| 20:56 Uhr

Rostow am Don
Vom Treten und Getreten-Werden

Neymar hatte wenig Spaß am Spiel gegen die Schweiz.
Neymar hatte wenig Spaß am Spiel gegen die Schweiz. FOTO: dpa / Themba Hadebe
Rostow am Don. Neymar ist nach dem 1:1 gegen die Schweiz bedient und schimpft über Gegner und Schiedsrichter.

(dpa) Es war schon weit nach Mitternacht, als Brasiliens Superstar Neymar doch noch seinen großen Auftritt hatte. Die gelbe Baseballmütze mit dem eigenen Namenszug tief ins Gesicht gezogen, humpelte der teuerste Fußballer der Welt nach dem enttäuschenden Auftaktremis gegen die Schweiz frustriert aus der WM-Arena in Rostow am Don, als wolle er sagen: Schaut her, wie hart man mich rangenommen hat.

„Die Spieler wurden getauscht, um die Fouls zu begehen. Wenn die Schiedsrichter darauf nicht ihre Aufmerksamkeit lenken, ist das schlecht für den Fußball“, beschwerte sich der Stürmer vom französischen Topclub Paris Saint-Germain nach dem 1:1 (1:0) und giftete: „Die Schweiz hat das Unentschieden nicht verdient.“

Die wackeren Eidgenossen focht das nicht an. „Neymar liegt immer am Boden“, sagte Gegenspieler Valon Behrami. Und Torhüter Yann Sommer vom Bundesligisten Borussia Mönchengladbach stellte fest: „Wir haben es ihm schwer gemacht, weil wir ihm auf den Füßen gestanden und nicht viel Platz gelassen haben. Ich glaube, er hatte nicht viel Spaß.“

Das war noch untertrieben. Neymar war genervt und am Ende zermürbt. Gleich zehnmal wurde er von den Beinen geholt – so oft wie kein anderer Spieler in einem WM-Spiel seit 20 Jahren. 1998 hatte es Englands Alan Shearer elfmal erwischt.

So wurde es nichts mit der großen Zaubershow, die sich die ganze Fußball-Nation von Neymar erhofft hatte. Der 26-Jährige, der nach einer Ende Februar erlittenen Fußverletzung mit anschließender Operation erst kurz vor der Weltmeisterschaft sein Comeback gegeben hatte, konnte dem Spiel des fünfmaligen Weltmeisters am Sonntagabend zum Start in die WM-Mission, die am 15. Juli in Moskau mit dem sechsten Titel enden soll, nicht den erhofften Glanz verleihen.

Ein Tänzchen hier, ein Trick dort - am Ende blieb im Spiel des 222-Millionen-Mannes vieles Selbstzweck. In den sozialen Medien brachte ihm dies nur Hohn und Spott ein. „Es ist so nervig Neymar zuzuschauen. Mit seiner Schauspielerei wirkt er wie ein Cristiano Ronaldo auf Steroiden“, schrieb ein User. Und ein anderer forderte: „Hör auf mit den Albernheiten.“

Nur einmal blitzte Neymars Torgefahr auf, als er kurz vor Schluss per Kopf den Siegtreffer vergab. „Ich muss nur versuchen, Fußball zu spielen“, räumte er ein. „Ich denke, dass wir uns auf jeden Fall verbessern können. Das war auch ein Spiel, um daran erinnert zu werden, dass bei einer Weltmeisterschaft nichts einfach ist.“ Neymars Frust wurde noch durch das Ausgleichstor von Steven Zuber (50.) gesteigert, dem ein Schubser des Hoffenheimers gegen Innenverteidiger Miranda vorausgegangen war. „Ich denke, das war ein Foul. Hier sind vier Offizielle, vier Profis arbeiten für solche Dinge. Wenn sie ihre Arbeit nicht machen, ist das ihr Problem“, kritisierte Neymar.

Brasilien - Schweiz⇥ 1:1 (1:0)

Brasilien: Alisson - Danilo, Thiago Silva, Miranda, Marcelo - Casemiro (60. Fernandinho) - Paulinho (67. Renato Augusto), Philippe Coutinho - Willian, Gabriel Jesus (79. Roberto Firmino), Neymar
Schweiz: Sommer - Lichtsteiner (87. Lang), Schär, Akanji, Ricardo Rodriguez - Behrami (71. Zakaria), G. Xhaka - Shaqiri, Dzemaili, Zuber - Seferovic (80. Embolo) - SR: Cesar Arturo Ramos Palazuelos (Mexiko) - ZS:  43 109 - Tore: 1:0 Philippe Coutinho (20.), 1:1 Zuber (50.)

(dpa)