuserensemble Montagnettes mit seinen 58 Einheiten für 500 Personen ebenso wie das erst in diesem Jahr eröffnete Sport-Zentrum.

"Wir bieten Betreuung für Kinder ab drei Jahren", erläutert Régine Jay-Grillot, die Leiterin des örtlichen Fremdenverkehrsamtes. Sie versichert, dort und in der 200 Lehrer starken Skischule werde auch Deutsch gesprochen. In Zeiten, in denen die Zahl der Gäste nicht mehr automatisch steigt, hat sich auch das geändert.

Gleich geblieben ist allerdings das geringe Verständnis der Franzosen für ausschweifendes Après-Ski. Zwar gibt es auch im Bellevilletal Orte, an denen nur das drohende Koma den Alkoholkonsum durstiger Horden aus skandinavischen und angelsächsischen Regionen stoppen kann. Les Menuires ist davon allerdings weitgehend verschont und wirbt mit vorzüglichen Restaurants aller Preisklassen, die auch die Mittagspause an der Piste und den Abend zu einem genussreichen Erlebnis machen.

Gerard Tiggeler, der freundliche Fremdenführer auf dem Mont de la Chambre, liebt auch dieses kulinarische Angebot an seiner neuen Heimat. Und wer wissen will, wo schöne Hütten warten, sollte an die Tür des höchsten Info-Points Europas klopfen. Er erhält dort ebenso fundierte Auskunft wie all jene, die nach den schönsten Tiefschnee-Abfahrten suchen oder wissen wollen, auf welchen Pisten sich 1000 Höhenmeter auch von durchschnittlichen Skifahrern genussvoll bewältigen lassen. Und Pisten in allen Kategorien gibt es mehr als genug. Welches andere Skigebiet kann das von sich behaupten?

Rainer Neubert

Infos: Les Menuires

Office de Tourisme

BP 22 - F73440 Les Menuires

Tel.: 33 (0) 4 79 00 73 00

www.lesmenuires.com