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Bernkastel-Wittlich
Vom Honsregger Platt un Muuseler Mundart

hunsrueckwoerterbuch
hunsrueckwoerterbuch FOTO: Verlag / TV
Bernkastel-Wittlich. Eine Erfolgsgeschichte: Das Wörterbuch „Hunsrück heißt Honsreck“ erscheint fünf Jahre nach der ersten bereits in der zweiten Auflage. Die Autoren haben es nicht nur überarbeitet, es ist sogar noch mehr drin.

Erst kürzlich ist es erschienen, das Wörterbuch für den Hunsrücker Dialekt: Bernd Bersch hat auf mehr als 200 Seiten Vokabeln und Grammatik des Dialekts zusammengetragen. Damit können auch Zugezogene, die Frii­men (die Fremden), das Platt lernen – wenn sie denn wollen. Bersch trug zuerst die Wörter zusammen und fing 2011 an, das Lexikon zu schreiben. Und schließlich war das Wörterbuch „Hunsrück heißt Honsreck“, das nun in der zweiten und überarbeiteten Auflage vorliegt, fertig. Bereits 2012 stieß die erste Auflage auf große Resonanz, wie der Kontrast-Verlag bestätigt. Es habe zahlreiche Rückmeldungen von Menschen aus der Region gegeben.

Für die überarbeitete Auflage wurden viele Anregungen von Lesern aufgenommen, wodurch das Buch  in der zweiten Auflage umfangreicher geworden ist: Es wurden mehr als 300 Vokabeln ergänzt, außerdem wird noch etwas stärker auf regionale Unterschiede eingegangen, und durch eine alphabetische Sortierung der Ausdrücke im Wortteil „Hochdeutsch – Honsregger Platt“ wird die Auffindbarkeit von Wörtern und ihren Übersetzungen erleichtert.

Eine Liste mit Spitznamen für die Bewohner einiger Dörfer ist ebenso neu wie eine kurze Abhandlung über die Auswanderungswellen aus dem Hunsrück und dem damit verbundenen Export des Honsregger Platts.  Das Grußwort stammt von der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer.

Die Unterschiede in Wortwahl und Ausdrucksweise des Dialekts im Vergleich zum Hochdeutschen werden schließlich mithilfe eines Kochrezeptes für die Hunsrücker Spezialität „Debbekooche“ und einer Kurzgeschichte „Dat Märche vom Schniekugelerfenner“ oder auf Hochdeutsch „Das Märchen vom Schneekugelerfinder“ veranschaulicht.

Aber nicht nur im Hunsrück, auch an der Mosel wird der Dialekt gewürdigt: Zum Beispiel wird im November zum 30. Mal der moselfränkische Mundartabend in Kröv angeboten (Sonntag, 4. November, 19 Uhr, Reichsschenke Zum Ritter Götz). Vorträge und Anekdoten werden an diesem Abend in moselfränkischem Dialekt vorgetragen.

Knapp zwei Wochen später gibt es in Piesport eine Mundart-Weinprobe, veranstaltet von der Ortsgemeinde Piesport zusammen mit dem Freundeskreis moselfränkischer Mundart  (16./17. November, im Bürgerhaus am Ausoniusufer). Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Majusebätter“.

Und in Wittlich gab’s zu Weihnachten erstmals die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium auf Platt an den Schaufenstern der Innenstadt zu lesen. Die Übersetzung der Passage der Luther-Bibel in den Dialekt der Säubrennerstadt stammt aus der Feder von Albert Klein, erster Beigeordneter der Stadt und passionierter Heimatforscher. Klein spricht als einer der wenigen in der Kreisstadt noch echtes Wittlicher Platt. Seine Übersetzung trug den Titel: „Wie Jesus ubp de Welt kummen äs“. Aus der Feder von Klein stammt auch das über die Grenzen der Stadt bekannte Säubrennerfestspiel, das traditionell am Kirmesfreitag im August im Stadtpark gezeigt wird – auf Platt selbstverständlich.

 Viele Dialekte, viele „Zungen“: Den typischen Rheinland-Pfälzer gibt es nicht.    
Viele Dialekte, viele „Zungen“: Den typischen Rheinland-Pfälzer gibt es nicht.   FOTO: Fritz-Peter Linden / TV